Glosse

Wenn die Tour de France schon in Rittershausen endet

Manchmal sieht die Tour de France ja fast gemütlich aus. Aber das täuscht. Foto: Christophe Ena, AP/dpa

Da morgen die Tour de France zu Ende geht, widmen wir uns heute mal dem sportlichen Großereignis. Aus Laiensicht, wohlgemerkt, denn dieser Kauz hier, der fährt mit dem Fahrrad allerhöchstens mal von Ochsenfurt nach Röttingen und zurück. Das reicht selbst dem durchschnittlichsten Tour-de-France-Radler nicht mal zum Warmwerden.

Wenn man so mysteriöse Etappen wie Mannschaftszeitfahren und Einzelzeitfahren mal außen vor lässt, dann stellt man fest, dass selbst die schimmeligste Etappe der Tour nicht unter 117 Kilometern wegkommt. Und das auch nur, weil es sich um eine Bergetappe handelt, wo die armen Radler so um die 1800 Höhenmeter erstrampeln müssen. In flachem Terrain darf man auch gerne mal mit 230 Kilometern rechnen.

Mit 100 Sachen geht es bergab

Wir befinden uns also, wie unschwer zu erkennen ist, in einer Welt der Extreme. Das beißt die Maus keinen Faden ab. Auch wenn, zumindest für mich, die Tour de France durch die Dopinggeschichten vergangener Jahre viel von ihrem Glanz eingebüßt hat. Der Eindruck, dass der Etappensieger eine Chemiefabrik auf Beinen sein könnte, der ließ sich manchmal doch nur schwer abschütteln.

Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass da Mörderisches geleistet wird. Die Rennradler, die gondeln die 230 Kilometer ja nicht in drei Tagen ab, sondern so in knapp sechs Stunden. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der gesamten Tour liegt bei ungefähr 40 Stundenkilometern. Der Durchschnitt, wohlgemerkt. Bergauf geht es langsamer, bergab dafür deutlich schneller. Einzelne Pedalritter sollen es bei beängstigenden Abfahrten schon auf mehr als 100 Sachen gebracht haben.

Wenn der Hintern schmerzt, geht nichts mehr

Das schaffen andere Zweiradfahrer auch, aber die tragen dann vernünftigerweise einen Integralhelm, Handschuhe, Stiefel und eine Lederkombi. Der Radrennprofi hingegen hockt kurzärmelig und in einem besseren Bade-Schlübber auf dem Sattel und kann dann eigentlich nur noch beten.

Aber auch ohne bösen Sturz können Belastungen dieses Ausmaßes ein beeindruckendes Spektrum an Schmerzen hervorrufen. Zuvörderst kommt mir da der Hintern in den Sinn. Ich habe mal ein geliehenes Fahrrad mit bockelhartem Rennradsattel von Rittershausen bis nach Ochsenfurt geschoben, weil die Pein schon da nicht mehr auszuhalten war. An 230 Kilometer will ich gar nicht denken.

Nachdem die Schrecken der Tour der France nun ausführlich dargestellt wurden, wollen wir uns jetzt aber endlich dem eigentlichen Skandal der ganzen Veranstaltung widmen. Tour de France, heißt es doch, oder? Tour de France - die Frankreichrundfahrt. Und warum war dann die erste Etappe in Brüssel? Hallooo, Brüssel liegt in Belgien! Ich kapier's nicht. Aber warten wir einfach mal ab, ob nächstes Jahr die Tour de France in Rom startet. Wenn ja, müsste man der Sache echt mal auf den Grund gehen.

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