WÜRZBURG

Wie die Bäckerei die Flammen überlebte

Das Stammhaus der Bäckerei Gustav Zierlein stand 1905 noch in der Domstraße 21, heute ist dort die Firma Schlier zu hause. Foto: Archivbild: Archiv Zierlein

Hat eine bestochene Feuerwehr dafür gesorgt, dass die Bäckerei Zierlein in der Haugerpfarrgasse mit ihrer einmaligen Jugendstil-Einrichtung die Bombennacht des 16. März 1945 überlebte?

Wie berichtet, ist mit der Schließung der Bäckerei die über 100-jährige Geschichte eines Würzburger Familienbetriebes zu Ende gegangen. Der Verkaufsladen nahe dem Barbarossaplatz ist vor kurzem von der Bäckerei Schiffer wieder eröffnet worden. Inzwischen ist der Denkmalschutz auf den Plan gerufen, um die Frage zu prüfen, ob der Laden mit seiner Jugendstil-Deko, vielleicht auch das gesamte Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden sollen.

Auf Veröffentlichung unseres Artikels hin hat sich nun mit Kristina Brietzke ein Mitglied der Familie Zierlein gemeldet und Details über die Geschichte des Hauses und der Bäckerei Zierlein beigetragen. „Ich musste herzlich schmunzeln, als ich im Artikel den Satz las, die Bäckerei Zierlein sei der einzige Laden in Würzburg gewesen, der die Bombennacht unbeschadet überstanden hatte“, schreibt Kristina Brietzke.

Schmunzeln musste sie, weil es eine Geschichte dazu gibt, wie die Würzburger Bäckerei die Flammen überlebt hatte. Erzählt hat Kristina Brietzke die Geschichte ihr Vater Paul, der Sohn von Hans Zierlein, der bis ins hohe Alter als Bäckermeister in der Bäckerei gearbeitet hat. Als Neunjähriger hatte er die Würzburger Bombennacht am 16. März 1945 überlebt. Als die Stadt lichterloh brannte und die Feuerwehren überall ausrückten, fuhren diese damals eben auch an der Bäckerei vorbei, um vermeintlich das Landratsamt zu löschen, erzählt Kristina Brietzke. Ihr Großvater, der ebenfalls in Würzburg zurückgeblieben war, habe die Feuerwehr angeblich mit Mehl, Brot und Wein bestochen, damit sie die Bäckerei löschen.

„Wieviel Wahrheit darin liegt, bleibt ungewiss, aber es ist eine schöne Geschichte, und Tatsache ist, dass die Bäckerei weitgehend unbeschadet geblieben ist. Somit konnte die weitere schnelle Versorgung der Würzburger Bürger durch Brot gewährleistet werden“, erzählt die Tochter über ihren Vater.

Diese und weitere Geschichten über die Familie Zierlein in den Nachkriegsjahren seien vor zwei Jahren sogar in einem Familienbuch zusammengetragen worden, so Kristina Brietzke. Ihr Mutter Ingrid Zierlein hat vor vielen Jahren selbst über ihre Familie mit Ahnentafel und Stammbaum in Würzburger Archiven recherchiert.

Die Bäckerei Gustav Zierlein, so weiß sie, war zuerst in der Domstraße 21. Jetziger Besitzer ist die Firma Schlier, die Haus 21 und 23 in der Domstraße gekauft hatte, jetzt Domstraße 9. Die Anmeldung der Bäckerei mit Laden in der Domstraße 21 erfolgte im März 1905, Abmeldung mit Umzug in die Haugerpfarrgasse im Jahr 1914.

Das Haus Haugerpfarrgasse 4 erwarb Gustav Zierlein am 1. April 1914. Sein Eigentum war es dann am 30. April 1914, „Verkauf von Brotwaren und Mehl“ ist ab 6. Mai 1914 belegt. Geschätztes Baujahr des Hauses Nr. ist 1880. Es hieß damals „Zur weißen Taube und zum Dietmann“, entnommen aus dem Buch „Würzburger Straßen und Bauten“ von Thomas Memminger (1921).

Die Bäckerei Zierlein zog im Jahr 1914 in die Haugerpfarrgasse – vor über 100 Jahren. Und so (hell erleuchteter Laden) sieht das Geschäft heute von außen aus. Foto: Herbert Kriener

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