Weiße Fahnen in Ochsenfurt

OCHSENFURT Der 1. April 1945 ist ein markantes Datum in der Geschichte von Ochsenfurt. Es war der Tag, als amerikanische Truppen kampflos einrückten und somit der Zweite Weltkrieg für die Bewohner der Stadt ein glimpfliches Ende nahm.
Amerikanische Panzer in Ochsenfurt Anfang       -  Amerikanische Panzer in Ochsenfurt Anfang April 1945: Das von deutschen Pionieren gesprengte Teil der Alten Mainbrücke hatten die Amerikaner schnell wieder repariert.
Amerikanische Panzer in Ochsenfurt Anfang April 1945: Das von deutschen Pionieren gesprengte Teil der Alten Mainbrücke hatten die Amerikaner schnell wieder repariert. Foto: FOTO ERIKA GROTH-SCHMACHTENBERGER
Glücklichen Umständen und dem Mut von Bürgerinnen und Bürgern ist dies zu verdanken. Nördlich des Mains tobten aber heftige Kämpfe. An die Schauplätze des Kriegsendes in und um Ochsenfurt führt der Arbeitskreis Geschichte am kommenden Wochenende.

 

Der Arbeitskreis, der sich vor knapp einem Jahr bildete, hat intensiv vorhandene Quellen und Zeitzeugen-Aussagen zusammen getragen und ausgewertet, dazu noch weitere Zeitzeugen ausfindig gemacht und ihre Schilderungen festgehalten. So ergibt sich nun, 60 Jahre nach dem Kriegsende, ein noch genaueres Bild der Geschehnisse.

Nachdem amerikanische Heereseinheiten Ende März 1945 den Rhein überschritten hatten, rücken sie zügig, trotz Widerstands deutscher Truppen, Richtung Mainfranken vor. Am Karsamstag, 31. März, greifen US-Tiefflieger in Ochsenfurt Eisenbahnzüge, Bahnhof, Post und Privatgebäude an. In Ochsenfurt waren Vorkehrungen für eine Verteidigung getroffen, an Zugängen zur Altstadt Barrikaden errichtet. Mutige Frauen versuchen deren Beseitigung durch Vorsprache bei der NSDAP-Kreisleitung zu erreichen. Einige der Frauen werden von der Geheimen Staatspolizei verhört. Es kursiert sogar eine Liste mit Namen von "Rädelsführerinnen", die standrechtlich hingerichtet werden sollen. In eigener Regie und unter Todesgefahr räumen die Frauen die Sperren weg. Derweil ist noch geplant, Ochsenfurt durch die Waffen-SS verteidigen zu lassen.

Am 1. April sprengen deutsche Pioniere ein Teil der alten Mainbrücke, um den Vormarsch der Amerikaner zu stoppen. Doch die rollen schon von Hohestadt herunter. Zwei Bewohner, ein Mann und eine Frau, gehen ihnen mit weißen Tüchern entgegen. Während die Amerikaner in Ochsenfurt - wie auch in Tückelhausen, Hohestadt und Hopferstadt - kampflos einrücken, formiert sich Gegenwehr nördlich des Mains, am Forst, in Zeubelried und Erlach.

Mehrere Tage brauchen die Amerikaner, um den Widerstand zu brechen. US-Artillerie schießt von Hohestadt und Tückelhausen über den Main. Panzer, Haubitzen und Infanterie rücken mühsam vor. Es gibt hohen Blutzoll auf beiden Seiten. In den beiden Dörfern gehen Anwesen in Flammen auf.

Über 30 deutsche Soldaten werden in Zeubelried notdürftig bestattet. Ein Soldatengrab befindet sich heute noch im südlichen Bereich des Ochsenfurter Forstes. Dort ist ein Fahnenjunker aus Fürth bestattet, der damals im Alter von 18 Jahren fiel.

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