GERBRUNN

Weiter Würzburger Wasser oder lieber Fernwasser?

Über das Trinkwasser diskutierte der Gemeinderat Gerbrunn. Ratsmitglied Wolfgang Stier (FWG) hatte eine Verbesserung der Wasserqualität und gegebenenfalls einen Wechsel des Wasserversorgers beantragt. Stier und eine Handvoll in der Sitzung anwesende Bürger stört vor allem die seit kurzem wieder vorhandene extreme Härte des Gerbrunner Trinkwassers.

Ein Problem ist die vor allem für elektrische, mit Wasser betriebene Geräte. Sie hat aber auch Einfluss auf den Geschmack. Kritisiert wird auch, dass die Bürger nicht über diese Änderung informiert worden seien.

Ein Vertragswechsel, informierte Bürgermeister Stefan Wolfshörndl daraufhin, sei so einfach nicht möglich. Gerbrunn hat seit 1961 einen Wasserlieferungsvertrag mit den Würzburger Stadtwerken und deren Nachfolger, der Trinkwasserversorgung Würzburg (TWV). Dieser läuft Ende 2021 aus.

Bis Ende 2018, so der Bürgermeister, müsse der Gemeinderat entscheiden, ob er weiterhin das Würzburger Wasser aus der Region beziehen will oder sein Wasser bei einem Fernwasserverband einkaufen will.

Konkret kommt das Wasser, mittlerweile ohne zwischengeschaltete Pumpwerke, aus dem Hochwasserbehälter am Galgenberg. Strebe man einen Wechsel an, müsse man vorab klären, was das finanziell wie für den Betrieb des Leitungssystems bedeute.

Nicht schlecht oder ungesund

Alfred Lanfervoß, Abteilungsleiter von TWV, erläuterte im Anschluss die Hintergründe der typischen Würzburger Wasserhärte, die schon mal an die 40 Härtegrade reiche. Das Wasser sei damit allerdings, betonte er „nicht schlechter oder ungesunder“, sondern eben „einfach nur kalkreicher und damit härter“.

Bis zum Sommer 2016, so der Fachmann, habe man dem Würzburger Wasser eine Zeit lang Fremdwasser der Fernwasserversorgung Mittelmain beigemischt. Dahinter standen Befürchtungen, das Wasser aus der Region könne eventuell für die Versorgung aller angeschlossenen Kommunen nicht mehr ausreichen. Dies haben sich jedoch als falsch erwiesen.

Deshalb setze man jetzt bei der TWV wieder ausschließlich auf zwei Ziele: die Sicherung der regionalen Wasservorkommen und deren hoher Qualität.

Versuche nicht praxistauglich

Dabei habe man durchaus auch die hohe Härte im Auge. Alle bisherigen Versuche, beispielsweise mit Nano-Osmose oder Membrantechnologie, die Härte vor der Lieferung an die Kunden zu verringern, hätten sich jedoch als nicht praxistauglich erwiesen. Teilweise habe man in den Versuchssystemen sogar toxikologische Folgen beobachtet. „Jede Form der Wasserbearbeitung hat nun mal immer auch Einflüsse auf die Trinkwasserqualität“, so Lanfervoß.

Die in Privathaushalten zum Entkalken oftmals verwendeten Ionenaustauscher beispielsweise nähmen zwar einen hohen Mineralanteil aus dem (geprüften) Trinkwasser heraus. Aber hierfür setzten sie Salz hinzu. Dieses wiederum landete im Vorfluter und schädige den Wasserkreislauf.

Die Härte des Wassers in der Region resultiert aus dem Muschelkalkboden, fuhrt der Fachmann fort. Das Wasser nimmt den Kalk (Karbonat) auf seinem Weg nach oben mit. Doch auch mit dem Kalkgehalt entspreche das Würzburger Wasser – das rund 144 000 Bürger der Region erhalten – ohne Einschränkung den hohen deutschen Standards für Trinkwasser.

Andere Probleme

In anderen Regionen, wo das Wasser erheblich weicher sei, erläuterte der Fachmann weiter, gebe es dafür oftmals andere Belastungen. Diese müssten dort allerdings vor dem Einleiten ins Trinkwassersystem herausgefiltert werden, wie beispielsweise Schwermetalle oder Arsen. Freilich erfülle auch dieses Wasser hinterher voll und ganz die geforderte Trinkwassernorm.

Ob Gerbrunn auch weiterhin das harte Würzburger Wasser beziehen will oder in Bezug aufs Trinkwasser künftig auf Fernwasserversorger baut, das wird in den nächsten Wochen Thema im Gemeinderat sein. Die Verwaltung ist jetzt erst einmal aufgerufen, die für eine fundierte Entscheidung erforderliche Zahlen und Fakten zu sammeln.

Schlagworte

  • Gerbrunn
  • Traudl Baumeister
  • Gesundheitsgefahren
  • Stefan Wolfshörndl
  • Trinkwasser
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!