WÜRZBURG

Wenn mit dem Schutzengel Rasierschaum zu Schnee wird

Szenenbild mit Engel: Athanasius (Thomas Mangold), Klara Eichner (Mascha Obermeier) und Herr Sperber (Martin Hanns) bei einer Rangelei mit geschmücktem Nadelgewächs. Foto: THEATER SOMMERHAUS

Friedliche Weihnachten? Von wegen! Bei Klara Eichner, ihrer alleinerziehenden Mutter Brigitte und Opa endet der Heilige Abend immer in einer Katastrophe: Die Gans verbrennt im Ofen, zur Not werden Bananen mit Bohnen serviert. Der Weihnachtsbaum wackelt und ist total schief. Telefon und Gas sind abgestellt, weil Brigitte die Rechnungen mal wieder nicht bezahlen konnte. Und zu guter Letzt kommt auch noch der Vermieter und nimmt als Pfand für die ausstehende Miete den Fernseher mit.

Gibt's nicht? Gibt's doch! Das Theater Sommerhaus macht es bei seinem Gastspiel am Würzburger Neunerplatz in dieser Vorweihnachtszeit auf ziemlich unterhaltsame Weise für kleine und große Zuschauer vor: mit „Klaras Engel“. Ruhe, Romantik und Besinnlichkeit sind bei Klara (überzeugend gespielt von Mascha Obermeier) Fehlanzeige. Geschenke sind der Jugendlichen gar nicht so wichtig. Alles, was sie sich wünscht, ist ein harmonisches Weihnachtsfest.

Deshalb wird ihr Schutzengel Athanasius (herrlich: Thomas Mangold) auf die Erde geschickt, er soll dafür zu sorgen, dass Klara und ihre Familie mal ein schönes Weihnachten erleben.

Für Athanasius, der allzu gerne im himmlischen Orchester mitspielen möchte, ist es gleichzeitig seine Schutzengel-Prüfung. Da er über ein stark entwickeltes Selbstvertrauen verfügt und seine Fähigkeiten ständig überschätzt, erklärt er sich sofort bereit, Klaras Familie zu helfen. Dass diese Prüfung nicht einfach wird, bemerkt Athanasius, als ihm das letztjährige Weihnachtsfest der Familie Eichner vorgespielt wird. Deshalb bittet Athanasius den Oberengel (urkomisch Martin Hanns), sich wenigstens der 13-jährigen Klara zeigen zu dürfen. Nur sie soll ihn sehen und seine Stimme hören können. Ob das aber eine neuerliche Weihnachtskatastrophe wirklich verhindert?

Spätestens in der Mitte des Stücks bemerkt man, dass „Klaras Engel“ aus der Feder von Paul Maar, dem Schöpfer des Sams, stammt. Wie der tollpatschige Engel noch mehr Chaos in das Leben der Familie Eichner bringt, ist richtig komisch. „Sogar mit Schutzengel geht alles in die Hose“, jammert Klara.

Doch Not macht erfinderisch: So wird die Palme zum Weihnachtsbaum, der Rasierschaum zum Schnee, und aus Alufolie entsteht Lametta. Als dann Opa (Jürgen Schuhmann) auch noch anfängt, auf der Ukulele zu spielen, scheint alles gut zu werden.

In den kurzweiligen 60 Minuten, bei denen Hannes Hirth Regie geführt hat, wird das Konsumfest Weihnachten tüchtig auf die Schippe genommen. Und letztendlich erfahren die Kinder, um was es bei Weihnachten wirklich geht: Es geht um Liebe, Geborgenheit und Frieden. Kurzum: Das Theater Sommerhaus zeigt „Klaras Engel“ am Neunerplatz als lebensnahes, zugleich berührendes und sehr humorvolles Theaterstück. Empfohlen für Kinder ab fünf Jahren.

Weitere Vorstellungen im Theater am Neunerplatz am Samstag und Sonntag, 21. und 22. November, jeweils 16 Uhr, am Montag, 30. November und Dienstag, 1.Dezember, jeweils 10 Uhr. Bis 23. Dezember auf dem Spielplan. Infos: www.theater-sommerhaus,de

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