WÜRZBURG

Weltumradler kehrt zurück: Willkommen daheim, Michel!

Weltumrundung auf dem Liegerad: Der Würzburger Michel Leisner war mit seinem Gefährt in 32 Ländern unterwegs. Am Freitag kehrt er das erste Mal seit zwei Jahren und knapp acht Monaten in seine Heimatstadt zurück. Und hat was zu erzählen.
Fotoshooting mal anders: Michel Leisner und sein Liegerad auf der Salzkruste der „Salar de Uyuni“ in Bolivien, mit über 10 000 Quadratkilometern größte Salzpfanne der Erde. Foto: Alle privat

„Ich sitz' hier grad in Mainaschaff bei einem Fan“, sagt Michel Leisner und lacht hörbar. Ungefähr 113 Kilometer trennen ihn zum Zeitpunkt des Telefonats noch von seiner Heimatstadt Würzburg. Wenn er am Freitag mit seinem Liegerad die Stadtgrenze überfährt, hat er auch die letzte Etappe hinter sich – 113 von knapp 54 000 Kilometern, die der 25-Jährige in den letzten zwei Jahren und acht Monaten abgerissen hat. Seine erste Amtshandlung daheim hat er schon fest vor Augen: „Ein Würzburger Hofbräu und dazu eine fränkische Bratwurst mit Sauerkraut.“

Zwei Jahre hatte sich der Abiturient das Geld für die Weltreise spezieller Art als Kellner und Barkeeper verdient. Am 13. Juli 2011 dann der große Tag: Michel Leisner bricht auf, ausgerüstet nur mit seinem Liegerad, dem nötigsten Proviant und einer großen Portion Abenteuerlust. Einen festen Plan gab es nicht – geschlafen wurde wahlweise im Polizei- oder Feuerhaus, bei Privatleuten in Asien oder Südamerika, die ein Zimmer für umgerechnet zwei Euro vermieten, oder als Couchsurfer bei Menschen, die er erst wenige Minuten kannte.

Überraschende Lieblingsländer

32 Länder hat er seitdem bereist – und Dinge erlebt und gesehen, die der Normalbürger wohl nur aus dem Fernsehen kennt. Japan, Brasilien, USA, Mexiko Portugal: Nur eine kleine Auswahl der Länder, die der 25-jährige durchradelt hat. Fragt man den Würzburger nach seinen Favoriten, fällt die Antwort überraschend aus. „Iran, Kolumbien, China. Das sind meine Top Drei.“

Länder, bei denen vielen – Vorurteil hin oder her – spontan Unrecht, Missachtung von Menschenrechten oder Drogenkartelle in den Sinn kommen. Ausgerechnet dort war es am schönsten? „Ja“, sagt Michel Leisner, „die Menschen sind einfach unglaublich warm und lieb. Und das, obwohl sie häufig selbst nur wenig zum Leben haben.“
 

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32 Länder per Liegerad

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Egal, in welchem Land oder auf welchem Kontinent: Wenn der Würzburger von seinen Abenteuern erzählt, wird schnell klar, dass es die kleinen, menschlichen oder auch ungewöhnlichen Geschichten sind, die ihn am meisten faszinieren. Oder verwundern. Wie in Pakistan, „wo mich die Leute total verehrt haben, weil sie Hitler so toll finden.“ Wie in Mexiko, wo er sich hinter der nächsten Straßenecke versteckt, während seine damalige mexikanische Freundin auf dem Markt einkauft, „denn Touristenbetrug ist da an der Tagesordnung. Hätten die Verkäufer mich gesehen, wäre eine 'Gringosteuer' fällig gewesen.“ Wie in Brasilien, als sein Gastgeber, den Michel Leisner erst 15 Minuten kennt, ihm höflich verbietet, beim Putzen zu helfen und stattdessen ein Bier ausgibt. Geputzt werden muss deshalb, weil der Würzburger wegen einer defekten Klospülung aus Versehen die halbe Wohnung unter Wasser gesetzt hat.

Nicht immer ungefährlich

Doch neben all diesen „tollen und exotischen Eindrücken, mit denen man täglich bombardiert wird“, bleiben auch die weniger schönen Momente in Erinnerung. Wie bei seinem Zwischenstopp in Kolumbien, wo ein Motorrad von hinten an ihn heranfährt und ihm der Fahrer auf offener Straße das Handy aus der Hand reißt. Oder beim zweiten Überfall in Ecuador, wo sich dem Würzburger eines Abends eine Pistole in seine Seite bohrt, bevor er ausgeraubt wird. Erneut muss er wegen eines Handys um sein Leben fürchten. Die Frage, ob man nach solchen Erlebnissen nicht einfach nur nach Hause will, verneint Michel Leisner. „Ich hab' einfach die Ruhe weg“, sagt er trocken, bevor er ergänzt: „Natürlich war ich geschockt, aber ich habe es schnell verarbeitet, indem ich die Geschichte oft erzählt und meine Wut dabei rausgelassen habe. Außerdem ist insgesamt wenig passiert.“

Obwohl er seine Reise genossen und nie an eine vorzeitige Rückkehr gedacht hat, „weil ich überhaupt keine Zeit hatte, daran zu denken, wen oder was ich vermisse“ – ist er froh, wieder zurück zu sein. Das Gefühl, als er nach über zweieinhalb Jahren wieder deutschen Boden betrat, sei unglaublich gewesen: „Du siehst dein Heimatland mit den Augen eines Touristen. Normale Dinge wie Fachwerkhäuser, Leberwurst oder Schwarzwälder Schinken sind eine Sensation.“ Der 25-Jährige ist überzeugt, dass er seine Heimat heute mehr zu schätzen weiß. „Ich beschwere mich in Deutschland über gar nichts mehr“, sagt der Würzburger und lacht. Er sei bescheidener und hilfsbereiter geworden, vor allem aufgrund der Nächstenliebe, die er fast überall erfahren habe.

Nach seiner heutigen Ankunft will sich Michel Leisner zunächst einmal Ruhe gönnen und „einfach mal ein bisschen chillen. Gemütlich an den Main setzen zum Beispiel.“ Allerdings kennt sich er sich gut genug, um zu wissen, dass diese Phase nicht allzu lang anhalten wird – die Zukunftspläne liegen deshalb schon in der Schublade. „Ich möchte Medizin oder Sinologie studieren“, erzählt der Weltumfahrer. Aber nicht in Deutschland, versteht sich. „Am liebsten wäre mir China, dann wäre auch mein Fernweh befriedigt.“

Spannende Reiseerlebnisse und Fotos findet man in Michel Leisners Internet-Blog: www.facebook.com/welttour Wer den Heimkehrer am heutigen Freitag persönlich in Empfang nehmen will: Ab 16 Uhr wird Michel Leisner im Gasthaus Alter Kranen live von seiner Weltumrundung berichten und Fotos zeigen.

Wer die spektakuläre Weltumrundung im Zeitraffer erleben möchte: Eine Auswahl von Leisners Stationen in Bildern gibt es hier oder auf der Karte.

Etappe geschafft: Nach seiner Ankunft in Rio de Janeiro stemmt Michael Leisner sein Rad in die Höhe.
Sauberkeit ist Pflicht: Weil die Einfuhr von Dreck in Japan verboten ist, putzen Polizisten das Liegerad.

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