Hohestadt

Wie Kinkele mit Auftragsflaute und Fachkräftemangel umgeht

Ein Blick in die Montagehalle von Kinkele in Hohestadt. Der Maschinenbauer gilt als Topadresse für besonders schwierige und komplexe Anlagenkomponenten. Foto: Kinkele

Auch der Ochsenfurter Spezialmaschinenbauer Kinkele bekommt die Auftragsflaute in der Maschinenbaubranche zu spüren. Trotzdem will Vertriebschef Robert Krämer nicht von einer Krise sprechen, allenfalls von einer Konjunkturdelle, ausgehend von einem sehr hohen Niveau. Umso wichtiger ist es für Kinkele, dass die wertvollste Ressource des Unternehmens - gut ausgebildete Fachkräfte - nicht versiegt. Zum zehnten Mal bereits lud Kinkele zum Tag der Ausbildung Jugendliche ein, die vor der Entscheidung über ihren späteren Berufsweg stehen.

Die Bedienung computergesteuerter Fräsanlagen gehört zum kleinen Einmaleins angehender Verfahrensmechaniker. Foto: Gerhard Meißner

Kinkele gehört zu den "Hidden Champions" des deutschen Maschinenbaus. Das Unternehmen mit seinen rund 600 Mitarbeitern hat sich auf besonders schwierige und komplexe Aufgaben spezialisiert und seinen hochtechnisierten Maschinenpark danach ausgerichtet. Dem Endabnehmer gegenüber tritt Kinkele dabei in der Regel kaum in Erscheinung. Es sind meist Komponenten und Aggregate für andere Anlagenbauer, die in Hohestadt gefertigt werden.

Andreas Büttner demonstriert, wie mit Hilfe von Lasertechnik auch große Bauteile mikrometergenau vermessen werden können... Foto: Gerhard Meißner

Umso vielfältiger sind dafür die Technologiebereiche, in denen Kinkele tätig ist. Vertriebsleiter Robert Krämer nennt Anlagen für die Chipherstellung, Vakuumkammern für die Fertigung von Solarmodulen, Satellitentechnik oder Komponenten für den 3D-Druck von Flugzeug-Triebwerksteilen. Selbst in die Vorbereitung der ersten bemannten Marsmission sei der Ochsenfurter Maschinenbauer involviert. Mehr dazu darf Krämer nicht verraten. Wie bei den meisten Aufträgen hat sich Kinkele auch hier zu eisernem Stillschweigen verpflichtet.

Vor den künftigen Berufsanfängern wirbt das Unternehmen mit diesem breiten Tätigkeitsspektrum. "Wer hier eine Ausbildung gemacht hat, hat Zugang zu nahezu allen Branchen", sagt Robert Krämer. Und die Aufstiegschancen seien in allen Bereichen gut.

Auch die erfahrenen Mitarbeiter waren beim Tag der Ausbildung im Einsatz: Roman Öchnser mit  dem Rohling für ein Schneid... Foto: Gerhard Meißner

60 Auszubildende beschäftigt Kinkele gegenwärtig, berichtet Geschäftsführerin Ursula Kinkele-Kusmanoff. Sie sind angehende Feinwerkmechaniker, Elektroniker, Verfahrensmechaniker, Technische Produktdesigner oder Industriekaufleute. Sie haben in der Regel die Mittelschule oder die Realschule abgeschlossen. Hinzu kommen Mitarbeiter, die sich im dualen Studium auf einen Bachelor-Abschluss in Maschinenbau oder Wirtschaftsingenieurswesen vorbereiten.

"Wir sind als Hidden Champion nicht so sexy wie die Großen der Branche."
Robert Krämer, Kinkele-Vertriebsleiter

Nachwuchssorgen bereiten vor allem die technischen Berufe. "Wir sind als Hidden Champion nicht so sexy wie die Großen  der Branche", sagt Vertriebschef Krämer. Vor allem fehle es den technischen Berufsgruppen an Wertschätzung, obwohl die Verdienst- und Karriereaussichten mitunter sogar besser seien als in Büroberufen. Um Abhilfe bemüht sich Luisa Reuter. Selbst noch im dualen Studium, betreut sie den Auftritt des Unternehmens in den sozialen Netzwerken und versucht über Facebook und Instagram junge Menschen zu erreichen. Regelmäßig postet sie dort Berichte über den Alltag der Auszubildenden und stellt Projekte vor.

Vom Computerbildschirm auf den 3D-Drucker: Angehende Produktdesigner stellen Jugendlichen ihr berufliches Umfeld vor. Foto: Gerhard Meißner

Am Tag der Ausbildung spielten die Azubis die Hauptrolle. In den verschiedenen Abteilungen des Werks stellten sie ihren potenziellen Kolleginnen und Kollegen ihr berufliches Umfeld vor, ob an der computergesteuerten Zerspanungsanlage, dem Schweißarbeitsplatz oder dem CAD-Bildschirm, auf dem dreidimensionale Ansichten von Werkstücken entstehen, die sich direkt anschließend auf dem 3D-Drucker herstellen lassen.

Über 100 künftige Berufsanfänger sind der Einladung gefolgt. Wenn sich nur ein Bruchteil von ihnen entscheidet, im kommenden Jahr eine Ausbildung bei Kinkele anzustreben, dann habe sich der enorme Aufwand, mit dem der Ausbildungstag vorbereitet wurde, schon gelohnt, sagt Geschäftsführerin Kinkele-Kusmanoff.

Vertriebsleiter Robert Krämer beschäftigt derweil mehr, wie sich die Auftragslage in den kommenden Monaten entwickelt. Anhaltende Handelsstreitigkeiten zwischen den USA, der EU und China, einem der wichtigsten Kunden des deutschen Maschinenbaus, machen der Branche Sorgen. Der eigene Exportanteil von Kinkele liege zwar bei nur fünf Prozent des Umsatzes, so Krämer. Allerdings hingen 95 Prozent des Geschäfts mit den inländischen Kunden direkt vom Export ab.

Klassisches Handwerk: Auszubildende demonstrieren verschiedene Schweißverfahren. Foto: Gerhard Meißner

Vor allem sei es die Unsicherheit - etwa in der Frage von Strafzöllen -, die die Unternehmen blockiere, so Krämer. "Wenn etwas entschieden wäre, könnte man sich drauf einstellen", sagt er, "aber so ist es eine Hängepartie von Auftrag zu Auftrag." Auf fünf bis sieben Prozent bezifferten die meisten seiner Kunden den gegenwärtigen Auftragsrückgang. Als weiteres Glied in der Zulieferkette, bekomme Kinkele diese Verunsicherung besonders zu spüren.

Von einer Krise will Robert Krämer deshalb nicht sprechen. "Wir kommen von einem sehr hohen Niveau." Allerdings fürchtet er, dass nach Beilegung des Handelskonflikts zurückgehaltene Investitionen ad hoc freigegeben werden und die deutsche Maschinenbaubranche dadurch an ihre Kapazitätsgrenzen stößt. Dadurch könnten Marktanteile verloren gehen. Wohl dem, der dann genügend gut ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung hat. 

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