WÜRZBURG

Wenn ein neuer Stadtteil Straßennamen braucht

Der neue Stadtteil Hubland wächst und wächst unaufhörlich weiter. In den Baugebieten der Quartiere I (Am Rottendorfer Tor) und III (Quartier am Park) sprießen die neuen Häuser wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden. Nur selten gab es in der jüngeren Vergangenheit ein Großprojekt in Würzburg, das in einem derartigen Tempo vorangetrieben wurde wie der Bau des neuen Stadtteils Hubland auf dem ehemaligen US-Militärgelände der Leighton Barracks.

Und wo neue Wohngebiete entstehen, werden auch neue Straßen benötigt, die wiederum einen Namen brauchen. Für mehrere Straßen, vor allem in den Quartieren I und III hat die Stadt Würzburg inzwischen Straßenbenennungen vorgenommen.

Bürgermeister und Gelehrte

Im Quartier I, einem reinen ans Frauenland angrenzenden Wohngebiet, wurde eine Straße nach Dr. Georg Fuchs benannt. Der 1935 geborene Kinderarzt, der 2005, gestorben ist, war langjähriges Mitglied des Würzburger Stadtrates und von 1990 bis 1996 zweiter Bürgermeister der Stadt. Fuchs war von 1963 bis 1997 am Würzburger Universitätsklinikum tätig und war ein wichtiger Vermittler zwischen Stadt und Universität, dem größten Arbeitgeber in der Stadt.

Eine andere Straße in diesem Quartier erinnert an den Jesuiten Athanasius Kircher (1602 bis 1680). Er war einer der großen Universalgelehrten des 17. Jahrhunderts. Von 1628 bis 1631 war er Professor für Mathematik, Astronomie und Ethik an der Würzburger Universität.

Auch der Philosoph und Psychologe Franz Clemens Brentano (1838 bis 1917) wurde hier mit einer Straßenbenennung bedacht. Brentano wuchs in Aschaffenburg auf und studierte unter anderem in Würzburg. Nach seiner Habilitation in Würzburg 1866 lehrte Brentano hier Philosophie. Er beendete seine Lehrtätigkeit in Würzburg 1874 und wurde als Professor für Philosophie nach Wien berufen.

Künstlernamen im Quartier III

Im Quartier III, das an der ehemaligen Landebahn und direkt am künftigen Park der Landesgartenschau 2018 liegt, erinnert eine Straße an die Schriftstellerin Agnes Sapper, die 1852 in München geboren und 1929 in Würzburg gestorben ist. Sie war eine der erfolgreichsten und meistgelesenen Jugendbuchautorinnen des frühen 20. Jahrhunderts. Die Gesamtauflage ihrer Bücher wird auf rund zwei Millionen Exemplare geschätzt.

Ferdinand Tietz (1708 bis 1777) war einer der bedeutendsten Bildhauer des süddeutschen Rokoko. Zu seinen Hauptwerken zählen die Figuren im Hofgarten von Veitshöchheim. Auch der „Tanzende Schäfer“, mit dessen Replik die Stadt Würzburg verdienstvolle Personen auszeichnet, stammt von ihm.

Von Würzburg aus zu Weltruhm

Auch an den Musiker und Komponisten Norbert Glanzberg (1910 bis 2001) wird im Quartier III mit einer Straße erinnert. Der Künstler jüdischer Abstammung kam in seinem ersten Lebensjahr mit seiner Familie nach Würzburg. Hier nahm er Klavier- und Kompositionsunterricht am Staatskonservatorium für Musik. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten flüchtete er nach Paris, wo er unter anderem für Edith Piaf den Welthit „Padam Padam“ schrieb. 1998 kehrte er erstmals wieder zu einem Konzert nach Würzburg zurück. 2001 wurde er mit dem Kulturpreis der Stadt Würzburg ausgezeichnet.

Ein Teilstück der Rottendorfer Straße, die durch den neuen Stadtteil führt, trägt künftig den Namen „Alte Fernstraße“. Das erinnert an einen uralten Weg, der Wien, Nürnberg und Frankfurt verband und über die Höhe des Galgenbergs verlief. Dort mündete er in die heutige Kitzinger Straße und folgte anschließend der „Alten Landstraße“ nördlich an Gerbrunn vorbei.

Mit ihren auch in dieser Zeitung veröffentlichten Mundartgedichten, Geschichten und Illustrationen schuf sich die Grombühlerin Elisabeth Scheuring (1897 bis 1971) zahlreiche Freunde. In ihren humorvollen Milieuschilderungen in Text und Bild gab sie dem Eisenbahnerviertel Grombühl eine Stimme und fing das Leben und die Freuden der einfachen Leute ein. An sie erinnert jetzt eine nach ihr benannte Straße im Quartier III.

Erinnerungen an die US-Armee

Im künftigen Quartier VII wird mit zwei Straßenbenennungen an wichtige Persönlichkeiten der US-Armee erinnert. John Davis Skilton (1909 bis 1992) kam drei Monate nach der Bombardierung am 16. März 1945 nach Würzburg. Als Kunsthistoriker kannte er die Bedeutung der Residenz und ihrer einmaligen Innenausstattung. Er sorgte für provisorische Abdeckungen des zerstörten Daches und schützte so die wertvollen Fresken vor weiteren Schäden. Außerdem bereitete er den Wiederaufbau des fürstbischöflichen Schlosses vor.

Bevor der neue Stadtteil den Namen Hubland erhielt, hieß er als Standort der US-Army von 1945 bis 2008 Leighton Barracks. Namensgeber ist Captain John A. Leighton, Kommandeur im 10. US-Infanterie-Bataillon der 4. Infanteriedivision, der im Zweiten Weltkrieg in Frankreich gefallen ist. Zu Würzburg hatte er keinen direkten Bezug, in Erinnerung an die Leighton Barracks wird aber eine Straße nach ihm benannt.

Straße für AWO-Mitbegründerin

Im Quartier VI wurden bereits vorher drei Straßen nach Gerda Laufer, Magdalene Schoch und Karl Landsteiner benannt. Gerda Laufer (1910 bis 1999) trat 1929 in die SPD ein. Von 1946 bis 1956 und später nochmals von 1972 bis 1984 gehörte sie dem Würzburger Stadtrat an Von 1954 bis 1970 war sie Mitglied des Bayerischen Landtags. Sie hat die unterfränkische Arbeiterwohlfahrt mit aufgebaut, die sie 20 Jahre lang leitete. 1995 zeichnete sie die Stadt Würzburg mit der Ehrenbürgerwürde aus.

Die 1897 in Würzburg geborene Magdalene Schoch war eine deutsche Juristin und Frauenrechtlerin. Sie war 1932 die erste Frau in Deutschland, die in Rechtswissenschaften habilitierte. 1937 emigrierte sie aus politischen Gründen in die Vereinigten Staaten, wo sie ihre Arbeit fortsetzte und 1987 starb.

Karl Landsteiner (1868 bis 1943) war ein österreichisch-amerikanischer Pathologe und Serologe, der 1901 das System der Blutgruppen entdeckte, wofür er 1930 den Nobelpreis für Medizin erhielt. Landsteiner kam im Sommersemester 1892 nach Würzburg, um bei Emil Fischer, ebenfalls ein späterer Nobelpreisträger, Vorlesungen in Chemie zu hören. Landsteiner wohnte gegenüber dem Bürgerspital in der Eichhorngasse 32, der heutigen Eichhornstraße, wo heute noch eine Gedenkplakette an ihn erinnert.

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