WÜRZBURG

Wie Führungskräfte an der Uni Würzburg fit gemacht werden

Ein typisches Hörsaalbild gibt diese Studentenschar nicht ab. Sie tragen Anzug und Krawatte oder die Frauen einen Business-Blazer. Sie sind auch keine 20 mehr, sondern gut in den 30ern oder darüber. Sie sind keine Frischlinge an der Universität, denn alle von ihnen haben bereits einen akademischen Abschluss in der Tasche.

32 000 Euro für den „Karriere-Feinschliff“

Warum sie nun – an diesem Tag zur Eröffnung eines Moduls mit dem bekannten Würzburger Wirtschaftsprofessor Peter Bofinger– für zwei Jahre an die Uni zurückkehren? Sie wollen sich weiterbilden für Management- und Führungsaufgaben in ihren Unternehmen. Diese stellen sie für den berufsbegleitenden Studiengang „Executive Master of Business Administration“ (MBA) frei – oder genehmigen Urlaub – und investieren in ihre Mitarbeiter auch finanziell: 32 000 Euro an Gebühren werden fällig, um den „Feinschliff für Ihre Karriere“, so die Uni-Werbung, zu erhalten.

Als eine der ersten staatlichen Universitäten Deutschlands hat die Julius-Maximilians-Universität (JMU) im Jahr 1999 ein Executive MBA-Programm gestartet, seitdem haben rund 500 Absolventen den Abschluss erworben. Angesiedelt an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät ist der MBA eines der ganz wenigen rein universitären Programme.

Knowhow in Management und Unternehmensführung

Prodekan Professor Frédéric Thiesse weiß aus Erfahrung: „Nicht selten steht eine Übernahme des Familienbetriebes an.“ Zwar seien die künftigen Chefs fachlich gut ausgebildet, „doch fehlt es an Knowhow im Management und in der Unternehmensführung.“

Dieses betriebswirtschaftliche Rüstzeug, etwa in der Budget- oder Personalverantwortung, vermittelt der Aufbaustudiengang mit praxisorientierten Modulen. Genauso aber zählen das Verständnis volkswirtschaftlicher und globaler Zusammenhänge. Hierfür wurde mit dem Wirtschaftsweisen Bofinger in diesem Semester ein prominenter Leiter für ein Modul gewonnen. Auslandsaufenthalte an renommierten Partnerunis in Boston, Florida und Peking sollen den internationalen und kulturellen Horizont der Teilnehmer erweitern.

Netzwerk junger Führungskräfte entsteht

Die Einheiten in Würzburg widmen sich aktuellen Fragestellungen wie Digitalisierung, Blockchain oder 3D-Druck. Thiesse: „Die Teilnehmer sollen Technologien realistisch bewerten und das Handwerkszeug erhalten, um vorausschauend planen und Strukturen erkennen zu können.“ Angesichts des Fachkräftemangels diene das MBA-Programm größeren Unternehmen auch dazu, gute Nachwuchsleute an sich zu binden und zu halten.

Das automatisch entstehende Netzwerken über die eigenen Firmengrenzen hinaus – mit Studienkollegen und früheren Absolventen – ist dabei mehr als nur ein positiver Nebeneffekt. Ehemalige gehen zusammen wandern oder treffen sich zur Weinprobe – und zum Austausch über Erfahrungen aus den Unternehmen.

Voraussetzung: Gutes Englisch und drei Jahre Berufserfahrung

Auch die sogenannten „Soft skills“ werden laut Thiesse mit den Teilnehmern trainiert, etwa die richtige Kommunikation bei Risikothemen. Unterrichtssprachen bei insgesamt 70 Präsenztagen in den zwei Jahren sind Deutsch und Englisch, mindestens drei Jahre Berufserfahrung werden vorausgesetzt. Die zehn Unterrichtseinheiten werden auf ein- bis zweiwöchige Blöcke verteilt, im letzten Semester schreiben die Absolventen eine Masterarbeit.

Rund 60 Prozent der Studierenden stammen aus den Wirtschafts-, Ingenieurwissenschaften und aus der Wirtschaftsinformatik. Insgesamt kommt hier eine bunte Mischung von Spezialisten für zwei Jahre zusammen. Und das ist gewollt: Der Austausch über Branchen und Unternehmen hinweg gilt als Wert an sich.

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