Zell

Wie geht es weiter mit dem Zeller Wertstoffhof?

Auf einem Teil des Grundstücks in Zell, auf dem das Ärztehaus kommen soll, befindet sich noch die Entsorgestelle. Wie es nun weiter geht.
Der Zeller Wertstoffhof nimmt einen Teil der Fläche ein, auf der das Ärztehaus gebaut werden soll. Doch der Pachtvertrag mit dem Team Orange muss gekündigt werden. Foto: Jörg Rieger

Darüber, dass man ein Ärztehaus möglichst in der Zeller Ortsmitte schaffen möchte, gab es mal einen breiten Konsens. Doch das Vorhaben scheint zunehmend vom Wahlkampf überlagert zu werden – und vom Wertstoffhof. Das wurde sowohl in der jüngsten Gemeinderatssitzung als auch während der vom Bund Naturschutz veranstalteten Kandidaten-Diskussion offenkundig. Auf einem Teil des Grundstücks, das an einen Projektanten verkauft werden soll, befindet sich noch die Entsorgestelle. Bislang hieß es stets, dass sie Ende dieses Jahres ausgedient hat.

Unbefristeter Vertrag mit Kommunalunternehmen

Auf Betreiben der Grünen-Ortsgruppe wurde in der vergangenen Woche jedoch öffentlich, dass der Vertrag mit dem betreibenden Kommunalunternehmen unbefristet läuft. Dies bestätigte auch dessen Geschäftsführer Alexander Schraml auf Nachfrage. Die Kritik an seiner Person, dass er in der Vergangenheit immer wieder die zeitnahe Schließung des Zeller Wertstoffhofes propagierte, wies er von sich. Man sei zwar seit vielen Jahren auf der Suche nach einem Alternativstandort. Eine solche Entscheidung, so Schraml weiter, würde aber immer wohl überlegt und abgewogen und nach Beschlussfassung im Verwaltungsrat getroffen werden.

Ergo: Die Gemeinde müsste – Stand heute – für den Ärztehaus-Startschuss den Pachtvertrag mit sechs Monaten Vorlaufzeit zum Jahresende kündigen – mit der Konsequenz, dass es dann womöglich zwischen Leinach und Zell keinen Wertstoffhof mehr gibt. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich die meisten Bürger bei einer Befragung für das Ärztehaus an dieser Stelle entscheiden würden", sagt Zells scheidende Bürgermeisterin Anita Feuerbach. Es habe sich auch nichts an der Tatsache geändert, dass der Wertstoffhof früher oder später schließen soll.

Die Suche nach einem anderen Standort zieht sich offenbar hin

In der Tat schrieb Schraml im Februar 2017, dass angesichts der steigenden Anforderungen an die Abfallentsorgung der jetzige Standort auf Dauer ungeeignet sei. In der E-Mail, die dieser Redaktion vorliegt und die an die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden gerichtet ist, steht auch, dass das KU den Pachtvertrag frühestens zum 31. Dezember 2020 kündigt. Das schließt keine Zwangsläufigkeit ein. Die Suche nach einem anderen Standort zieht sich offenbar hin. Derzeit ist wieder ein Gelände in Richtung Erlabrunn im Gespräch, das demnächst vom KU-Verwaltungsrat bewertet werden soll.

Die Zeller Mitte und die Grünen, die aktuell nicht im Gemeinderat vertreten sind, bekannten sich zuletzt zum Erhalt des Wertstoffhofes in Zell und begründeten dies unter anderem mit dem Umweltschutz – sinngemäß: Wenn es keinen Wertstoffhof in der Nähe gibt, wird zum einen mehr anderweitig entsorgt und zum anderen mehr durch die Gegend gefahren. Die nächste Annahmestelle im Waldbüttelbrunner Gewerbegebiet ist zumindest für die Zeller jedoch nicht allzu weit weg. Und der jetzige Standort am Ortseingang hat Nachteile – darunter den, dass die Container nicht versenkbar sind.

Was sagen sie Bürgermeisterkandidaten? 

Silvia Schlagmüller, Bürgermeisterkandidatin der CSU/Freie Zeller Bürger würde sich im Zweifel für das Haus der Gesundheit, wie sie es selbst bezeichnet, entscheiden. Andere Praxis-Räumlichkeiten haben sich bislang nicht finden können. "Wir brauchen im Ort aber eine hausärztliche Versorgung", so Schlagmüller. Dem stimmen viele Zeller zu. Es gibt aber auch Bürger, die darauf hinweisen, dass es an der Grenze zu Margetshöchheim im dortigen Ärztehaus einen Allgemeinmediziner gibt.

Für Bürgermeisterkandidat Sebastian Rüthlein (SPD/Junge Liste Zell) hat sich die Faktenlage aufgrund des unbestimmt laufenden Vertrages mit dem Pächter des Wertstoffhofes nun "erneut geändert". Er würde daher das Thema gerne noch einmal im Gemeinderat behandeln. Dagegen spricht Feuerbach zufolge, dass Investor, Arzt und Apotheker jetzt bereitstünden, der Bau ohnehin noch einige Zeit dauert – und es nun schon seit über einem Jahr keinen Hausarzt mehr in Zell gibt.

Dem entgegnet Rüthlein: "Ich lasse keinen angeblichen Zeitdruck gelten. Erstens braucht das Ärztehaus sowieso mindestens zwei Jahre. Und zweitens fänden sich Übergangslösungen, wenn es um eine schnelle ärztliche Versorgung gehen würde." Er nennt beispielsweise einen Bürgerbus bis zum Margetshöchheimer Ärztehaus, Sammel-Hausbesuche in den Pflegeheimen und eine engere Kooperation mit den umliegenden Ärzten. Hier bräuchte es Gespräche und Kreativität. Statt Ärztehaus und Wertstoffhof gegeneinander auszuspielen, müsse man die Zeit jetzt nutzen, beides auf solide Füße zu stellen.

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