Würzburg

Wie kommt die Vielfalt in die Flur?

Maßnahmen für mehr Artenvielfalt müssen öffentlich kommuniziert werden, um Akzeptanz und Verständnis in der Bevölkerung zu fördern. Foto: Jochen Diener

Vielfältig wie das Thema des Abends waren die zahlreichen Besucher aus der Öko-Modellregion Waldsassengau. Landwirte, Umweltbeauftragte, Bürgermeister und Gemeinderäte, Vertreter von Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz, Berater und Behördenvertreter füllten laut einer Pressemitteilung den Saal im Helmstädter Gasthaus "Zur Krone".

Nach Begrüßung durch Allianzsprecher Hans Fiederling und Vorstellung der Öko-Modellregion durch Projektmanager Jochen Diener, erläuterte Bastian Dürr die Arbeit der bayerischen Wildlebensraumberater sowie aktuelle Fördermöglichkeiten im Rahmen des bayerischen Kulturlandschaftsprogramms (Kulap). Sein Ziel, so Dürr, sei stets, die Qualität von Lebensräumen in der Agrarlandschaft zu optimieren. Für Einzel- und Gruppenberatungen stehe er Landwirten, Jägern und privaten Landbesitzern aus ganz Unterfranken gerne zur Verfügung. Sein Amtssitz ist seit bald einem Jahr das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Karlstadt.

Viele Bewirtschaftungsmethoden sind verschwunden

Der Frage „Wie tickt die Kulturlandschaft?“ ging im Anschluss Werner Kuhn nach, Landwirt aus Güntersleben und Fachmann für diverse Blühmischungen und Lebensraum-Konzepte. Kuhn machte deutlich, dass die Ursprünge unserer heute gefährdeten Lebensräume in der Art der historischen Landnutzung begründet waren. Infolge der technischen Weiterentwicklung konnten zwar Lebensmittel wesentlich effizienter produziert werden, andererseits verschwanden zahlreiche Bewirtschaftungsmethoden, die überwiegend schweißtreibend per Hand, quasi „nebenbei“ für vielfältige Strukturen in der Flur sorgten.

Auch der soziale Aspekt wurde beleuchtet – zur Bewältigung der oft händischen Arbeiten in der Landwirtschaft waren viele Helfer von Nöten. So bewirtschafteten in der Günterslebener Flur einst rund 100 Familien 1000 Hektar Land, das heute von zwei Betrieben bestellt wird.

Dieser massive Exodus der Menschen aus der Landwirtschaft wirke sich gleichfalls auf die naturräumliche Vielfalt aus und bedinge die zunehmende Entfremdung der Bevölkerung von den Arbeits- und Lebensprozessen in der Agrarlandschaft, so der Günterslebener Landwirt.

Lieber mehrjährige Blühmischungen sähen

Den Trend, mit einjährigen Blühmischungen Vielfalt zu suggerieren, stellte Kuhn infrage. Mehrjährige Mischungen, die möglichst ungemulcht auch im Winter Rückzugsmöglichkeiten bieten, seien zu bevorzugen, um einen ökologischen Nutzen zu generieren. Oft aber seien schon mit einfachen Maßnahmen positive Effekte zu erzielen, beispielsweise durch Verzicht auf übertriebene Feldrandhygiene seitens der Landwirte und Bauhöfe.

Kuhn appellierte an die Zuhörer, mehr „Unordnung“ zuzulassen – so böten für das Auge zunächst ungewohnte und mitunter unästhetische Strukturen wie Schutthaufen, Erdwälle, Schwarzbrachen oder Lehmkuhlen Lebensraum für zahlreiche Arten. Mulch- und Mahdkonzepte entwickeln, abschnittsweise mähen, Stauden und Kräuter aussamen und das Mahdgut idealerweise zwei Tage ruhen lassen, bis es entfernt wird, empfiehlt Kuhn grundsätzlich. Hin und wieder zur Sense und zum Rechen greifen, fördere die körperliche Fitness des Naturfreundes.

Kulturlandschaft bedarf laut Kuhn steuernder Eingriffe, etwa der fachgerechten Pflege einer Hecke in Form eines radikalen „auf den Stock setzen“. Kuhn verblüffte seine Zuhörer mit unkonventionellen Perspektiven und machte Mut, neue Wege auch jenseits von Förderprogrammen zu beschreiten, heißt es in der Mitteilung der Öko-Modellregion. Fachlich beratend steht er interessierten Landwirten gerne zur Seite und verwies für weitere Informationen auf die Homepage www.lebensraum-brache.de.

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