Würzburg

Wie sinnvoll sind Lasermessungen in Würzburg?

In der Würzburger Innenstadt werden seit einiger Zeit Passanten per Laser gezählt. Warum diese Daten für eine Stadt wichtig sein können, weiß ein Experte.
Die neuen Laser sind kaum zu erkennen. Es sind kleine Kästchen, die an den Dächern oder Fassaden der Häuser angebracht werden. In Würzburg ist ein Laser am s.Oliver-Gebäude in der Schönbornstraße angebracht. Foto: Thomas Obermeier

Wenn es nach einem Lasermessgerät in der Würzburger Schönbornstraße geht (wir berichteten), sind am Ostersamstag über 48 000 Menschen durch die beliebte Einkaufsstraße geschlendert. Ostersonntag wurde es dann mit rund 9400 Passanten deutlich ruhiger. In 27 deutschen Städten zählt das Unternehmen "hystreet.com" seit einiger Zeit Passanten in beliebten Einkaufstraßen – seit Januar auch in Würzburg.

Während im Handel einer der größten Umbrüche der vergangenen Jahrzehnte stattfindet, kommt Zahlen wie der Frequenz auf den großen Einkaufsmeilen besondere Bedeutung zu. "Die Frage ist, wie sich das Einkaufsverhalten auch im Zuge des Online-Handels verändert", sagt Volker Wedde, Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbandes Bayern. Und dafür können solche Messungen sinnvoll sein.

"Deutlicher Rückgang" der Passanten

Passanten zu zählen sei keineswegs eine neue Methode. Lichtschranken in Geschäften oder händische Zählungen (zum Beispiel bei Veranstaltungen) seien gängige Mittel. Eine dauerhafte Untersuchung wie die mit dem Laser in der Schönbornstraße sei ihm aber bisher noch nicht bekannt gewesen, sagt Wedde.

Es könne beispielsweise für Händler interessant sein, die vom Gerät gemessene Passantenfrequenz mit der Kundenanzahl an einem Tag zu vergleichen. In Geschäften sei die Zählung mit Lichtschranken möglich – eine gängige Methode, meint Wedde. Schon jetzt – unabhängig von den Ergebnissen der Lasermessung in der Schönbornstraße – würden Händler einen "deutlichen Rückgang" der Passanten beobachten. Das ist laut Handelsexperten aber kein Würzburger Problem, sondern ein allgemeiner Trend.

"Laser können nicht beantworten, was man machen soll, aber sie zeigen Entwicklungen auf."
Volker Wedde, Handelsverband Bayern

Mit den Passantenzählungen könne man solche Erkenntnisse kurz- und langfristig genauer beobachten. "Laser können nicht beantworten, was man machen soll, aber sie zeigen Entwicklungen auf", sagt Wedde. Auf Basis dessen müssten dann Lösungen erarbeitet werden.

Weitere Laser könnten laut "Smart City"-Konzept in Würzburg folgen. Wo genau diese angebracht werden sollen, kann die Stadt auf Nachfrage nicht beantworten. Wie es in den Planungen heißt, sollen diese auch an hochfrequentierten Stellen messen. Warum nicht an weniger gut besuchten Orten? "Halten Sie es für sinnvoller dort zu zählen, wo man weiß, dass nichts los ist?", antwortet Klaus Walther, Fachbereichsleiter für Wirtschaft,Wissenschaft und Standortmarketing der Stadt Würzburg. Die Bestätigung des Wissens, dass wenig los ist, trage seiner Meinung nach nur sehr begrenzt zur Antwort auf die Frage bei, warum das so ist.

Messungen, um Pachten teurer zu machen?

Ein wenig anders sieht das Volker Wedde vom Handelsverband. Er erachtet es als sinnvoll, wenn auch Randbereiche der Innenstadt durch dieses Verfahren beleuchten werden könnten. Wünschen würde er sich beispielsweise Messgeräte in Innenstadtgebieten, in denen es viele Leerstände gibt. Aber: "Installationen sind nicht ganz günstig, man kann nicht ganz Würzburg damit abdecken". 

In Leser-Kommentaren wurde die Kritik geäußert, mit den Laser-Zählung in hochfrequentierten Bereichen sollten Pachten in die Höhe getrieben werden. Darauf antwortet Klaus Walther: "Die Mieten und Pachten in Innenstadtlagen richten sich seit Jahren nach nichts anderem als der Frequenz", sagt er. Dazu käme eventuell noch der Gebäudezustand. In Einzelhandelslagen sei das durchaus nachvollziehbar. Walther: "Und das wird voraussichtlich auch so bleiben. Unabhängig, ob der Türsteher oder die Lasertechnik zählt."

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