BERGTHEIM

Wie lösen wir den Konflikt um das Wasser in Mainfranken?

Bewässerung Gemüsefelder um Oberpleichfeld
Im Würzburger Norden wird das Wasser knapp. Doch ausgerechnet hier sind die Böden fruchtbar und ausgezeichnet für den Gemüseanbau geeignet. Also brauchen die Landwirte viel Wasser, damit das Gemüse wächst. Foto: Daniel Peter

Um das Wasser in Mainfranken gibt es zunehmend Konflikte. Viele Menschen machen sich Sorgen um den Grundwasserspiegels, ihren Trinkwasservorrat und das ökologische Gleichgewicht. Die Sommer werden heißer, die Niederschläge weniger und der Anbau von Sonderkulturen nimmt zu. Wie kann der Konflikt um das Wasser gelöst werden?

Zum einem Informationsgespräch mit dem Thema „Aktuelle Herausforderungen und Vorschläge für eine nachhaltige Wasserpolitik“ hatte Landtagsabgeordneter Volkmar Halbleib aus Ochsenfurt im Namen der SPD-Landtagsfraktion eingeladen. Im Mehrzweckraum der Willi-Sauer-Halle in Bergtheim diskutierte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion mit Fachleuten. Unter ihnen waren Halbleibs Fraktionskollege Harry Scheuenstuhl aus dem Landkreis Fürth, umweltpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion und Herbert Walter, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Aschaffenburg.

Die „Bergtheimer Mulde“ zählt zu den niederschlagsärmsten Gebieten in Bayern. Gleichzeitig werden auf den fruchtbaren Böden zunehmend Sonderkulturen angebaut, die einen hohen Wasserbedarf haben. „Bewässerung ist kein neues Thema, aber es hat eine neue Dynamik bekommen“, meinte Herbert Walter.

Trockenstandort Unterfranken

In der „Bergtheimer Mulde“ zwischen Estenfeld, Hausen, Rupprechtshausen und Schwanfeld wird von den Landwirten für die Bewässerung Grundwasser gepumpt. Etwa 100 Brunnen gibt es im Landkreis Würzburg, zwei Drittel davon wurden in Unterpleichfeld und Bergtheim. In manchen Bereichen ist die Grundwasserneubildung deutlich ausgeschöpft.

Bis gesichertere Erkenntnisse über eine ausreichende Verträglichkeit Umweltverträglichkeit vorliegen, werde das Wasserwirtschaftsamt für Bergtheim, Ober- und Unterpleichfeld keine weiteren Wasserrechte für die für landwirtschaftliche Beregnungen mehr befürworten. Behördenleiter Herbert Walter plädiert stattdessen dafür, „deutlich mehr das Oberflächenwasser zur Entlastung des Grundwasservorkommens zu nutzen.“

Unter der Federführung der Regierung von Unterfranken gibt es bereits ein Pilotprojekt zum Niedrigwassermanagement. Fachberater Wolfgang Patzwahl vom „Büro für Technik und Management im Wein- und Gartenbau“ warb für den Boden selbst als Wasserspeicher und stellte die Bewässerungsgenossenschaft Vinaqua in Volkach als Pilotprojekt für den Weinanbau vor.

Wenig Problembewusstsein in der Landeshauptstadt

Auch Geschäftsführer Hermann Schmitt vom Fränkischen Weinbauverband und Bürgermeister Josef Mend aus Iphofen schilderten ihre Erfahrungen und ihr Engagement zum Thema Bewässerung. Im wasserreichen München fehle es leider noch an der Einsicht darüber, dass die Wasserknappheit in Unterfranken ein ernstes Thema ist, das gemeinsam angepackt und gelöst werden müsse, so die beiden.

Der Leiter des Landwirtschaftsamts in Kitzingen, Gerd Düll, sieht eine stärkere Nachfrage der Verbraucher nach regionalen Produkten, die auf den ertragreichen Lößböden auch angebaut werden können. Er fordert deshalb Konzepte für eine umweltverträgliche Bewässerung, etwa durch Tropfschläuche, die im Boden vergraben werden.

Wasser am besten aus dem Main entnehmen

Mehr Fördergelder zur Lösung des Problems sollten in die Region fließen, waren sich sowohl die Redner als auch die rund 30 Zuhörer einig. Einig waren sich die Experten darin, dass das Wasser für die Bewässerung von Weinbergen und Sonderkulturen am besten aus dem Main beschafft werden sollte.

„Wir müssen die Möglichkeiten, Grenzen und Rahmenbedingungen einer Wasserentnahme aus dem Main rasch klären“, fordert Abgeordneter Halbleib. Offene Fragen dazu gebe es genug. Mit welchen technischen Methoden ist das möglich? Welche Trassen sind beim Leitungsbau erforderlich? Wo und wie viele Wasserspeicher werden gebraucht? Wie wird das Entnahme- und Speichersystem organisiert?

Landwirte sind offen für moderne Konzepte

Auch Landwirt und Gemüsebauer Winfried Strauß kam zu Wort. „Bei uns sind die Kontrollen zur Wasserentnahme im Lot“, verdeutlichte er. Die Landwirte seien für moderne Konzepte offen und „haben höchstes Interesse daran, dass die Natur um Gleichgewicht bleibt“.

Landtagsabgeordneter Harry Scheuenstuhl zeigte sich „sehr erfreut darüber, welche Impulse heute gekommen sind“. Seine Arbeit in den Ausschüssen werde davon profitieren. Immerhin, die Erkenntnisse in München zu den Wasserproblemen in Mainfranken wachsen. Die SPD- Fraktion plädiere klar für eine Wasserbeschaffung unter öffentlich-rechtlicher Verantwortung sowie für eine neue Phase der Flurbereinigung mit dem Schwerpunkt Wasserversorgung, so Volkmar Halbleib.

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