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Wie die dpa für unabhängigen Journalismus sorgt

Seit 70 Jahren versorgt die dpa die deutschen Medien mit Nachrichten aus aller Welt. Voraussetzung dafür ist Unabhängigkeit, sagt Aufsichtsratschef David Brandstätter.
Wie die dpa für unabhängigen Journalismus sorgt
70 Jahre dpa: Der Vorsitzende des dpa-Aufsichtsrats und Geschäftsführer der Main-Post GmbH, David Brandstätter (links), und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterhalten sich vor Beginn des Festakts in Berlin. Foto: dpa

Ohne unabhängigen Journalismus funktioniert keine Demokratie. Da waren sich Politiker und Medien-Verantwortliche dieser Tage beim Festakt zum 70-jährigen Bestehen der Deutschen Presseagentur (dpa) in Berlin einig. Gleichwohl ist diese Überzeugung im digitalen Zeitalter, wo im Grunde jedermann Nachrichten produzieren, im Zweifel sogar erfinden und verbreiten kann, keine Selbstverständlichkeit mehr. Ein Spannungsfeld, das für die klassischen Medien tagtäglich zur Herausforderung wird. Das gilt nicht zuletzt für die 1000 dpa-Journalisten, die Zeitungs- und Onlineredaktionen, Radio- und Fernsehsender in aller Welt mit Texten, Fotos, Videos, Grafiken und Hörfunkbeiträgen beliefern.

Die dpa wurde 1949 gegründet, Gesellschafter sind 180 deutsche Medienunternehmen. Dazu gehören die klassischen Zeitungsverlage ebenso wie öffentlich-rechtliche und private Fernseh- und Radiosender. Die Redaktion leitet Chefredakteur Sven Gösmann, Vorsitzender der Geschäftsführung ist Peter Kropsch. Die unternehmerischen Linien diskutiert und entwickelt maßgeblich der Aufsichtsrat, in dem Vertreter aller Mediengattungen vertreten sind. Vorsitzender dort ist David Brandstätter, der Geschäftsführer der Mediengruppe Main-Post in Würzburg. Der 58-Jährige steht seit 2014 an der Spitze des Gremiums. Mitglied im aktuell 16-köpfigen Aufsichtsrat ist der gelernte Redakteur seit 2003. Vor seiner Tätigkeit als Geschäftsführer war der gebürtige Österreicher von 1993 bis 2001 Chefredakteur der Main-Post-Gruppe. 

David Brandstätter ist seit 2014 Vorsitzender des dpa-Aufsichtsrats

Brandstätter versteht den Aufsichtsrat der dpa als eine "Art Sparringspartner" für die operativ Verantwortlichen, um der Agentur mit neuen (Geschäfts-)Ideen auch in digitalen Zeiten das wirtschaftliche Überleben zu sichern. Die dpa sei heute ein "Dienstleister für multimediale Inhalte",  mehr also als ein reiner Nachrichtenhändler. So entwickle man Instrumente und Methoden, die den Medienhäusern helfen sollen, neue, digitale Abonnenten zu gewinnen.

Ein weiteres Ziel sei die Erweiterung des Kundenkreises über Verlage und Rundfunkanstalten hinaus. Schon heute versorgt die dpa große Unternehmen, aber auch Parteien, Ministerien und internationale Einrichtungen wie das Goethe-Institut mit für sie wichtigen Nachrichten. Auch die technische Infrastuktur stellt dpa Kunden zur Verfügung, beispielsweise zur Verbreitung von Pressemitteilungen oder Katastrophen-Warnmeldungen. Der Umsatz der Gruppe stieg 2018 um 2,3 Prozent auf 139,8 Millionen Euro, hieß es bei der jüngsten Gesellschafterversammlung in Berlin.

Wie die dpa für unabhängigen Journalismus sorgt
Main-Post-Geschäftsführer David Brandstätter ist seit 2014 Vorsitzender des Aufsichtsrats der dpa. Foto: dpa

Kerngeschäft der Agentur bleibt indes der unabhängige und überparteiliche Journalismus. Die dpa ist an 150 Standorten in über 90 Ländern mit eigenen Mitarbeitern vertreten, allein der Basisdienst verbreitet täglich rund 600 Meldungen sowie Korrespondenten- und Hintergrundberichte. Das reicht vom Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong Un in Korea bis hin zum Autounfall in Oberbayern. Redaktionen nutzen die dpa in der Regel für Berichte aus Regionen, in denen sie nicht selbst mit eigenen Reportern und Fotografen vor Ort sein können.

Die Agentur versorgt auch Medien außerhalb von Deutschland, sie veröffentlicht auch Nachrichten in Englisch, Spanisch und Arabisch. Für die tägliche Arbeit hat sich die dpa Grundsätze gegeben: „Die Pflege der objektiven Nachricht und die Unabhängigkeit von jeder staatlichen, parteipolitischen und wirtschaftlichen Interessengruppe werden das Merkmal der neuen Agentur sein“, hieß es bereits 1949 in der allerersten versendeten Meldung.

Vielfalt der Gesellschafter sichert die Unabhängigkeit

Die Unabhängigkeit sei das größte Pfund, mit dem die dpa wuchern könne, betont David Brandstätter. So sei ein großer Teil der weltweiten Nachrichtenagenturen staatlicher Einflussnahme ausgesetzt. Man kenne dies aus China, Russland oder der Türkei. Andere Agenturen wie zum Beispiel die französische Agence France-Presse (afp) erhielten staatliche Subventionen von bis zu 100 Millionen Euro im Jahr, so Brandstätter. Bei der dpa hingegen sei sogar satzungsgemäß geklärt, dass nicht mal ein Gesellschafter, mutmaßlich ein großer Medienkonzern, dominieren könne. Über maximal drei Prozent der Geschäftsanteile dürfe ein einzelner Anteilseigner verfügen. Brandstätter: "Die größte Garantie für die Unabhängigkeit der Agentur ist die Vielfalt ihrer Gesellschafter."

Der Aufsichtsratschef freut sich, dass beim Festakt zum 70-jährigen Bestehen der dpa Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die konstitutive Bedeutung einer freien unabhängigen Presse für den demokratischen, pluralistischen Rechtsstaat herausgestellt hat. Diese Unabhängigkeit zu sichern und zu nutzen, um Politik und Wirtschaft auf die Finger zu schauen, bleibe neben dem Vorantreiben der digitalen Transformation von Arbeitsprozessen, das zentrale Ziel seiner Tätigkeit, sagt Brandstätter. "Denn Demokratie gibt es nicht ohne freie Presse."         

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