Würzburg

Wenn Menschen sich Kultur nicht leisten können

Marion Gut ist die Vorsitzende der Kulturtafel. Der Verein feiert jetzt sein fünfjähriges Bestehen. Foto: Rudi Merkl

Die Kulturtafel vermittelt Tickets für Kultur- und Sportveranstaltungen an Leute, die "Kulturgäste", die sich den Eintritt nicht leisten können. 1100 Kulturgäste, 200 Kinder unter ihnen, versorgt sie zurzeit, knapp 19 000 Tickets hat sie in den vergangenen fünf Jahren vermittelt. Diese Redaktion hat die Vorsitzende Marion Gut angerufen.

Frage: Darf ich Sie für ein Interview stören?

Marion Gut: Ich schreibe gerade an meiner Rede.

Was schreiben Sie denn da?

Gut: Ich schreibe, wie die Kulturtafel funktioniert, weil das viele Außenstehende gar nicht wissen. Wir sind inzwischen doch so viele Leute und sind so groß geworden, dass da nicht jeder vor sich hinwurschteln kann. Das muss alles gut organisiert sein.

Zu wievielt sind Sie?

Gut: Knapp 40. Gerade hat sich wieder jemand gemeldet. Ich mache dann immer Kennenlern-Gespräche, da muss man abklopfen, ob die Leute die richtigen Vorstellungen haben oder ob es einen passenden Platz für sie gibt.

Für was braucht die Kulturtafel so viele Leute?

Gut: Wir haben verschiedene Bereiche. Man kann in der Sozialpartner-Gruppe arbeiten - das sind die Leute, die zu den sozialen Einrichtungen gehen, wo Menschen mit geringem Einkommen irgendwo Kontakt haben.

Werben Sie direkt bei Armen für die Kulturangebote?

Gut: Wir gehen normalerweise nur in der Lebensmittel-Tafel direkt auf die Leute zu.

Gibt es noch mehr Partner in der Kulturtafel?

Gut: Es gibt noch die Kulturpartner-Gruppe, das sind die Leute, die die Karten organisieren.

Wie funktioniert das?

Gut: Bei manchen Veranstaltern müssen wir regelmäßig anfragen: Können wir Karten bekommen?, und dann gibt es welche, die melden das selbst. Dann gibt es die Dispatcher.

Die was?

Gut: Die Dispatcher (Verteiler, d. Red.). Die stellen die Daten von den Veranstaltungen und den Kulturgästen in eine Datenbank. Es gibt viele Gruppen, wie die Vermittler, Öffentlichkeitsarbeit oder das Fundraising, weil wir natürlich auch Geld brauchen.

 Wofür?

Gut: Für Telefonrechnungen, für Öffentlichkeitsarbeit, die Datenschutzbeauftragte muss bezahlt werden. Dann haben wir seit vergangenem Jahr eine Bürokraft, auf die haben wir ganz lange hingespart. Sie ist zehn Stunden in der Woche im Büro, könnte aber locker das Doppelte arbeiten. Miete müssen wir keine bezahlen. Wir sind bei den Evangelischen Diensten am Friedrich-Ebert-Ring, da bekommen wir den Raum kostenfrei.

Warum machen die 40 Leute das?

Gut: Weil es wichtig ist, dass Menschen, die ein geringes Einkommen haben, denen es nicht so gut geht, auch mal eine kleine Auszeit haben, Die sollen einfach mal etwas genießen können, was für andere Leute ganz selbstverständlich ist. Und weil Kultur wichtig ist. Wenn ein Kind nie mit den Eltern in einem Museum war oder nie in einer Ausstellung oder im Theater, dann wird es das später wahrscheinlich auch nicht machen.

Eine ihrer Kulturgästinnen erzählte, sie habe sich wieder "wie ein normaler Mensch gefühlt".

Gut: Ja! Dass sie nicht am Rand steht! Es ist das Normalsein, das Dazu-gehören-können, das Sich-mal-keine-Gedanken-machen- müssen - das ist wichtig.

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