Würzburg

Wenn das Wetter den Weihnachtsumsatz trübt

"Klare Winterkälte" bringt am meisten Kundschaft. Aber die gab es heuer kaum. Was Unterfrankens Einzelhändlern neben dem Wetter am meisten zu schaffen macht.
Zu warm, zu verregnet, nicht winterlich genug: Das Wetter hat es heuer mit den Unterfrankens Einzelhändlern nicht gut gemeint. Auch die Marktkaufleute auf dem Würzburger Weihnachtsmarkt sind mit den Umsätzen nicht zufrieden. 
Zu warm, zu verregnet, nicht winterlich genug: Das Wetter hat es heuer mit den Unterfrankens Einzelhändlern nicht gut gemeint. Auch die Marktkaufleute auf dem Würzburger Weihnachtsmarkt sind mit den Umsätzen nicht zufrieden.  Foto: Patty Varasano

„Mit dem Weihnachtsgeschäft ist es so eine Sache. Es gibt gute Jahre und es gibt schlechte Jahre. Dieses Jahr war bisher kein besonders gutes“, sagt Volker Wedde, Geschäftsführer des unterfränkischen Handelsverbandes. Auch wenn mit dem 4. Adventssamstag und dem Heiligabend zwei umsatzintensive Einkaufstage ausstehen, kann Wedde doch schon Bilanz ziehen: „Ein Rekordjahr wird es nicht.“ Schuld daran ist, natürlich, auch das Wetter.

Wie sähe das optimale Einkaufswetter für Würzburg aus? 
Wie sähe das optimale Einkaufswetter für Würzburg aus?  Foto: Foto:Gunter Koch

Könnte sich Wedde das Einkaufswetter aussuchen, würde er eine „klare, angenehme Winterkälte“ wählen. Ist es zu warm, laufen die Kunden an winterlicher Textilware wie den Daunenparkas oder den gefütterten Stiefeletten vorbei. Ist es eiskalt, bleiben die Kunden zu Hause vorm Ofen. Aus Einzelhändlersicht ist neben Wärme und der Eiseskälte auch kundenunfreundlicher Dauerregen abzulehnen. Leider habe man, sagt Wedde, in dieser Weihnachtssaison überwiegend Wetterlagen erlebt, die die Kunden nicht zum Weihnachts-Shopping animiert hätten. „Das zweite Adventswochenende etwa hat es nur geschüttet“. Von daher gibt sich der Geschäftsführer des unterfränkischen Handelsverbandes nicht allzu optimistisch, was den Gesamtumsatz des Weihnachtsgeschäfts betrifft. Der Umsatz aller unterfränkischen Einzelhändler im Weihnachtsgeschäft 2017 lag ungefähr bei 1,4 Milliarden Euro. Diese Summe werde man womöglich auch heuer erreichen, aber nicht übertreffen.

Einzelhändler unter Druck wegen zunehmenden Online-Käufen

Neben dem Wetter macht Unterfrankens Händlern aber auch der Trend hin zu Online-Bestellungen Sorgen. „Gerade standardisierte Produkte wie CDs, DvDs oder Bücher werden online bestellt; aber auch bei Textilien gehen die Online-Verkäufe hoch“, sagt Wedde. Online-Käufe machten jetzt schon 13 Prozent des Weihnachtsgeschäfts aus. Gleichzeitig betont Wedde, dass man „stationäre Geschäfte und Online-Geschäfte“ heutzutage kaum auseinanderdividieren könne. „Auch hiesige Unternehmen bauen ihre Online-Geschäfte aus; bieten viel im Netz an“, sagt er.

Statistik Weihnachtsgeschenke
Statistik Weihnachtsgeschenke Foto: Statista

Sorge bereitet den Einzelhändlern auch innerstädtischer Fußgängerzonen-Ausbau. „Wir merken, dass die Besucherfrequenz in unseren unterfränkischen Städten geringer wird“, sagt Wedde. Die Erreichbarkeit sei Kunden eben wichtig. Er spreche jetzt nicht von Parkplätzen direkt vor der Ladentür, sagt Wedde; davon habe man sich verabschiedet. Aber Parkplätze in Laufnähe sollten schon vorhanden sein. „Sonst bleiben die Kunden aus dem Umland weg.“ Einem potenziellen Kunden aus dem Ochsenfurter Gau könne man etwa das Weihnachtsshopping in Würzburg per Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln wohl kaum schmackhaft machen.

Schmuck und Elektronik sind heuer die Geschenke-Hits

Kunst und Handwerk lockt Besucher des Weihnachtsmarktes in Sommerhausen. 
Kunst und Handwerk lockt Besucher des Weihnachtsmarktes in Sommerhausen.  Foto: Antje Roscoe

Womit sich die Einzelhändler in diesen „schwierigen Zeiten“ helfen? Mit Kundenbindung. Wedde bestätigt, dass der Trend hingeht zur Ansprache des Kunden per Mail, per Bonuskarte, per Einladung etwa zu einer Modenschau. „Mit individueller Ansprache können die Unternehmen punkten; denn natürlich haben die Kunden Vertrauen zu bekannten Läden.“ Gekauft wird für dieses Weihnachtsfest Wedde zufolge besonders gern Schmuck. Auch Elektro-Artikel seien gefragt, etwa Virtual-Reality-Brillen oder Fernseher. Einen weiteren Trend hat Wedde in den letzten Jahren ausgemacht: das Verschieben der Weihnachtseinkäufe auf die allerletzten Tage vorm Fest. Auf sie hofft jetzt Wedde: „Es bleibt spannend“.

Auf das letzte Adventswochenende - vor allem auf den Sonntag - setzt auch der Sprecher der Würzburger Marktkaufleute, Werner Baumeister. Besucher habe der Weihnachtsmarkt genug gehabt, sagt Baumeister. Käufer allerdings weniger.  Gerade Bustouristen hätten sich vor dem Regen in die Lokale in der Nähe des Marktes geflüchtet; hätten den Gang über den Weihnachtsmarkt abgekürzt. „Es kauft sich halt schlecht mit dem Schirm in der Hand.“ 

Positiver hat Kunstmalerin Annadora Diller-Köninger, Sprecherin für den Sommerhäuser Weihnachtsmarkt, die Saison erlebt. „Die Leute kommen eigentlich immer; trotz des Wetters. Und sie kaufen auch.“ Besonders beliebt seien Gebrauchsgegenstände aus Künstlerhand wie der Standleuchter aus alten Holzbalken oder der geschmückte Korb. Besonders die Zeit zwischen 17 und 19 Uhr abends hätten Kunden aus Nah und Fern genutzt, um in der von Lichtern erhellten Sommerhäuser Nacht in Weihnachtsstimmung zu kommen.

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