Würzburg

Wie Hamudi dem Gesangsverein Klingenberg Beatboxen beibringt

Beatboxen und Gesangsvereine sind zwar kein Gegensatz, aber nicht ganz so oft zusammen zu erleben. Der Gesangsverein Klingenberg hat sich nun an diese Technik gewagt.
Beatboxer Hamudi (Mitte) erklärt den Chormitgliedern im Workshop die verschiedenen Beatbox-Techniken.
Beatboxer Hamudi (Mitte) erklärt den Chormitgliedern im Workshop die verschiedenen Beatbox-Techniken. Foto: Kilian Schick

Bereits auf der Treppe hinunter in den Keller des Jugendzentrums b-hof sind die lauten Beats gepaart mit zischenden und elektronischen Klängen zu hören, die keinem Instrument wirklich zuzuordnen sind. So klingt es, wenn Hamudi Sheikhnabi, 18 Jahre, vor vier Jahren mit seinen Brüdern aus Syrien geflüchtet, Musik macht – mit nichts weiter als seinem Mund und einem Mikrofon, wie es beim Beatboxen üblich ist. Normalerweise ist Hamudi mit der Beatbox-Gruppe "7Beatz" aktiv, doch heute will er in einem Workshop sein Wissen an den Gesangsverein Klingenberg weitergeben. Sechs Mitglieder des Chors sind dafür am Samstag, 15. Februar, in das Jugendzentrum b-hof der Stadt Würzburg gekommen. Was wie ein ungewöhnliches Experiment klingt, ist vor allem ein Beispiel dafür, wie Musik Integration fördern kann.

Was ist Beatboxen eigentlich?

"P-p-p", ruft Hamudi für einen letzten Test ins Mikrofon, bevor die Workshop-Teilnehmer des Gesangsvereins eintreffen. Seit 2017 kommt Hamudi regelmäßig zum Beatboxen in den b-hof, um dort an seinen Fähigkeiten zu feilen. Auch für den Workshop, den er gleich leiten wird, hat ihm seine ehemalige Betreuerin, die mittlerweile im Ausland lebt, noch einige Tipps gegeben. "Ich bin ein bisschen nervös", gibt Hamudi lächelnd zu.

"Der Bass ist für mich wie eine Süßigkeit nach dem Essen."
Hamudi Sheikhnabi

Schließlich sitzen die Mitglieder des "Da Capo"-Chors im Alter von 25 bis 60 Jahren im Stuhlkreis und warten darauf, dass es losgeht. "Wichtig beim Beatboxen ist es, ausreichend zu trinken und Pausen zu machen", betont Lilli Funk, die im b-hof als Sozialpädagogin arbeitet und heute Hamudi bei seinem ersten Workshop ein bisschen zur Seite steht. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde erklärt Hamudi, wie sich Sopran, Alt und Tenor auf Beatbox-Elemente übertragen lassen. "Ein Sopran kann gut Melodien vorgeben", sagt Hamudi und demonstriert einige Takte zweistimmig, indem er unter anderem das Mikrofon an den Kehlkopf drückt.

Sein Mund ist dabei fast immer dicht ans Mikrofon gepresst, während die Hand eine kleine Schachtel formt. "Der Bass kommt aus dem Mund heraus", erklärt er. "Der ist für mich wie eine Süßigkeit nach dem Essen", ergänzt Hamudi lächelnd. Die Teilnehmer sind sichtlich beeindruckt. "Für Anfänger sind vor allem die Übungen mit einzelnen Konsonanten wichtig", betont er.

Regelmäßig kommt Hamudi zum Beatboxen in den b-hof.
Regelmäßig kommt Hamudi zum Beatboxen in den b-hof. Foto: Kilian Schick

Wieso der Gesangsverein Beatboxen lernen möchte

"Wir sind heute hier, weil wir mit Beatbox-Elementen ein paar Akzente setzen wollen", erklärt Ingrid Scholz, die im 40-köpfigen "Da Capo"-Chor mitsingt. "Beatboxen gehört zur Popmusik mittlerweile dazu", betont die Chorleiterin Olga Bohn. Auf der Suche nach einem Workshop erfuhr Bohn durch eine Bekannte von der Beatbox-Gruppe im b-hof und nahm den Kontakt auf.

Das Mikrofon wird im Kreis herumgereicht und alle versuchen Rhythmen zu erzeugen, indem sie Konsonanten wie "T" oder "Z" schnell hintereinander ins Mikrofon sprechen. "Wann atme ich denn ein?", fragt eine Teilnehmerin lachend. "Immer zwischendrin. Mal mit dem Mund, mal durch die Nase", erklärt Hamudi. "Beim ‚P‘ kann man währenddessen durch die Nase atmen." Reihum versuchen die Mitglieder des Gesangvereins die Laute nachzuahmen. Wenn die Lippen vorne straff genug sind, kommt das "P" richtig heraus und die Scheinwerfer an der Decke beginnen durch die Beats zu vibrieren. Hin und wieder klatscht Hamudi ermutigend, wenn sich die einzelnen Laute zu einem Rhythmus verbinden. Er ist sichtlich zufrieden. "Für Anfänger sind sie richtig gut", resümiert er anerkennend.

Beatboxen und Popsongs

Die Chormitglieder haben auch eigene Notenblätter mitgebracht, zum Beispiel für "Shackles" von Mary Mary. Bohn stellt sich an den Flügel und beginnt zu spielen. Hamudi hört für ein paar Takte zu und steigt dann als Begleitung scheinbar mühelos ein.

Dann wird die Loop-Maschine ausgepackt, eine Art Aufnahmegerät, die aufgespielte Ton-Sequenzen in Dauerschleife wiedergibt. Bohn singt die Melodie zu "Shackles" ein, die Bass-Stimme kommt hinzu und schließlich unterlegt Hamudi das Ganze wieder mit seinen Beats. Und es funktioniert. Der Chor stimmt das nächste Lied "Video Killed The Radiostar" von The Buggles an und auch dazu gelingt es Hamudi spielerisch, sich mit seinen Rhythmen anzuschließen.

Ein erfolgreicher Nachmittag?

So gut, dass der Chor Hamudi nach knapp zwei Stunden schließlich kurzerhand für ihr Herbst-Konzert als Solist einlädt. Hamudi soll außerdem regelmäßig nach Klingenberg kommen, um dort mit den Mitgliedern Beatboxen zu üben. Was für Hamudi probeweise als Leitung eines Workshops begann, hat nun die Aussicht auf eine längerfristige Kooperation. Zuerst scheint er fast ein wenig überwältigt angesichts des Angebots. Dann sagt er schüchtern: "Das wäre echt schön."

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