WÜRZBURG

Wichtige Neuerscheinung: „Atlas Würzburg“

Barbara Hahn, Roland Baumhauer und Dorothea Wiktorin haben im „Emons: Verlag“ den „Atlas Würzburg. Vielfalt und Wandel d... Foto: Emons: Verlag

Der Kölner Emons Verlag hatte von seinem „Atlas Würzburg“ noch kein Exemplar verkauft, da pries er ihn den Medien schon als Standardwerk an. Seit der Präsentation des 240 Seiten dicken Buches in der Residenz ist klar: Der Verlag hat recht. Kein Buch ist derzeit zu haben, in dem wesentliche Aspekte von Würzburgs Vergangenheit und Gegenwart so umfassend, fachkundig und anschaulich vorgestellt werden.

Die meisten der 71 Autorinnen und Autoren sind Spezialisten von der Uni Würzburg, Geografen und Geologen vor allem, auch Historiker und Kunsthistoriker, dazu kommen Fachleute aus städtischen und staatlichen Behörden. Knapp 100 Leute haben nach Verlagsangaben am Atlas gearbeitet. Sie legen eine Sammlung von 70 Aufsätzen vor, gespickt mit Kartenmaterial, Grafiken, Tabellen und Fotos. Sie erklären, wie und warum Würzburg geworden ist, was es ist, und entwickeln Ideen für die Zukunft der Stadt.

Würzburg als Raum für gute Gefühle

Oberbürgermeister Christian Schuchardt führt mit einem Kuriosum ein ins Thema, denn seine Überschrift verheißt Schlechtes: „Würzburg: Einfach nicht zu unterschätzen“. Damit beschreibt er die Unmöglichkeit, Würzburg noch schlechter einzuschätzen als es ist. Aber dann lobt und preist er seine Stadt als „Touristenmagnet“, „Denkfabrik“ und „Raum für gute Gefühle“ und zeigt, dass er das Gegenteil seiner Überschrift meint: dass man Würzburg nicht höher schätzen könne als es ist.

Die Herausgeber – Professorin Dr. Barbara Hahn und Professor Dr. Roland Baumheuer, beide vom Institut für Geografie und Geologie der Uni Würzburg, und Dr. Dorothea Wiktorin vom Geografischen Institut der Uni Köln – haben den Atlas in sechs Kapitel unterteilt: „Würzburg in der Welt“, „Stadtgeschichte und Baukultur“, „Stadtnatur und Weinkultur“, „Vielfalt in den Stadtteilen“, „Verkehr und Wirtschaft“ und „Gesellschaft, Bildung, Kultur“.

Die Seiten sind 30,7 Zentimeter hoch und 28,5 Zentimeter breit, da ist viel Platz für Text und Illustrierung. Jeder Autor muss mit zwei Seiten auskommen.

Eine Karte zeigt, wo die "Schoppenfetzer"-Leichen liegen

Die Wissenschaftler und Fachleute untersuchen Würzburgs Situation als „Regiopole“ zwischen den Metropolregionen Nürnberg, Stuttgart und Frankfurt/Rhein-Main, vergleichen Eckdaten mit denen anderer bayerischer Städte, beschreiben Würzburgs Stadtentwicklung im Mittelalter und befassen sich mit den Plänen der Nationalsozialisten für den Umbau Würzburgs zur Gauhauptstadt. Sie zeigen aber auch, wo in der Stadt die Hausmadonnen stehen und wo Günter Huth in seinen Schoppenfetzer-Krimis die Mörder morden ließ.

Der Atlas klärt auf über Stadtbiotope und Wasserversorgung, Stadtklima, Steinbrüche und Schullandschaft, Betreuungsangebote für Kinder, Kultur, Sport und die Würzburger Tafel, Nachhaltigkeitstrends, Kirchen und Klöster – die Vielfalt der Themen ist außerordentlich. Gemein ist allen zumindest der Versuch, Entwicklungen aufzuzeigen. Erschöpfend wird keines abgehandelt, aber das Publikum lernt wichtige Aspekte kennen.

Bemerkenswert ist auch die Vielfalt der kartografischen Darstellungen. Alleine in die Karten kann man sich stundenlang vertiefen.

Empfehlung für Leute, die sich für Würzburg interessieren

Nicht alles ist gleich gut gelungen. So greifen manche Autoren auf veraltete Daten zurück. Hinter der Zeit her ist zum Beispiel ein Absatz über die Würzburger Kickers, die „schon das Ziel Zweite Bundesliga ausgerufen“ hätten. Das haben sie im bereits Mai erreicht.

Insgesamt aber macht der Atlas große Lust aufs Flanieren durch Würzburgs Zeiten, Räume und Ideenwelten. Wer sich für diese Stadt interessiert, wird seine Freude am „Atlas Würzburg“ haben.

Einen Eindruck kann sich das Publikum ab diesem Mittwoch, 2. November, im oberen Foyer des Rathauses verschaffen. Da sind 21 Tafeln mit Darstellungen aus dem Atlas zu sehen, bis Mittwoch, 23. November.

Emons Verlag, Köln: „Atlas Würzburg. Vielfalt und Wandel der Stadt im Kartenbild“. Herausgeber: Barbara Hahn, Roland Baumhauer, Dorothea Wiktorin. 240 Seiten. Preis: 49,95 Euro.

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