WÜRZBURG

Wenn die Security über's Kiliani streift

Auf Streife über das Kiliani: Mehrmals am Tag dreht die Security ihre Runden und sorgt für Sicherheit auf dem Volksfest-Platz. Foto: Thomas Obermeier

Das Gesicht ist streng, die Schultern straff nach hinten gezogen, der Blick schweift geübt von links nach rechts und wieder zurück. Wenn die Jungs von der Security über das Kiliani-Gelände streifen, und sich einen Weg durch die Festbesucher bahnen, bleibt ihnen nur selten etwas verborgen.

„Wir sind mit offenen Augen dabei“, sagt Christoph Braasch von Bulldog Personal Service & Solutions GmbH in Würzburg. Das sei auch wichtig, damit so ein Fest wie Kiliani überhaupt funktionieren kann. „Gerade an Familientagen und am Wochenende braucht es einiges an Sicherheitspersonal, um den vielen Gästen gerecht zu werden.“

Der 34-jährige gebürtige Ostfriese ist Geschäftsführer und Inhaber der Security GmbH. Normalerweise arbeiten Braasch und seine sechs Mitarbeiter im Airport, sichern Discos und Veranstaltungen rund um Würzburg. Gemeinsam mit der Polizei kümmern sie sich in diesem Jahr erstmals im Dienste der Stadt um ein friedliches Kiliani. Ein Volksfest ohne Schlägereien, Eskalation und Alkoholexzesse, das ist die Hoffnung.

Keinen Alkohol mitbringen, keine Hunde, keine Glasflaschen, keine Räder: Die Regeln auf dem Festgelände sind einfach, die Verbotsschilder an allen Eingängen eindeutig. „Trotzdem halten sich nicht alle daran“, sagt Braasch. Vor allem Jugendliche führen immer wieder Alkohol mit sich und konsumieren diesen auf dem Festplatz. „Der primäre Wunsch der Stadt ist es daher, dass wir dem Jugendschutz nachkommen und den Alkoholmissbrauch von Jugendlichen entgegenwirken“, sagt Braasch. Denn das Volksfest soll von den jungen Menschen nicht als Forum benutzt werden, um sich zu betrinken. Alkohol darf nur an Ständen, der Almhütte und im Festzelt konsumiert werden. Überall dort, wo das Personal einen Blick auf die Jugend hat.

„Am ersten Tag haben wir noch über 100 Kids mit Alkohol erwischt“, bilanziert Braasch. Am Samstag waren es um die 80, am letzten Wochenende nur noch etwa 40. Es scheint sich rumgesprochen zu haben, dass die Security auf dem Platz für Ordnung sorgt. Die Kids haben sich dann in die Unterführung zum Viehmarktplatz zurückgezogen, um aus dem Blickfeld der Security zu verschwinden – ohne Erfolg: „Auch dort und auf den umliegenden Fußwegen führen wir unsere Kontrollgänge durch“, sagt Braasch. Zuletzt fingen die Jugendlichen an, Alkohol in Eisteeflaschen umzufüllen. „Dann müssen wir auf ihr Verhalten achten und uns die Flaschen geben lassen, wenn der Verdacht besteht, dass sich darin Alkohol befindet.“ Besonders traurig: Teilweise hätten seine Männer auch unter 16-Jährige mit hartem Alkohol erwischt, sagt der Security-Chef.

„Sind die Personen alt genug, schicken wir sie einfach vom Platz“. Jugendlichen werden die Flaschen ausgeleert, Pfandflaschen erhalten sie zurück. Wenn sie angetrunken oder jünger als 16 sind, nehmen die Security-Leute ihre Personalien auf und bringen sie zur Polizei, sagt Braasch. Sogar das Jugendamt wird dann informiert, „damit weitere Schritte folgen und der Alkoholkonsum nicht zur Gewohnheit wird.“ Streitigkeiten gebe es auf dem Festgelände nur selten, sagt der Sicherheitschef. Eskaliert sei bislang nichts. Auch nicht, als ein junges Mädchen auf dem Platz kurzerhand ein Taschenmesser zückte.

Um Mitternacht ist Schluss auf dem Platz. Nicht für die Jungs von der Security: „Wir drehen noch eine letzte Runde und sorgen dafür, dass die Schausteller ihre Ruhe haben.“ Die letzten Trinkergrüppchen werden in Richtung Straßenbahn gebracht. „Am Wochenende kann es schon mal bis 2 Uhr nachts dauern, bis der Platz geräumt ist“, so Braasch.

Ein stressiger Job? „Eigentlich nicht“, findet er. „Die Grundstimmung auf dem Kiliani ist einfach gut und das überträgt sich auch auf das Publikum. Die meisten Menschen reagieren daher auch verständnisvoll auf unsere Anweisungen. Nur die Kids waren teilweise betrübt, wenn wir ihnen den Alkohol genommen haben“, sagt Braasch. „Ist auch klar – hat ja schließlich Geld gekostet.“

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