WÜRZBURG

Weniger Dreinhauen als sonst

Der Kreisverband Würzburg-Stadt der CSU veranstaltete den politischen Ascherdonnerstag im Hofbräukeller mit Oliver Jörg (rechts)und dem Vorsitzenden der CSU-Landtagsfraktion Thomas Kreuzer (links) als Gastredner. Foto: Thomas Obermeier

Oliver Jörg, der Vorsitzende der Würzburger CSU, stand vor rund 100 Leuten im Hofbräukeller wie ein Dampfkochtopf ohne Ventil. Ein Jahr lang, erzählte er, habe er Dinge aufgesaugt, die ihm „auf den Senkel gehen“, und sich darauf gefreut, sie in einer deftigen Rede beim Politischen Ascherdonnerstag abzuhandeln. Nach dem Zugunglück in Bad Aibling aber lasse er das sein, wegen der elf Toten und dem Leid der Angehörigen. „Da schickt es sich nicht, auf den politischen Gegner einzuhauen.“

Dann ließ er doch ein bisschen Dampf ab: Gerne, sagte er, hätte er „was zur SPD gesagt, zu ihrem Linkskurs, wenn sie mit der Antifa demonstriert“, und zu ihrem „Zickzackkurs“ beim Mozartareal und „gerne“ hätte er „die Kompetenz des SPD-Kreisvorsitzenden hinterfragt, weil es mit dem Hafensommer nicht weitergeht“. Er meinte Muchtar Al Ghusain, der auch Würzburgs Kulturreferent ist. So hat Jörg dann doch ein paar Spitzen gesetzt; dann gab er ab an Thomas Kreuzer, den Chef der CSU-Fraktion im Landtag.

Kreuzer eröffnete seine einstündige Rede mit der Feststellung, die „Besorgnis“ in der Bevölkerung habe „enorm zugenommen“. Eine solche Situation habe er „noch nie erlebt“, er sei „ebenfalls äußerst besorgt“. Einwanderung und „Flüchtlingsproblematik“ beschäftigten wie nichts anderes, Politik sei aber mehr. Die CSU kümmere sich „auch um die Menschen im eigenen Land“; diese Botschaft sei im wichtig.

Besonders in Kreisen von Flüchtlingshelfern wird die CSU aufgefordert, das „C“ aus ihrem Namen zu streichen, wegen ihrer Haltung in der Flüchtlings- und Asylpolitik. Kreuzer ging nicht direkt darauf ein, versicherte aber: „Alles was wir machen, gründet auf einem Wertefundament.“ Er stellte vor, was die CSU unter „bürgerlicher Politik“ und „christlicher Werteorientierung“ versteht: die Unterstützung der Familie, gleiche Lebensbedingungen in Stadt und Land, eine starke Wirtschaft und solide Finanzen.

Sein Hauptthema war die Flüchtlingspolitik. Er berichtete von weiter steigenden Zahlen und meinte, für sie trügen SPD und Grüne Mitverantwortung, weil sie Gegenmaßnahmen lange blockiert hätten. Viel zu spät sei die SPD auf CSU-Linie eingeschwenkt. Kreuzer sagte, die CSU stelle sich nicht gegen die Bundeskanzlerin, sie unterstütze ihre Bemühungen im internationalen Bereich. Er warnte vor einer Abhängigkeit von der Türkei und vor Visa-Freiheit: „Sonst haben wir“, sagte er, „so wie die Türkei mit den Kurden umgeht, 200 000 Kurden hier, die einen Asylantrag stellen.“

Deutschland müsse Flüchtlingslager wie jene in der Türkei besser ausrüsten und Bemühungen unterstützen, in den Herkunftsländern für mehr Sicherheit zu sorgen. Weil Kreuzer nicht erwartet, dass internationale Maßnahmen sofort wirken, forderte er lückenlose Grenzkontrollen und eine jährliche Obergrenze – er verwies auf Seehofers Zahl von 200 000. „Wir werden nicht mehr unterbringen können, nicht mehr vernünftig versorgen und schon gar nicht integrieren.“

Die CSU lehne Radikalismus „jeder Art“ ab, „ob von links oder rechts“. Mit der AfD habe sie „nichts zu tun“, „mit einer solchen Partei“ werde sie „niemals zusammenarbeiten“. Seine Partei brauche aber den Rückhalt in der Bevölkerung. Die Bürger „sollten sich trauen, das zu sagen, was sie für richtig halten“.

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