WÜRZBURG

Wie Julius Echter einen Würzburger Bürgermeister vertrieb

Main-Post-Chefredakteur Michael Reinhard im heutigen Sitzungssaal des Würzburger Stadtrates. Foto: Eva-Maria Bast

Balthasar Rüffer muss gehen. Erst aus dem Stadtrat, dann wird er sogar aus Würzburg vertrieben. Doch nicht nur gehen muss er, er hat auch noch eine Nachsteuer in Höhe von zwei Prozent seines Vermögens zu entrichten, eben weil er Würzburg verlässt.

Der Landesfürst bestimmt über die Konfession

Aber der Reihe nach: Während der Reformationszeit sind auch in der Stadt Würzburg, die unter der Herrschaft des katholischen Bischofs steht, etliche Bürger – in den führenden bürgerlichen Kreisen sogar besonders viele – zum lutherischen Glauben übergetreten. Doch seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 gilt „Cuius regio, eius religio“, was bedeutet, dass der Landesfürst über die Konfession in seinem Herrschaftsgebiet bestimmt. Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn, der Landesherr des Würzburger Hochstifts, ist zu harten gegenreformatorischen Maßnahmen entschlossen. So verpflichtet er die Stadt 1573, den Rat der Stadt Würzburg künftig nur noch mit Katholiken zu besetzen.

„Das erwies sich als schwierig oder einfach nicht praktisch“, sagt Michael Reinhard, Chefredakteur der Main-Post. „Wirklich durchsetzen ließ sich das damals nicht, und so wurde Balthasar Rüffer 1577 trotz seines protestantischen Glaubens in den Rat berufen und 1578 sogar zum Jüngeren Bürgermeister gewählt.“ Vier Jahre später, 1582, wird er dann Mitglied des Oberen Rats und 1585 sogar Älterer Bürgermeister. Und das, obwohl der Fürstbischof seit 1582 seine Bemühungen, den Rat zu „katholisieren“, noch mal intensiviert.

Julius Echter setzt sich durch

Er greift dafür immer härter durch: Fortan müssen die Protestanten ihre Verstorbenen auf einem weiter entfernten Friedhof vor dem Pleicher Tor bestatten. Und als sie dort im Sommer 1583 ein von Julius Echter von Mespelbrunn nicht genehmigtes Gebäude errichten, befiehlt der Fürstbischof den Abriss desselben. Nun kommt noch einer ins Spiel, der den Rat später verlassen muss: Konrad Müller. „Der weigerte sich nämlich auch auf wiederholte Aufforderung hin, den Bau einzustellen und das Gebäude abzureißen“, erzählt Michael Reinhard die Geschichte weiter. „Er erwirkte sogar durch eine Supplik, also eine Bittschrift, dass die Stadt die Finanzierung des Baus teilweise übernahm. Doch letztendlich ist der Fürstbischof stärker: 1584 wird der Bau gestoppt und abgerissen.“

Und Echter soll noch härter durchgreifen: Am 19. März 1587 gegen 8 Uhr bestellt er den Stadtrat in die Kanzlei, verkündet, dass in der kommenden Osterzeit das Abendmahl nur nach katholischem Ritus verteilt werden darf und dass all diejenigen, die dieser Aufforderung nicht nachkommen, das Hochstift zu verlassen haben. „Zu dieser Zeit waren schätzungsweise ein Viertel bis ein Drittel der Würzburger protestantisch“, hat der Chefredakteur recherchiert. „Die meisten der so Bedrängten gingen zum Katholizismus über, 73 hielten aber an ihrem protestantischen Glauben fest.“

Protestanten verlassen die Stadt

Neben Balthasar Rüffer, der als Protestant ab dem 13. Juni 1587 sein Amt aufgeben muss, lässt sich auch Konrad Müller nicht beirren: Bevor sie ihren Glauben verraten, nur um in Amt und Würden zu bleiben, verlassen sie lieber die Stadt. „Von 1587 bis zur Säkularisation war der protestantische Glaube in Würzburg verboten, es kam sogar zu Prozessen, wenn jemand verdächtigt wurde, der falschen Religion anzugehören“, sagt Michael Reinhard. „Mit dem Auszug dieser Protestanten verlor Würzburg nicht nur viele seiner reichsten Bürger, sondern auch den Großteil seiner politischen und gebildeten Elite, zu der auch Balthasar Rüffer gehörte.“

Der macht seinen Weg trotzdem, jetzt allerdings in der Stadt Schweinfurt. Mit seinem Tod am 16. Mai 1599 verliert diese einen fähigen Kaufmann. Reinhard erzählt: „Balthasar Rüffer wurde in seiner neuen Heimat Schweinfurt als Wohltäter verehrt. So kann man heute noch in der Kirche St. Johannis das Bild ,Predigt Johannis des Täufers‘ bewundern, das zu seinem Andenken gestiftet wurde.“

Text: Eva–Maria Bast

Was Würzburg prägte

Das neue Buch „Was Würzburg prägte“ enthält 52 Texte über Jahrestage aus der Würzburger Geschichte, also für jede Woche des Jahres einen Text. Das Buch der beiden Autorinnen Eva-Maria Bast und Kirsten Schlüter entstand in Zusammenarbeit mit der Main-Post. Wir werden in einer ganzjährigen Serie Texte aus dem Buch abdrucken.

Erschienen ist das Buch im Verlag Bast Medien GmbH, in dem auch die erfolgreichen „Würzburger Geheimnisse“ veröffentlicht wurden, die ebenfalls in Kooperation mit der Main-Post entstanden sind.

Erhältlich ist „Was Würzburg prägte – 52 große und kleine Begegnungen mit der Stadtgeschichte“ von Eva-Maria Bast und Kirsten Schlüter Überlingen 2017, ISBN: 978-3-946581-24-6 in den Main-Post-Geschäftsstellen (14.90 Euro).

Julius-Echter-Denkmal in Würzburg
Griff hart gegen Protestanten durch: Fürstbischof Julius Echter (Denkmal in der Juliuspromenade). Foto: Daniel Karmann, dpa

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