Würzburg

Wie Wolfgang Renninger mit einem Lastenrad das Klima schützt

Früh morgens um 4 Uhr beginnt Wolfgang Renningers Arbeitstag. Der 52-Jährige beliefert Buchläden in Würzburg mit dem Lastenrad. Kann diese Art der Zustellung Lkw ersetzen?
Wolfgang Renninger beliefert mit seinem Lastenrad Bücherläden in Würzburg.
Wolfgang Renninger beliefert mit seinem Lastenrad Bücherläden in Würzburg. Foto: Daniel Peter

Mit einem großen Schlüsselbund öffnet Wolfgang Renninger am frühen Morgen die Türen der Bücherläden in Würzburg. Aus seinem Lastenrad holt er eine graue Kiste und stellt sie im Laden ab. Er nimmt eine leere graue Kiste mit nach draußen und schiebt sie in den Anhänger. Dann schließt er ab, schaltet den elektrischen Antrieb seines Rades an und fährt weiter.

Renninger beliefert fast alle Buchläden in Würzburg mit von Kunden bestellten Büchern. 14 Kisten hat er an diesem Tag dabei, eine übliche Menge. Von Dienstag bis Samstag ist er jede Nacht unterwegs. "Nachtsprung" oder "Letzte Meile" heißt diese Art der Zustellung im Speditionsgeschäft. Sechs Geschäfte sind in jeder Nacht dabei, an manchen Tagen kommen noch ein paar dazu.

Normalerweise fährt ein Lkw-Fahrer die Letzte Meile. In Würzburg übernimmt Renninger das. Ähnliche Ansätze gibt es auch in anderen Städten in Deutschland. Das bundesweite Projekt "Ich entlaste Städte" stellt Firmen und Einrichtungen Lastenräder zur Verfügung, die die Räder als "Testpiloten" drei Monate lang nutzen können. Das Bundesumweltministerium, dessen Nationale Klimaschutzinitiative und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt fördern das Projekt. Wolfgang Renninger gehörte anfangs auch zu den Testpiloten. Heute hat er ein eigenes Lastenrad und fährt als Ein-Mann-Unternehmen Bücher durch Würzburg.

Bis zu 300 Kilo kann Renninger mit dem Lastenrad transportieren

Damit Renninger die "Letzte Meile" übernehmen kann, hat er ein kleines Lager in den Posthallen angemietet. Der Großhändler, mit dem der 52-Jährige zusammenarbeitet, hat einen Schlüssel für das Lager und bringt um 3 Uhr die Bücher. Eine knappe Stunde später ist Renninger dort, sortiert die Kisten und fährt los. Eineinhalb bis zwei Stunden ist er pro Nacht unterwegs, von der Innenstadt bis Heidingsfeld, etwa 15 Kilometer legt er in dieser Zeit zurück.

In Kisten bringt Renninger die Bücher zu den Geschäften.
In Kisten bringt Renninger die Bücher zu den Geschäften.
Foto: Daniel Peter

Renninger ist gelernter Buchhändler, kannte das Konzept des Nachtsprungs. "Ich habe immer gedacht: Das ist gar keine so große Menge, und trotzdem fährt immer ein Lkw durch die Stadt." 100 bis 150 Kilo transportiert er pro Nacht, bis zu 300 Kilo wären mit seinem Lastenrad möglich. Renninger interessiert sich für E-Bikes, war zudem eine Zeit lang Fahrer für eine Spedition. "Da hatte ich immer ein total schlechtes Gewissen. Es könnte viel stiller sein, wenn nicht so viele Autos unterwegs wären", sagt er. Er schickte dem Großhändler sein Konzept. "Zu meiner Überraschung hat er direkt geantwortet und fand die Idee gut." Im Oktober des vergangenen Jahres begann Renninger, die Route zu übernehmen.

Renninger beliefert fast alle Buchläden in Würzburg

Das frühe Aufstehen macht dem 52-Jährigen nichts aus – im Gegenteil. "Ich freue mich immer, zu sehen, wie die Stadt langsam aufwacht", erzählt er. Kälte stört ihn nicht, die merkt er nach zehn Minuten nicht mehr, nur Starkregen sei unangenehm. In der Sanderstraße müsse man aufpassen, weil überall Scherben liegen. In der Schönbornstraße sei nachts alles voll mit Partygängern. "Da bekomme ich oft Angebote, ob ich sie nicht heimfahren kann", sagt Renninger und lacht.

Renninger war zunächst als Testpilot für das Projekt 'Ich entlaste Städte' unterwegs.
Renninger war zunächst als Testpilot für das Projekt "Ich entlaste Städte" unterwegs.
Foto: Daniel Peter

Die Buchhändler, die er beliefert, kennt der 52-Jährige fast alle. Sie unterstützen den Ansatz des Klimaschutzes, den Renninger verfolgt. "Die sind total stolz, auch ihren Kunden gegenüber", sagt er. Bis auf zwei Großhändler beliefere er jeden Buchladen in Würzburg. Diese beiden bekämen zu viel Palettenware. Für einen großen Buchladen in Würzburg ist Renninger zwei Monate lang gefahren, "aber das war denen zu teuer. Klimaschutz wollen eigentlich alle, aber zuallererst wird immer auf das Geld geschaut".

Mit Lkw oder Autos könne Renninger nicht auf jeder Strecke konkurrieren. "Das geht nur in der Innenstadt, aber das ist mein Revier. Autos dürfen nur bis 11 Uhr liefern, ich darf den ganzen Tag." Er kennt viele Schleichwege, mehrfach nimmt er die Abkürzung durch den Ringpark. Kann er von seiner Arbeit als Lieferdienst leben? "Nur von dieser Tour nicht, nein." Nachdem er seine nächtliche Runde gefahren ist, schläft er zwei bis drei Stunden und macht dann mit der Akquise weiter. Zusätzlich zu Büchern liefert der 52-Jährige Stadtmagazine und arbeitet für Privatkunden. "Im Moment ist es noch nicht so, dass ich meinen Lebensunterhalt finanzieren kann, aber es sieht ganz gut aus", meint er. "Wirklich wichtig ist einfach, dass man mal anfängt, was für das Klima zu machen."

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