Würzburg

Wie die Linken am Politischen Aschermittwoch austeilten

Die Linke sei wieder cool, hieß es beim Besuch des Parteivorsitzenden in Würzburg, der für Euphorie sorgte. OB-Kandidat Roth teilte gegen seine Konkurrenten aus.
Da war das Glas noch ganz. Kurze Zeit später zerschmetterte der Bundesvorsitzende der Linken Bernd Riexinger, hier intensiv beobachtet von der Bundestagsabgeordneten und Landratskandidaten Simone Barrientos, das Glas mit seiner Hand. 
Da war das Glas noch ganz. Kurze Zeit später zerschmetterte der Bundesvorsitzende der Linken Bernd Riexinger, hier intensiv beobachtet von der Bundestagsabgeordneten und Landratskandidaten Simone Barrientos, das Glas mit seiner Hand.  Foto: Thomas Obermeier

Kaum hatte der Bundesvorsitzende der Linken Bernd Riexinger den Raum betreten, kamen schon die ersten jungen Genossen für ein Selfie auf ihn zu. Denn, so stellte Oberbürgermeister-Kandidat und Stadtrat Sebastian Roth fest: "Die Linke ist wieder cool". Über 70 Besucher lockte der erste "Politische Aschermittwoch" in der Geschichte des Würzburger Kreisverbands in die "Schwemme" im Hofbräukeller. Gemeinsam mit der Landratskandidatin und Bundestagsabgeordneten Simone Barrientos sorgten die drei Linken neben einigen Lachern auch für nachdenkliche Stimmung. 

Nachdem der Vorsitzende des Kreisverbands Viktor Grauberger die Gäste begrüßt hatte, machte Barrientos den Anfang am Rednerpult. Großen Applaus bekam sie, als sie den Opfer des Anschlags von Hanau gedachte und von dort auch zum Thema Rassismus und Fremdenfeindlichkeit überleitete. Als sie sich nach 15 Minuten wieder an ihren Tisch setzte, klatschte einer ihrer jüngeren Parteikollegen sogar anerkennend mit ihr ab. Der Respekt und die Bewunderung für die Bundestagsabgeordnete war den Linken in Würzburg anzumerken.

Rundumschlag von Sebastian Roth

Roth holte da schon zu einem größeren Rundumschlag aus. Den örtlichen Medien warf er vor, den OB-Wahlkampf mit insgesamt sechs Kandidaten zu einem Zweikampf zu machen. Danach bekamen seine Konkurrenten ihr Fett weg. Amtsinhaber Christian Schuchardt unterstellte er, sich als amtierender Konservativer immer wieder einen Jäckchen unterschiedlicher Farbe anzuziehen, wenn es ihm passt und dass diese Wendemanöver beinahe Schwindelanfälle verursachen würden. Martin Heilig nannte er einen grünen Kandidaten unter konservativem Deckmantel. Außerdem begründete Roth, warum Volker Omert Angst um sein Auto habe, und dass Kerstin Westphal sich als Schweinfurterin in Würzburg nicht auskenne.

Als er forderte, die Posthalle erst zu schließen, wenn es auch eine passende Alternative vorhanden sei, brandete sogar zufällig kurz Applaus von der Parallelveranstaltung der FDP nebenan auf. Zum Abschluss kündigte er an, dass er, sollte es soweit kommen, jede Zusammenarbeit mit der AfD im Würzburger Stadtrat und sogar den Handschlag verweigern werde. Außerdem warnte er "die Konservativen davor Würzburg zu einem zweiten Thüringen zu machen." Sollte bei den Wahlen der stellvertretenden Bürgermeister ein konservativer Kandidat mit Stimmen der AfD-Stadträte gewählt werden, werde er wie in Erfurt zu Protestbewegungen aufrufen.

Zum Abschluss trat Bernd Riexinger vors Mikrofon. Der 64-Jährige sprach fast eine Stunde über viele linke Themen, die große Koalition und nahm bei der Kritik an den politischen Gegnern kein Blatt vor den Mund. Dabei wirkte er sehr nüchtern, ehrlich und bedacht und weniger emotional, als seine Vorredner. Die Zuhörer nahm er aber trotzdem mit, besonders durch seinen emotionalen Einstieg, als er den ebenfalls der Opfer von Hanau gedachte. Während seiner Ansprache ließ er es sich nicht nehmen, die Parteivorsitzenden der CDU und SPD, die während seiner achtjährigen Amtszeit ausgeschieden sind, aufzuzählen. Passend dazu verglich er Friedrich Merz, Kandidat für den CDU-Vorsitz, wegen seines Jobs beim Vermögensverwalter Blackrock mit Donald Trump.

Riexinger übt Kritik an Klimapaket

Breite Zustimmung bekam er für seine Äußerungen zur Bundeswehr, die er nur im Inland einsetzen möchte und als es um Horst Seehofer und Andreas Scheuer ging: Scheuer, so Riexinger, hätte schon längst zurücktreten müssen, wenn er so viel Anstand wie Pomade im Haar hätte. Er lästerte außerdem über das "Klimaschutzpaketchen" der Bundesregierung und den Immobilienkonzern Vonovia, der in Berlin Lobbyismus gegen den Mietendeckel betriebe.

Der Höhepunkt der Ansprache war erreicht, als Riexinger provokant die Ziele der AfD mit denen der Linken verglich. "Solche Parteien miteinander zu vergleichen ist eine Frechheit", fand der Linken-Vorsitzende und redete sich dabei so in Rage, dass er sein Glas mit der Hand zerstörte. "Scherben bringen Glück", rief ein Zuschauer aus dem Hintergrund. Riexinger zeigte sich im Anschluss begeistert von der "aktivistischen Aufwärtsentwicklung" und der "tollen Stimmung" in Würzburg.

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