Würzburg

Wie aus einer dunklen Stadt "Würzburg im Licht" wurde

Als der Maler Mohamad Tehrani 2009 als Flüchtling aus dem Iran nach Würzburg kam, stand er vor einer ungewissen Zukunft.  Jetzt hat er erstmals Würzburg-Bilder gemalt.
Der Künstler Maneis mit seinen nagelneuen großformatigen Würzburg-Aquarellen in seinem Atelier. Foto: Patty Varasano

Als der Künstler Mohamad Tehrani, der inzwischen unter dem Namen Maneis bekannt ist, 2009 als Flüchtling aus dem Iran nach Würzburg kam, war er mutterseelenallein in einer ihm völlig fremden Stadt. Die ersten fünf Jahre in Würzburg verbrachte der iranische Regimekritiker in der Gemeinschaftsunterkunft in der Veitshöchheimer Straße, ehe er 2014 als Asylbewerber anerkannt wurde. Heute sagt er im Rückblick auf seine ersten Jahre in der Stadt, dass er Würzburg damals als unangenehme sowie vor allem dunkle und düstere Stadt empfunden habe. Schon damals, erzählt er, sei in ihm der Wunsch entstanden, Bilder von Würzburg zu malen, doch er habe nicht den richtigen Zugang gefunden. Inzwischen konnte er sich seinen Wunsch erfüllen. Die Ergebnisse kann sich jeder in seine Wohnung hängen, denn Maneis hat zwölf Würzburg-Aquarelle in einem Kalender für das Jahr 2020 unter dem Titel "Würzburg im Licht" zusammengestellt.  

Ein Künstler, der alles reflektiert

Maneis ist als Künstler ein im wahrsten Sinn des Wortes nachdenklicher Mensch, der alles was er tut, exakt und sorgfältig reflektiert. "Licht ist beim Malen immer ein wichtiges Thema", sagt der Künstler. Das gilt natürlich auch für seine Bilder. Nur ohne Licht, das er in Würzburg anfangs nicht finden konnte, habe er auch keinen Zugang gefunden, um Bilder von der Stadt zu malen. Bis er eines Tages zahlreiche eindrucksvolle Wolken über der Alten Mainbrücke entdeckte. Mit Wolken-Bildern hatte Maneies bereits Erfahrungen gesammelt, denn in den vergangenen Jahren malte er zahlreiche Landschaftsbilder mit wolkenbehangenem Himmel an der Nordsee.

Daran erinnerte er sich beim Blick auf die Brücke und er war von der Szenerie total begeistert, berichtet Maneis: "Da ist das Konzept 'Würzburg im Licht' entstanden."  In den Straßen und auf den Plätzen, an denen er vorher unangenehme Situationen erlebte, entdeckte er dann auch das Licht, das er für seine Bilder brauchte. Einerseits das natürliche Licht in der Natur, aber auch das  übernatürliche, das ihm Hoffnung in der Dunkelheit brachte. Schließlich hatte er in Würzburg inzwischen auch zahlreiche positive Erfahrungen gemacht. "Ich habe als Künstler eine neue Heimat und als Mensch Sicherheit in einer unbekannten Atmosphäre gefunden", erklärt der Maler.

Zwei neue Kalender hat Maneis für das kommende Jahr zusammengestellt, einen mit Ansichten aus Würzburg und einen zweiten mit Nordsee-Aquarellen. Foto: Patty Varasano

Leuchtende Würzburg-Ansichten

Jetzt konnte er sich an die Arbeit machen und Bilder von der Stadt malen, die ihm viele Jahre lang fremd und unnahbar erschienen war. So strahlt auf den Kalenderbildern die Neumünsterkirche in der Sonne, in der Unteren Johannitergasse glänzen die Häuser unterhalb des Festungsbergs in zartem Licht,  während ein Blatt später die Festung in dunkelgraue Wolken gehüllt ist. Maneis hat sich aber nicht nur den Sonnenseiten der Stadt gewidmet, sondern auch weniger offensichtlichen bekannten Orten wie dem Fledermauslehrpfad am Umlaufkanal an der Burkarder Straße oder dem alten Lastkran im Alten Hafen, den man als Bestandteil der Hafensommer-Szenerie kennt.

Neben den etwas kleineren Kalender-Formaten hat Maneis zuletzt auch zwei 120 mal 70 Zentimeter große Würzburg-Aquarelle gemalt: ein Blick über die Alte Mainbrücke auf den Dom sowie eine seitliche Ansicht über den Main mit der Brücke und der dahinter liegenden Festung. Überhaupt scheint er gerade in einer äußerst produktiven Phase zu sein, denn er hat auch für 2020 einen Kalender mit weiteren Nordsee-Bildern zusammengestellt. Darüber hinaus befasst er sich derzeit mit einer ganzen Reihe von ganz unterschiedlichen Projekten.

Maneis arbeitet an mehreren Projekten

Neben der Serie "Würzburg im Licht" und den Nordsee-Aquarellen, die Maneis beide fortsetzen will, malt er gerade eine Reihe von zehn abstrakten und stark farblich betonten Bildern zum Thema "Metamorphose". Seine "Sufi Art" hat er aus dem Iran mitgebracht. Seine Bilder, die er dort in diesem Stil gemalt hat, sind fast alle verloren, berichtet er. Jetzt führt er diese Kunst hier fort. Und außerdem hat er das Kinderbuch "Mondmädchen" geschrieben, dass er - natürlich - auch selbst illustriert. Auch bei den Kulturtagen 2020 im Juliusspital wird mit Maneis eine Auswahl seiner Bilder zeigen.

Die beiden Kalender "Würzburg im Licht" und "Am Meer" für das Jahr 2020 sind zum Preis von jeweils 23 Euro in den Buchhandlungen Knodt, Hugendubel, Neuer Weg und "erlesen" erhältlich. Sie können außerdem über die Website des Künstlers maneis.de bestellt werden. Für alle, die sich für die Kunst von Maneis interessieren, hat der Künstler am Sonntag, 15. Dezember, sein Atelier im Winterleitenweg 40 b in Höchberg von 11 bis 19 Uhr geöffnet.  

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