Würzburg

Wie gerecht ist die Tierhaltung im Circus Krone wirklich?

Löwen, Tiger, Zebras und jede Menge Pferde – beim Circus Krone treten viele Tiere auf. Tierrechtsaktivisten passt das überhaupt nicht. Ein Blick hinter die Kulissen.
Kamele grasen auf der Talavera in Würzburg. Der Circus Krone hat mit etlichen Artisten, Wagen sowie Pferden, Zebras, Kamelen, Lamas, Löwen und Tigern seit Montag sein Lager in der Stadt aufgeschlagen. Foto: Daniel Peter

Es ist ein Thema, das polarisiert und sämtliche Tierschützer in Aufruhr bringt: Wildtiere in Zirkussen. An diesem Mittwoch feiert der größte Zirkus der Welt, Circus Krone, in Würzburg Premiere. Neben den 260 Menschen vor und hinter der Kulisse werden auch rund hundert Tiere mit dabei sein, darunter Pferde, Lamas, Zebras, Tiger und Löwen. Das bringt dem Unternehmen auch viel Kritik von Tierschützern ein.

Viele Kontrollen

Ortstermin auf der Würzburger Talavera am Dienstagnachmittag. Circus Krone Pressesprecher Andreas Kielbassa führt über das Gelände. "Wir sind der meist kontrollierteste Tierhaltungsbetrieb im Land", sagt er. Denn er wisse, mit welcher Kritik sich der Zirkus tagtäglich auseinandersetzen muss. Mindestens einmal in der Woche komme ein Amtsveterinär unangemeldet vorbei und kontrolliere die Tierhaltung.

Dennoch: Die Organisation Peta fordert längst ein generelles Tierverbot in Zirkussen. Auch der Deutsche Tierschutzbund klagt die Bundesregierung an, "dieses Problem nicht längst erkannt zu haben." In Ansbach, wo der Zirkus vorher gastierte, gab es Demonstrationen mit rund 300 Aktivisten der Aktionsgruppe Tierrechte Bayern, zu der sich laut eigenen Angaben 20 Vereine, Parteien und Initiativen anschließen. Das Thema polarisiert.

In Tierschutzbroschüre wird die Tierhaltung erklärt

Circus Krone hat den Umgang mit solcher Kritik professionalisiert. In einer 44 Seiten umfassenden Tierschutzbroschüre legt er dar, wie wichtig das Thema Tierwohl dem Unternehmen sei. Es wird erklärt, welche gesetzliche Anforderungen an die Tierhaltung im Zirkus existieren. Darüber hinaus wird erläutert, wie die Zirkusfamilie bereits seit einem Jahrhundert zusammen mit den Tieren lebt. "Die Haltung von Tieren im Zirkus ist vom Gesetzgeber genau vorgeschrieben", weiß Frank Keller, Tierschutzbeauftragter des Circus Krone. "Und diese Auflagen werden von uns nicht nur erfüllt, sondern übertroffen." So stehen den Tieren beispielsweise laut Kielbassa doppelt so große Gehege zur Verfügung als vorgeschrieben. Er deutet auf eine Lampe im Zelt der Zebras und Kamele: "Kalt wird ihnen auch nicht, sie werden gewärmt und die Löwen und Tiger haben sogar eine Fußbodenheizung in ihren Wagen."

Der Laubschnitt der Tiere wird frisch vom städtischen Bauamt geliefert. Das Fleisch kommt von einem Metzger aus Bad Windsheim.  Foto: Daniel Peter

Tierschutzbeauftragter: "Unseren Tieren geht es gut"

Es sei "blanker Hohn", dass Circus Krone "das Wort Tierschutz auch nur in den Mund nimmt", kritisiert das "Aktionsbündnis - Tiere gehören nicht zum Circus", das sich gegen eine Haltung und Zurschaustellung von Tieren im Zirkus einsetzt. Wer Tiere schützt, "der treibt sie nicht mit Peitschen, bei lauter Musik und Blitzlicht durch eine Manege, der hält sie nicht ohne Auslauf auf nacktem Beton, der transportiert nicht Tiere, bis sie elendig sterben", schreibt das Bündnis auf Anfrage dieser Redaktion. Die Mitglieder halten es für "moralisch nicht tragbar", Tiere für das menschliche Unterhalten leiden zu lassen. Außerdem: Kindern würden im Zirkus höchst fragwürdige Werte vermittelt.

