Würzburg

Wie aus dem Oberbayern Paul Beinhofer ein Unterfranke wurde

Kann ein Oberbayer Unterfranke werden? Ja, sagt Paul Beinhofer. Jetzt verabschiedet sich der dienstälteste Regierungspräsident in Deutschland in den Ruhestand.
Nach 19 Jahren als Regierungspräsident verabschiedet sich Paul Beinhofer in den Ruhestand. Foto: Angie Wolf

"Eine Verwaltung ist dann gut, wenn sie möglichst geräuschlos, aber effizient arbeitet." Gemäß diesem Motto waren die knapp 19 Jahre, die Paul Beinhofer Regierungspräsident von Unterfranken war, erfolgreiche Jahre für die Region zwischen Rhön und Taubertal, zwischen Steigerwald und Untermain. An diesem Freitag verabschiedet Innenminister Joachim Herrmann den 65-Jährigen aus dem Amt. Seinen Ruhestand wird der gebürtige Münchner in seiner "neuen" Heimat verbringen, in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg) mit Blick auf das Balthasar-Neumann-Schloss und die Weiten des Maintals. 

Den Posten als Regierungspräsidenten wird Eugen Ehmann am 1. Januar übernehmen. Der 60-Jährige war seit Mai 2008 Vizepräsident der Regierung von Mittelfranken in Ansbach.

Er fühle sich nicht amtsmüde, sagt Beinhofer beim Gespräch in seinem Amtszimmer am Würzburger Peterplatz, trotzdem freue er sich auf die "Freiheit des Pensionisten". Langweilig wird ihm nicht werden, als Vorsitzender des Kulturvereins Frankenbund will er sich mehr noch seinem Hobby, der fränkischen Regionalgeschichte, widmen und vor allem Land und Leute "entspannt und ohne Termindruck genießen". Beinhofer und seine Frau Marianne sind passionierte Radfahrer, "je nach Steigung mal mit, mal ohne Elektroantrieb". Fragt man ihn nach den Lieblingsplätzen in der Region, tut sich der 65-Jährige schwer. "Einen Ort zu benennen würde ja andere ausschließen", sagt er, um sich schließlich doch auf die Weinberghänge zwischen Thüngersheim und Karlstadt festzulegen. "In dieser gottbegnadeten Landschaft geht einem das Herz auf."

"Viele Münchner kennen den Gardasee besser als den Main"
Paul Beinhofer über den "Weitblick" in der Landeshauptstadt

Schwärmereien aus dem Munde eines Altbayern. Seine Familie habe Wurzeln in vielen Ecken Deutschlands, erklärt Beinhofer seine Weltoffenheit. Der typische Münchner indes sei arg auf sich  selbst bezogen. Diese mangelnde Bereitschaft, über den Tellerrand hinaus zu schauen, die habe ihm noch nie gefallen, sagt er. "Viele Münchner kennen den Gardasee besser als den Main." Diesen verengten Blick zu weiten, zumindest in den Ministerien der Landeshauptstadt, war eine Mission des Regierungspräsidenten Paul Beinhofer. Er glaube schon, so sagt er, dazu beigetragen zu haben, dass die Vorzüge Unterfrankens, nicht nur die hohe Lebensqualität,  sondern auch die Stärken als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort, in München heute mehr denn je registriert und geachtet werden. 

Mädchen und Buben der Kindertagesstätte St. Rita in Würzburg schmücken den Weihnachtsbaum am Sitz der Regierung von Unterfranken. Foto: Thomas Obermeier

Seit dem 1. März 2000 ist der promovierte Jurist oberster Vertreter der bayerischen Staatsregierung in Mainfranken, er ist Leiter einer Behörde mit rund 850 Mitarbeitern. Während die politischen Amtsträger wechselten, standen der parteilose Beinhofer und seine Mitarbeiter all die Jahre für Kontinuität. "Wir überwachen die Spielregeln", so beschreibt der 65-Jährige die Aufgabe der Bezirksregierung. "Es geht um Deeskalation, nicht um Eskalation." Also kam es eher selten vor, dass er öffentlich als Mahner vernehmbar war. In Erinnerung bleibt gleichwohl, wie er zu Beginn seiner Amtszeit bei der Stadt Würzburg mehr Disziplin in der  Haushaltspolitik anmahnte - und dafür wegen vermeintlich zu großer Einmischung auch Kritik einstecken musste. "Ich muss da nichts zurücknehmen", sagt Beinhofer rückblickend. 

Mainfranken als eigenständige Region positionieren

Als Erfolge seiner 19 Amtsjahre wertet Beinhofer den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, allen voran den Neubau der Autobahn A71 und den sechsspurigen Ausbau der A3. Hier sei die Basis geschaffen worden, Mainfranken als eigenständiges Gebiet zwischen den Metropolregionen Nürnberg und Rhein-Main/Frankfurt zu positionieren. Überlegungen, sich einem der Großräume anzuschließen, erteilte er frühzeitig eine Absage. Mainfranken mit Würzburg als Wissenschaftsmetropole, Schweinfurt als Industriestandort und der Gesundheitsregion Bayerische Rhön biete genügend eigene Qualität, um im Wettbewerb  der Regionen zu bestehen, war Beinhofers Credo. Hinzu komme die "herausragende Lage nicht nur in der Mitte Deutschlands, sondern in der Mitte Europas". Die Gründung der Mainfranken-GmbH zur Regionalentwicklung hat Beinhofer maßgeblich vorangetrieben. Eine Arbeitslosenquote von gerade noch 2,6 Prozent kann sich auch im bayernweiten Vergleich sehen lassen.

Paul Beinhofer mit Weinkönigin Klara Zehnder und dem Präsidenten des Fränkischen Weinbauverbands Artur Steinmann. Foto: Martin Nefzger

Stark engagiert hat sich der Regierungspräsident bei der Weiterentwicklung des Berufsschulwesens sowie beim Ausbau der Hochschulen in Aschaffenburg, Schweinfurt und Würzburg. Gab es zu Beginn seiner Amtszeit in Unterfranken 16 000 Studienplätze sind es heute über 40 000.  So werde nicht zuletzt die Grundlage geschaffen, um der regionalen Wirtschaft die dringend gesuchten Fachkräfte zu sichern. Als Erfolg verbucht Beinhofer in diesem Zusammenhang auch die Ansiedlung außeruniversitärer Forschungseinrichtungen wie der Max-Planck-Gruppe für Systemimmunologie, dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung oder dem Zentrum für Angewandte Energieforschung (ZAE). Hier gelte es weiterzumachen. 

Flüchtlinge als größte Herausforderung

Die größte Herausforderung der vergangenen Jahre indes sei die Aufnahme von Flüchtlingen gewesen, sagt Beinhofer. Allein in der zweiten Jahreshälfte 2015 kamen über 16 000 Asylbewerber neu nach Unterfranken. Sie zu versorgen, habe die Verwaltung "logistisch und menschlich" stark gefordert. Dass die Integration in weiten Teilen gelungen ist, sei nicht zuletzt aber auch ein Verdienst der Zivilgesellschaft. Beinhofer: "Dieses ehrenamtliche Engagement war vorbildlich."

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