Würzburg

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Umwelt aus?

Die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie wirken sich nicht nur positiv auf die Stickstoffdioxid-Belastung aus, sondern auch auf die Abfallmengen.
Gerade an der Uferpromenade am Würzburger Mainkai quillen die öffentlichen Abfallbehälter für gewöhnlich über. In Zeiten der Corona-Pandemie ist dies nicht der Fall.
Gerade an der Uferpromenade am Würzburger Mainkai quillen die öffentlichen Abfallbehälter für gewöhnlich über. In Zeiten der Corona-Pandemie ist dies nicht der Fall. Foto: Patty Varasano

Die Corona-Pandemie und die Umwelt: In Venedig ist durch Abwesenheit von Touristen das Wasser in den Kanälen wieder klar, in China ist die Luftverschmutzung sichtbar und messbar zurückgegangen, viele Städte weltweit melden einen deutlichen Rückgang der Schadstoffe. Da stellt sich die Frage, wie sich die Ausgangsbeschränkungen in Würzburg auf die Umwelt ausgewirkt haben.

Fest steht, dass das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) an den beiden Messstationen im Stadtgebiet im März einen deutlichen Rückgang der Stickstoffdioxid-Belastung festgestellt hat. An Stelle von 30 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft wie im März 2019 waren es nur noch 23 Mikrogramm als Monatsmittelwert – allerdings gelten die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie im Freistaat erst seit dem 21. März.

Feinstaubbelastung höher als im vergangenen Jahr

"Der Rückgang dürfte auf das etwas windigere Wetter, aber natürlich zum Teil auch auf die geringeren Verkehrsmengen zurückzuführen sein", teilte der städtische Pressesprecher Christian Weiß auf Nachfrage mit. Für konkrete Aussagen zu möglichen Auswirkungen der Ausgangsbeschränkungen auf die Luftqualität seien aber Auswertungen über einen längeren Zeitraum bei vergleichbaren meteorologischen Verhältnissen erforderlich.

Beim Feinstaub fallen aktuelle Tagesmittelwerte der LfU-Messstation am Stadtring Süd/Rottendorfer Straße teilweise deutlich schlechter aus als der 2019 gemessene Jahresmittelwert von 20 Mikrogramm. An den drei Werktagen vor dem verlängerten Osterwochenende lag der Tagesmittelwert zum Beispiel jeweils über 30 Mikrogramm – was vor allem daran liegen dürfte, dass der Anteil des Verkehrs an der Feinstaubbelastung anders als beim Stickstoffdioxid eher gering einzustufen ist, wie Umweltreferent Wolfgang Kleiner erst im Februar bei der Vorstellung des Lufthygieneberichts 2019 erläuterte.

Weniger Abfall in den öffentlichen Behältern

Auch in anderen Bereichen machen sich die Ausgangsbeschränkungen bemerkbar: Durch weniger Menschen auf den Straßen, in den Parks und am Mainufer fällt in den öffentlichen Abfallbehältern weniger Müll an. Ausnahmen sind laut Christian Weiß stark frequentierte Stellen in den Grünanlagen oder Straßen- und Bushaltestellen. Die Stadtreiniger haben außerdem festgestellt, dass die Restmüllmengen durch die Entsorgung des Biomülls in der Restmülltonne bisher nicht wesentlich gestiegen sind.

Die seit 6. April eingeschränkt geöffneten Wertstoffhöfe – Anlieferungen sind nur nach vorheriger Terminvereinbarung und für dringende Entsorgungen möglich – halten sich im Rahmen "und können durch das Wertstoffhofpersonal in Verbindung mit dem dort eingesetzten Kommunalen Ordnungsdienst problemlos bewältigt werden", so Weiß weiter.

Feuchttücher führen zu Verstopfung

Obwohl die Menschen deutlich mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen, muss das Klärwerk keine größere Abwassermenge reinigen als vor den Ausgangsbeschränkungen. Werkleiter Benjamin Schneider und Christine Neuland, die Leiterin des Kanalbetriebs, appellieren aber an die Würzburger, kein Toilettenpapier zu hamstern.

Das führe dazu, dass Menschen, die in den Geschäften kein Toilettenpapier mehr finden, zu Küchentüchern, Papiertaschentüchern oder Feuchttüchern greifen. Weil sich dieses "nassfeste" Papier im Gegensatz zu Toilettenpapier nicht auflöst, könne es schnell zu Verstopfungen im Abwassernetz führen.

Außerdem müssen solche Tücher im Entwässerungsbetrieb, der wegen der Corona-Epidemie wie alle städtischen Dienststellen im Notbetrieb arbeitet, aufwändig aus dem Abwasser gefischt werden. "Zwingen sie ihre Mitbürger nicht durch Verknappung des Toilettenpapiers zu kreativen Hygiene-Ideen", bittet Christine Neuland.

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