Bei dieser Kritik kann Keller nur den Kopf schütteln: "Unseren Tieren geht es gut und wir lieben sie." Alle Übungen der Tiere basieren laut des Tierschutzbeauftragen auf den natürlichen Verhaltensweisen der Tiere. Außerdem sei gerade das Reisen eine willkommene Abwechslung für die Tiere. "Ihnen wird nie langweilig. Und auch der Transport ist kein Stress." Dies habe der Zirkus sogar wissenschaftlich untersuchen lassen. "Die Kritiker sind meist Tierrechtler und die wollen die Haltung von Tieren generell abschaffen." Dies habe mit Tierschutz überhaupt nichts zu tun. 

Kielbassa merkt an, dass sich die Tiere auch nur für die reine Reisezeit in den Transportwagen befinden. "Wenn unsere Tiere in einer anderen Stadt ankommen, stehen ihre Stallungen bereits."

"Die Kritiker sind meist Tierrechtler und die wollen die Haltung von Tieren generell abschaffen."
Frank Keller, Tierschutzbeauftragter Circus Krone.

Auch das Peta Zwei Streetteam Würzburg übt scharfe Kritik an Zirkussen mit Tierhaltung. Der Verbund freiwilliger Unterstützer, die sich für die Ziele der Jugendkampagne Peta Zwei der Tierschutzorganisation einsetzen, ruft in Würzburg zu Demonstrationen gegen Circus Krone auf. Ihre Forderung: Umstellung auf ein tierfreies Programm. „Circus Krone sollte endlich einsehen, dass die Zeiten der Tierdressuren vorbei sind, denn Tradition rechtfertigt kein Tierleid“, sagt Laura Schneider, Leiterin des Streetteams Würzburg. Die Demos finden am Premierentag, 30. Oktober, um 18.30 Uhr sowie am 3. November, 17 Uhr jeweils an der Kreuzung Mainaustraße/Luipoldstraße auf der Talavera statt.

Aktionsbündnis: Tierverbote sind überflüssig

Doch es gibt nicht nur Negativ-Stimmen, wenn es um die Tierhaltung im Zirkus geht. Das „Aktionsbündnis Tiere gehören zum Circus“ ist ein Zusammenschluss ehrenamtlich tatiger Zirkusfreunde. Die Mitglieder sind der Meinung, Tiere können im Zirkus so gehalten werden, dass sie sich wohlfühlen - und berufen sich dabei auf "zahlreiche" wissenschaftliche Studien. Verbote seien demnach überflüssig.

Bei Circus Krone stehen den Tieren doppelt so große Gehege zur Verfügung als rechtlich angeordnet. Mindestens einmal die Woche kommt ein Amtsveterinär unangekündigt vorbei, um die Tierhaltung zu kontrollieren. Foto: Daniel Peter

Solange es kein generelles Verbot gibt, sind Wildtiere erlaubt

Doch könnte eigentlich die Stadt Würzburg als Kommune das Gastspiel einschränken und Tiernummern untersagen? Stand der Dinge: Andere Länder haben ein generelles Verbot ausgesprochen, die Bundesrepublik Deutschland nicht. Und solange es hierzulande kein Verbot gibt, sind Auftritte von Löwen, Tigern oder Elefanten grundsätzlich erlaubt. Einige deutsche Städte haben sich allerdings politisch entschieden, Zirkusunternehmen mit Wildtiernummern nicht mehr auf städtischen Grundstücken spielen zu lassen. Solch einen Beschluss muss der jeweilige Stadtrat treffen. 

In Ansbach beispielsweise, wo Krone bis 28. Oktober gastierte, hatte der Stadtrat bereits im Sommer 2018 entschieden, Flächen nur noch dann an Zirkusbetriebe zu vermieten, wenn diese keine Wildtiere mit sich führen. Der Zirkus setzte sich mit einem Eilantrag juristisch zur Wehr – und bekam Recht. Ein Verbot – so das Gericht – greife in diskriminierender und nicht gerechtfertigter Weise in die Berufsausübungsfreiheit ein.

Zwischen Circus Krone und der Stadt Würzburg gibt es einen privatrechtlichen Vertrag für die Nutzung der Talavera. Diesen aufzuheben allein wegen der Tiernummern, komme mangels gesetzlicher Grundlage nicht in Betracht, argumentierte die Stadt 2015, als der Zirkus zuletzt in Würzburg gastierte.

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann vorbei kommen

Wer sich von der "guten Tierhaltung" im Circus Krone selbst überzeugen möchte, könne einfach vorbei kommen. Der Krone-Zoo sei für jeden täglich ab 10 Uhr zu Preisen von fünf Euro für Erwachsene und drei Euro für Kinder geöffnet. Der Circus Krone gastiert bis Montag, 11. November, auf der Talavera.

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