Sommerhausen

Wie ein Stadtschreiber den Zauber der Sprache bewahren will

Der Autor und Schauspieler Markus Grimm ist künftig Sommerhausens Stadtschreiber. Bei einer Auftaktveranstaltung im Rathaus stellt er sich den Sommerhäusern vor.
Voller Rathaussaal beim Auftakt für Markus Grimm - Stadtschreiber in Sommerhausen.
Voller Rathaussaal beim Auftakt für Markus Grimm - Stadtschreiber in Sommerhausen. Foto: Antje Roscoe

Wenn das kein guter Auftakt ist: Mehr als 100 Interessierte füllten den Rathaussaal, um den neuen Stadtschreiber kennen zu lernen. Sie genossen eine literarische Vorstellung und etwas Anregung, was man mit einem Stadtschreiber unternehmen könnte.

Überraschend groß war das Interesse an dem Mann, der künftig im Flurersturm wohnen und sich Stadtschreiber für Sommerhausen nennen wird. Nun hat auch die Literatur in Sommerhausen eine feste Adresse. Sprache und Sprachen, sagt der Autor und Schauspieler Markus Grimm, hätten ihn schon sehr früh interessiert.

Bei Grimm muss Balance zwischen Professionalität und Hingabe stimmen

In Seckenheim am Neckar ist er aufgewachsen. Katholisch, Latein, Griechisch, Hebräisch, klassisch humanistische Bildung. Neugier war es wohl, als er mit "jetzt guck ich erst mal" in das Theologiestudium startete - und das studentische Theaterspiel. Den Doktor der Theologie kriegt er hin, ein Zölibat kam dann nicht mehr in Frage. Drei Kinder statt dessen. Markus Grimm ist einer, bei dem die Balance zwischen der Professionalität und der Hingabe stimmen muss. Er muss überzeugt sein, von dem was er tut. Sicher war es nicht, aber das Theater spielen, das er stets als Amateur (lat. Liebhaber) pflegte, funktionierte auch als Soloformat mit Inhalten, die ihm etwas bedeuten. Mit dem Sprachbewahrer-Preis der Gesellschaft für Deutsche Sprache 2009, fühlt er sich erkannt, mit dem, was ihm wichtig ist. Das Wintermärchen von Charles Dickens spielt er seit 2003. Mit Riemenschneider und Balthasar Neumann entdeckt er das Historische in Mainfranken – und landet mit Karl Heinrich Caspari in Sommerhausen.

Was für ein Stadtschreiber er sein wird, das kann das Publikum mitbestimmen.
Was für ein Stadtschreiber er sein wird, das kann das Publikum mitbestimmen. Foto: Antje Roscoe

Als "der Stadtschreiber", stellt er sich in das Hier und Jetzt: "Das bin dann wohl ich." Was für ein Stadtschreiber er sein wird, das kann das Publikum mitbestimmen. Im Flurersturm sitzen und vor sich hin schreiben – auch das wird es geben. Reich an Geschichten sei das Land, die es zu bewahren gilt. Genauso will der 51-Jährige aber Literatur und Leben, den Zauber der Sprache, der uns trägt und bewahrt, mit den Sommerhäusern zusammen erkunden. Was er vorträgt, Lieblingstexte wie Hermann Hesses "Stufen", zielt auf die Essenz der Dinge des Lebens. Literatur versteht er als den "Kristallisationspunkt der Kultur, durch den alle Künste gehen – irgendwann". Und wenn es nur der Ausstellungskatalog wäre.

Welten eröffnen, an denen wir "lernen und reifen als Menschen" - Grimm setzt auf den gemeinschaftlichen Aspekt von Kultur, auf das gemeinsame Kultivieren, bei dem das Gelingen sowohl von den Akteuren, aber auch dem Publikum abhängt. Dieses fing er sich unausweichlich mit seiner historisch-fiktiven Erzählung "Die Bekehrung" ein. Der lutherische Sommerhäuser Pfarrer Caspari begegnet darin seiner Herausforderung in Gestalt einer braven Frickenhäuserin. Würzburgisch aber! Grimm wird Mittler sein, versteht das Publikum abzuholen.

Vom Lesekreis bis zur Autorenlesung

Was Stadtschreiber Grimm anbietet reicht vom Lesekreis bis zum Schreibkurs, von Poetry Slam bis Theater, Buchempfehlungen oder Autorenlesungen. Das Angebot mitbestimmen kann man auch online. Die Literaturtage am 26. und 27. Oktober hat er schon mal terminlich gesetzt. Mitmachen muss man aber schon selber.

Was Stadtschreiber Grimm anbietet reicht vom Lesekreis bis zum Schreibkurs, von Poetry Slam bis Theater, Buchempfehlungen oder Autorenlesungen.
Was Stadtschreiber Grimm anbietet reicht vom Lesekreis bis zum Schreibkurs, von Poetry Slam bis Theater, Buchempfehlungen oder Autorenlesungen. Foto: Antje Roscoe

Grimm ist offen für alles und bekommt auch im Nachhinein zu seinem "Auftakt" reichlich Zuspruch. Seine wache Zugewandtheit vertreibt eine mögliche Scheu. Grimm ist einer, der Stühle ergänzt, damit alle Platz finden. Seine historischen Stücke bauen bodenständige Brücken in die Gegenwart. Der Austausch ist rege. Grimm wird zuversichtlich nach Hause gehen, sehr überrascht von dem Interesse, das als Willkommen gewertet werden darf. Ute-Katharina Bocklenberg beispielsweise, Leiterin des Kirchenchors, veranstaltet just am 27. Oktober in der Bartholomäuskirche ein Chor- und Orchesterkonzert mit Werken des walisischen Komponisten Karl Jenkins. Dessen Erfindung: sinnfreie Sprache für den Gesang. Sinnfrei aber funktional, um Töne optimal zu transportieren, ohne durch Inhalte abzulenken. Man könnte also ganz von vorne beginnen, mit den Tönen, die die Sprache, die Literatur ergeben.

Weitere Infos, Termine und eine Umfrage unter www.stadtschreiber-sommerhausen.de.

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