WÜRZBURG

Weltkulturerbe nicht an die Wand fahren

Würzburg will sein Weltkulturerbe nicht aufs Spiel setzen. Eifrig wurde in den vergangenen Wochen geplant, um die neue Straßenbahn ohne Ärger mit der Unesco an der Residenz vorbeizuführen. Nächste Woche kommen neue Details auf den Tisch. So soll offensichtlich der Residenzplatz in seiner historischen Form wiederhergestellt und der Rennweg in diesem Bereich aufgelöst werden. Ziel sind weniger Autos rund ums Weltkulturerbe.

Der Fall Dresden lässt die Würzburger schaudern: Weil man sich um eine neue Elbbrücke gestritten und sie ohne Abstimmung mit der Unesco durchgepeitscht hatte, wurde Dresden im Sommer der Status als Weltkulturerbe aberkannt. So sprach's im spanischen Sevilla das 21-köpfige Welterbe-Komitee, das einmal jährlich über bedrohte und neue Stätten berät. Die nächste Sitzung findet vom 25. Juli bis 3. August 2010 in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia statt. Auf der Tagesordnung steht dann voraussichtlich auch die Würzburger Residenz mit der neuen Straba.

Damit man am Main nicht ähnlich dumm dreinschaut wie an der Elbe, stehen Stadt, Würzburger Versorgungs- und Verkehrsbetriebe (WVV) und Schloss- und Gartenverwaltung in enger Abstimmung mit der Unesco bzw. deren beratender Fachstelle Icomos (Internationaler Rat für Denkmalpflege). Am nächsten Donnerstag geht es bei einem Treffen in der Residenz in eine dritte Gesprächsrunde. WVV-und Straßenbahnchef Thomas Schäfer hat keine Angst vor Brasilia: „Es sieht alles sehr positiv aus.“

Das dürfte auch daran liegen, dass die Straba-Planer große Rücksicht auf die Bedürfnisse und Wünsche der Residenz genommen haben. Ein Dorn im Auge sind dort besonders die täglich rund 15 000 Fahrzeuge, die sich mit ihren Abgasen am historischen Bauwerk vorbei durchs Oegg-Tor schlängeln. Mit dem Durchgangsverkehr könnte es bald vorbei sein. Nach Main-Post-Informationen soll das schmiedeeiserne Tor von Hofschlosser Johann Georg Oegg künftig lediglich noch als Zufahrt zum Parkplatz vor der Residenz dienen – und zwar als einzige. Die Asphaltstraße entlang des Hofkellers soll rückgebaut, gepflastert und der Platz wieder arrondiert werden. Überlegt wird auch, die Balthasar-Neumann-Promenade zur Einbahnstraße zu machen. Das hätte den Vorteil, die historisch angelegte Baumallee mit allen vier Zeilen zu erhalten – was unter anderem der Verschönerungsverein fordert.



WVV-Geschäftsführer Schäfer gibt sich noch bedeckt. Am Dienstag will er zunächst den Stadträten im Umwelt- und Planungsausschuss den aktuellen Stand berichten. Was er auf Anfrage der Main-Post immerhin bestätigt: Die neue Linie 6 soll – aus der Theaterstraße kommend – nicht mehr am Rande des Residenzplatzes fahren, sondern auf der gegenüberliegenden Straßenseite entlang von Volksbank und alter Staatsbank.

Hintergrund: Die Trasse mit Oberleitung und Masten fällt vor den Häusern weniger störend auf als am freien Platz. Laut Schäfer soll allgemein aufgeräumt werden – auch mit Ampeln, Straßenleuchten und Verkehrsschildern. „Wir hätten dann weniger Masten als jetzt.“ Einen oberleitungsfreien Betrieb schließt der WVV-Chef mittlerweile aus. Zu teuer. Die Haltestelle läge nach diesen Plänen dann vor den Hatzfeldschen Gärten. Um die Gleise unterzubringen, würde die Straße um ein bis drei Meter auf den Residenzplatz wandern.



Diese Veränderungen rund um die Residenz sind auch Teil eines städtisch-staatlichen Konzeptes, mit dem die Residenz besser erschlossen werden soll. Dafür hat der Bund über sein Welterbe-Programm rund 1,7 Millionen Euro an Förderung bewilligt. Der Planungsausschusses des Stadtrates soll dazu in seiner öffentlichen Sitzung am Dienstag (15 Uhr, Wappensaal) einen Ideen- und Realisierungswettbewerb auf den Weg bringen.

Die Residenz-Passage gilt als heikelster Abschnitt. Aber auch ansonsten wirft die Linie 6 viele Fragen auf – unter anderem in der Schwarzen Promenade, bei der Querung des Ringparks oder der Frage, ob Anlieger der Trasse bei Umbauten mitbezahlen müssen. Diese und andere Aspekte werden beim „Stadtgespräch“ von Main-Post und Rudolf-Alexander-Schröder-Haus am Mittwoch, 25. November, diskutiert. Unter dem Titel „Linie 6 – volle Fahrt voraus?“ am Podium: WVV-Chef Thomas Schäfer (er zeigt einen Kurzfilm über die Trasse und neueste Pläne), Heiko Brückner (Regierung von Unterfranken), Stefan Kummer vom Verschönerungsverein und Straßenbahn-Experte Thomas Naumann, früher im Verkehrsministerium. Die Veranstaltung beginnt um 19. 30 Uhr und findet im Saalbau Luisengarten statt. Es moderiert Andreas Jungbauer von der Main-Post.

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