WÜRZBURG

Wie die Uni Frauen als Vorbilder etabliert

Die Professorin Birgit Lugrin programmiert an der Uni Würzburg Roboter, die unter anderem alte oder kranke Menschen unterstützen.
Die Professorin Birgit Lugrin programmiert an der Uni Würzburg Roboter, die unter anderem alte oder kranke Menschen unterstützen. Foto: P. Varasano

Als Kind wollte sie Sekretärin werden. „Weil die immer so viel wissen“, erzählt Birgit Lugrin und lacht. Die 35-Jährige hat einen anderen Weg eingeschlagen. Einen, für den sich nicht viele Frauen entscheiden. Sie studierte an der Universität Augsburg Informatik. „Schon im Studium hatte ich nicht allzu viele Kommilitoninnen“, sagt Lugrin. Heute programmiert die Akademikerin Roboter, die bei der Pflege alter oder kranker Menschen die menschlichen Pflegekräfte unterstützen.

Der Lebenslauf der Wissenschaftlerin liest sich so, wie ihn sich viele Akademiker wünschen: Studium, Promotion, drei Jahre später die Berufung. Seit 2015 ist sie Professorin für Medieninformatik an der Uni Würzburg. Und damit eine von 75.

Nur 75 von rund 425, also etwa 17,5 Prozent der Professuren an der Uni Würzburg sind von Frauen besetzt. „Bei den Studierenden sei das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ausgewogen, auch bei den Promotionen gebe es etwa genauso viele Männer wie Frauen. Das Ungleichgewicht bestehe erst bei der Habilitation“, erklärt Marie-Christin Dabauvalle, Professorin für Zellbiologie und Frauenbeauftragte der Uni. Im März 2016 verabschiedete die Hochschule ein Gleichstellungskonzept, bereits seit 2015 besteht ein entsprechender Berufungsleitfaden.

Dieser stelle etwa sicher, dass auch Frauen in der Berufungskommission vertreten sind, erklärt Dabauvalle.

„Es ist wünschenswert, dass wir mehr Frauen gerade auch in den höheren Positionen haben“, sagt Lugrin. Nur so hätten junge Studentinnen entsprechende Vorbilder. Doch der Weg dahin ist schwierig. Zwar gibt es Konzepte, Stipendien und Fördermaßnahmen für Frauen, doch zu wenige nähmen solche Unterstützungsprogramme in Anspruch, so Lugrin. „Frauen verstehen solche Angebote immer wieder falsch. Sie glauben, diese Förderung bekommen sie nur, weil sie es ohne nicht schaffen würden.“ Zudem kämpfe man als Frau häufig damit, dass die eigene Stellung immer wieder hinterfragt werde: „Ist sie wirklich so gut oder brauchten sie eine Frau“, solche Sätze kennt auch die Informatikerin.

Den Vorwurf, mit solchen Maßnahmen jungen Studenten den Weg in die Wissenschaft zu erschweren, weisen die Frauen zurück. „Bei einer Bewerbung werde stets die qualifiziertere Person genommen. Nur wenn beide gleich qualifiziert sind, sollte man die Frau nehmen, wie es das bayerische Hochschulgesetz vorsieht“, erklärt Dabauvalle.

Um die Frauen mehr ins Bewusstsein zu rücken, hat die Uni Würzburg die Broschüre „Fünfundsiebzig Professorinnen“ veröffentlicht, in der die Professorinnen vorgestellt werden. Eine Idee, die Lugrin nicht von Anfang an überzeugte. Ihr erster Impuls: „Eine Emanzenbroschüre.“ Inzwischen sieht sie das anders. „Ohne Frauen als Vorbilder wird sich nichts ändern“, sagt die 35-Jährige. „Da es so wenig Professorinnen gibt, sind sie an der Universität logischerweise weniger sichtbar als ihre männlichen Kollegen“, ergänzt Dabauvalle. „So wird den jungen Studentinnen die Möglichkeit einer weiblichen akademischen Karriere nicht so deutlich vorgelebt.“ Das Projekt zeige, dass ihnen dieser Weg offensteht.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Sara Sophie Fessner
  • Akademiker
  • Allgemeine (nicht fachgebundene) Universitäten
  • Chancengleichheit
  • Frauen
  • Frauen in Führungspositionen
  • Hochschulen und Universitäten
  • Professoren
  • Universität Augsburg
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
2 2
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!