Würzburg

Wenn alle Masken fallen

"Letzter Wille" im Theater Chambinzky Foto: Reinhard Kluger

Habt Ihr schon geerbt der redet ihr noch miteinander? Diese Frage mag für einen in Sachen Nachlass noch Unbedarften durchaus merkwürdig klingen. Wie schnell aus einem Erbschaftsfall aber wahrhaft vermintes Gelände entstehen kann, verdeutlicht Fitzgerald Kusz in seiner gallebitteren Komödie "Letzter Wille". Das Würzburger Theater Chambinzky präsentiert jetzt den "Leichenschmaus in fünf Akten" mit einer blendend umgesetzten Inszenierung.

Nun hat es sie dahingerafft, die gute Tante Martha. Und kaum beerdigt, steht sie schon auf dem Teppich, die raffgierige Verwandtschaft. Von Trauer keine Spur bei Tochter Olga (Maria Schwab), Sohn Kurt (Wolfgang Stenglin) und Neffe Heinz (Thorsten Rock), eher schon von blanker Gier.

Schonungslos wird Marthas Mobiliar durchwühlt und taxiert, stets auf der Suche nach Wertvollem und Verwertbarem. Mitfühlende Worte von Olgas verzagter Tochter Ursel (Christina v. Gollitschek) finden da wenig Anklang und auch Marthas Hausmeister Rau (Jürgen Schuhmann) erntet nur hämischen Spott für sein besonnenes Verhalten.

Es beginnt ein Hauen und Stechen, bei dem auch Kurts beschwingt beschwipste Frau Siggi (Anne Hansen) und Heinz Gattin Karin (Annette Eberlein) üble Beschimpfungen ertragen müssen. Als dann doch noch ein Testament auftaucht, das den sensiblen Saxofonisten Claudio (Jürgen Keidel) begünstigt, scheint anfangs guter Rat teuer, doch die gierige Verwandtschaft da schon jedweden Anstand verloren. Wie gut, dass Tante Martha noch zu Lebzeiten den ein oder anderen Fallstrick auszulegen wusste, frei nach dem schadenfrohem Motto "Wer zuletzt lacht..."

Bitterböse zerlegt Fitzgerald Kusz das miefig spießige Bild eines beschaulichen Kleinbürgerlebens. Das Lachen kann einem da schon mal im Halse stecken bleiben, wenn so langsam alle gesitteten Masken fallen. Regisseur Hermann Drexler inszenierte "Letzter Wille" temporeich und urkomisch, mit viel Gespür auch für die rar gesäten leisen Momente. Das Ensemble wiederum besticht mit fränkischer, humorvoller Urgewalt und darstellerischer Hingabe.

Nächste Vorstellungen am 20., 21. und 22. November, Beginn 20 Uhr. Karten unter Tel.: (0931) 51212.

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