Giebelstadt

Wer Bauer sein will, soll Bauer bleiben können

Auch 50 Jahre nach Gründung des Maschinenrings Maindreieck ist die Idee von der gegenseitigen Hilfe - der Selbsthilfe in der Landwirtschaft - noch immer aktuell.
Bei der Jubiläumsfeier des Maschinenrings Maindreieck sollten Alltagssorgen draußen bleiben. Dafür ließ sich Kabarettist Mäc Härder sogar vom Vorsitzenden Johannes Menth auf den Arm nehmen. 
Bei der Jubiläumsfeier des Maschinenrings Maindreieck sollten Alltagssorgen draußen bleiben. Dafür ließ sich Kabarettist Mäc Härder sogar vom Vorsitzenden Johannes Menth auf den Arm nehmen.  Foto: Gerhard Meißner

Immer größer, leistungsfähiger und teurer werden landwirtschaftliche Maschinen. Mit dem Stand der Technik Schritt zu halten, würde viele Betriebe überfordern. Ähnlich war es auch schon vor 50 Jahren, als der Maschinenring Ochsenfurt gegründet wurde, und im Jahr 2002 als die Maschinenringe aus Ochsenfurt und Kitzingen zum Ring Maindreieck fusionierten. An der Ursprungsidee hat sich also wenig geändert, nur dass aus der Selbsthilfeorganisation inzwischen ein Dienstleister geworden ist, der weit über den landwirtschaftlichen Bereich hinaus agiert. Bei der Jahreshauptversammlung des Maschinenrings Maindreieck in Giebelstadt stand das Jubiläum im Vordergrund.

Leistungen im Wert von 8,9 Millionen Euro hat der Maschinenring im abgelaufenen Jahr erbracht. Ein Einbruch von rund 1,6 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr, der vor allem dem trockenen Sommer und dem Ertragseinbruch bei den Zuckerrüben zuzuschreiben ist. "Die Rübe ist unser Kerngeschäft", sagt Geschäftsführerin Jutta Michel. Rund die Hälfte der Leistungen gehen auf das Konto des Rübenanbaus. Der Maschinenring steuert und koordiniert nicht nur die Ernte und Abfuhr. Unter seinem Dach sind auch Gesellschaften entstanden, die mit eigenen Rübenrodern und Verlademaschinen die Arbeit für ihre Mitgliedsbetriebe verrichten. Bei Preisen von rund einer halben Million Euro wäre die Anschaffung für die meisten Landwirte nicht wirtschaftlich. "Wir machen es den Landwirten möglich, am neuesten Stand der Landmaschinentechnik teilzunehmen", sagt Michel.

"Es geht immer auch darum, wirtschaftliche und technische Trends zu erkennen."
Jutta Michel, Maschinenring Maindreieck

Es ist nicht nur die Rübe, die den Maschinenring beschäftigt. Die ackerbaulichen Dienstleistungen reichen von der Vorbereitung der Felder über die Aussaat und den Pflanzenschutz bis zur Ernte und der Abfuhr, egal ob bei Mais, Raps oder Getreide. 43 600 Hektar Fläche hat der Maschinenring 2018 bewirtschaftet. Rund 800 der knapp 1200 Mitglieder haben dabei Leistungen beansprucht, 270 haben selbst Arbeitsleistungen erbracht. Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, das vor allem den Inhabern kleinerer Betriebe eine zusätzliche Einkommensquelle eröffnet. "Jeder, der Bauer bleiben will, soll Bauer bleiben können", lautete der Leitspruch bei der Gründung vor 50 Jahren. Und die Idee gelte noch immer, sagt die 

Doch auch abseits von Ackerbau und Viehzucht ist der Maschinenring ein wichtiger Partner für viele landwirtschaftlichen Betriebe geworden. Die soziale Betriebshilfe springt ein, wenn ein Landwirt erkrankt ist. Die wirtschaftliche Betriebshilfe unterstützt Arbeiten am Hof, wenn die eigenen Ressourcen nicht ausreichen. Und die Berater des Maschinenrings stehen den Mitgliedern in betriebswirtschaftlichen und steuerlichen Fragen zur Seite, oder beraten über die richtige Anwendung von gesetzlichen Vorgaben. Über eine eigene Servicegesellschaft stehen Dienstleistungen wie Winterdienst oder Gartenpflege inzwischen auch Firmen und Privatpersonen zur Verfügung.

"Wir machen es den Landwirten möglich, am neuesten Stand der Landmaschinentechnik teilzunehmen."
Jutta Michel, Maschinenring Maindreieck

"Es geht immer auch darum, wirtschaftliche und technische Trends zu erkennen", sagt Jutta Michel. So wie die bodenschonende Bewirtschaftung oder die mechanische Unkrautbekämpfung, die als Alternative zum Herbizideinsatz zunehmende Bedeutung erlangt. Inzwischen baut der Maschinenring nicht nur auf Vermittlung von Maschinenleistung, sondern hat sich einen eigenen Mietmaschinen-Park zugelegt. Dazu gehört beispielsweise ein Steinesammler, der sich für einen Einzelbetrieb aufgrund weniger Einsatzstunden kaum lohnen würde.

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Dass man als Trendsetter auch mal danebenlangen kann, zeigt die Installation eines satellitengestützten Navigationssystems im Jahr 2012. Unterstützt von zwei Bodenstationen erlaubt es, landwirtschaftliche Maschinen zentimetergenau über den Acker zu führen und so beispielsweise Saatgut und Pflanzenschutzmittel zielgenau und optimal einzusetzen. Inzwischen ist das sogenannte RTK-Signal für jedermann frei verfügbar, die Investition in eigene Bodenstationen hätte sich erübrigt. "Manchmal wird man dafür bestraft, wenn man zu früh dran ist", sagt Jutta Michel.

 

Eine Zeit der Verunsicherung

 

Das Jubiläum des Maschinenrings Maindreieck geht einher mit einer Zeit großer Verunsicherung in der Landwirtschaft, sagte Vorsitzender Johannes Menth in der Jahreshauptversammlung. Eine schlechte Ernte, eine katastrophale Preissituation bei der Hauptfrucht Zuckerrübe und die kritische öffentliche Auseinandersetzung mit etablierten Bewirtschaftungsformen mache vielen Bauern zu schaffen. "Im Moment sind wir an allem schuld", so Menth. Auch in einer solchen Situation hilft die Zusammenarbeit im Maschinenring über manchen Frust hinweg.

Zum Festabend hatte man deshalb den Kabarettisten Mäc Härder eingeladen. Und der sorgte mit seinem spitzen Blick auf fränkische Eigenarten zumindest für kurze Zeit dafür, dass die Alltagssorgen außen vor blieben.

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