WÜRZBURG

Wenn Kunst hinter Gefängnismauern entsteht

Ausstellung im Caritashaus: Unter dem Motto „Weit weg ist näher, als du denkst“ werden bis zum Frühjahr Bilder wie dieses gezeigt, die inhaftierte Frauen während eines zwölfwöchigen Kunstkurses gemalt und gezeichnet haben.
Ausstellung im Caritashaus: Unter dem Motto „Weit weg ist näher, als du denkst“ werden bis zum Frühjahr Bilder wie dieses gezeigt, die inhaftierte Frauen während eines zwölfwöchigen Kunstkurses gemalt und gezeichnet haben. Foto: Julia Eyrisch

„Weit weg ist näher, als du denkst“ ist nicht nur das Motto der aktuellen Caritas-Kampagne, sondern auch der Titel einer Ausstellung im Caritashaus in der Franziskanergasse. Zu sehen sind Bilder, die inhaftierte Frauen während eines zwölfwöchigen Kunstkurses gemalt und gezeichnet haben. Es handelt sich um ein besonderes Kooperationsprojekt des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und des pädagogischen Dienstes der Justizvollzugsanstalt.

Die Bilder zeigen laut einer Mitteilung der Caritas Hände, Blumen, Inseln oder Tiere, sie sind aus Pastellkreide, Buntstiften oder Papierschnipseln gemacht. Das heißt: Die Ausstellungsstücke an den Wänden des Caritashauses sind so unterschiedlich wie die Frauen, die sie gemalt haben. Frauen, die ihren Alltag hinter Gefängnismauern verbringen. Weit weg einerseits, näher als man denkt andererseits.

In einem dreimonatigen Kunstkurs, den die Straffälligenhilfe für Frauen im SkF gemeinsam mit einer Kunstpädagogin angeboten hat, konnten sie sich künstlerisch ausdrücken und ihren oft tristen Lebensalltag im Gefängnis ein wenig bunter gestalten. „Es ging nicht darum, wer am schönsten malen kann, sondern darum, sich zu beschäftigen und eine Ablenkung zu finden“, erklärt Barbara Steinhilber, Fachbereichsleiterin im SkF.

Der Zusammenhalt, der dabei entstanden ist, sei bemerkenswert. „Die Frauen haben sich gegenseitig gestärkt, sich solidarisiert und Verständnis füreinander entwickelt“, erzählt die Initiatorin des Projekts. Im Gefängnis, wo man häufig auf Einzelgänger treffe, sei das außergewöhnlich.

Tipps und Inspiration erhielten die inhaftierten Frauen von Kunstpädagogin Anna Thaler, die zu Beginn der Kurseinheiten Gedichte erzählte oder zu gedanklichen „Traumreisen“ einlud. „Mit der Zeit hatten die Kursteilnehmerinnen dann auch eigene Vorschläge und haben sich beispielsweise Bücher mit Motiven gewünscht“, berichtet Barbara Steinhilber.

Irgendwann sei schließlich auch die Idee entstanden, eine Ausstellung zu veranstalten, die Kunstwerke auf Postkarten zu drucken und den Erlös für das Projekt zu nutzen, das sich aus Spendenzuschüssen der Krick-Stiftung finanziert. „Die Frauen hatten das Bedürfnis, uns etwas zurückzugeben und ihre Dankbarkeit auszudrücken“, sagt Steinhilber.

Die Kirche und ihre Caritas hätten die Aufgabe, sich auch um Menschen zu kümmern, die Fehler gemacht haben, betont der Caritasvorsitzende Domkapitular Clemens Bieber. Er erinnert an die Worte von Papst Franziskus, der sich erst kürzlich für menschenwürdige Strafbedingungen eingesetzt und angemahnt hatte, auch die Würde derer zu achten, die im Gefängnis sitzen.

„Es ging nicht darum, wer am schönsten malen kann.“
Barbara Steinhilber Sozialdienst katholischer Frauen

Die in der Straffälligenhilfe Tätigen sind laut Bieber „Schlüsselfiguren, weil sie einen Schlüssel besitzen, mit dem sie die Herzen der Menschen aufschließen können“.

SkF-Vorstandsmitglied Sigrid Maroske bedankte sich bei der Ausstellungseröffnung bei Robert Hutter, Leiter der Würzburger Justizvollzugsanstalt, für die vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit sowie die Hilfe bei der Projektrealisierung, die nicht immer einfach gewesen sei. „Wie kommt das Material rein? Wie kommt die Kunstpädagogin wieder raus? Wie können die Frauen sich anmelden? – All das waren Fragen, die geklärt werden mussten."

Die Ausstellung ist noch bis Frühjahr 2015 zu den üblichen Geschäftszeiten im Caritashaus, Franziskanergasse 3, zu besichtigen.

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