Ochsenfurt

Wild leidet unter Wassermangel

Um den von der Hitze geplagten Tieren in Wald und Flur zu helfen, bauen Jäger derzeit Wasserstellen im Wald und auf Feldern auf. Aber auch Privatleute können helfen. Johanna Schneider aus Sulzdorf hilft Charly Fleischmann bei der Aufstellung von Vogeltränken. Foto: K.Fleischmann

Starke Hitze, Trockenheit, Wassermangel und kein Regen in Sicht. Unter diesen extremen Bedingungen leiden nicht nur Pflanzen, Bäume und Sträucher sondern auch die heimischen Wildtiere in Feld und Wald. Besonders beim Rehwild fand man gegen Ende der Brunft schon die ersten Todesopfer, sagt Gerhard Klingler, Vorsitzender der Kreisgruppe Ochsenfurt im bayerischen Jagdverband. Denn auch die Wildtiere brauchen Wasser zum Überleben. Doch das ist derzeit Mangelware, keine Pfützen, kein saftiges Grün, nicht einmal morgendlicher Tau nach nächtlicher Abkühlung.

Eine Wasserstellen im Wald mit automatischer Nachfülllung. Foto: Gerhard Klingler

Wieviel Wasser ein Tier braucht, hängt von der Tierart, vom Alter und der Aktivität der Tiere und der Zusammensetzung der Nahrung ab. "Generell brauchen Wildtiere etwa 50 bis 60 Milliliter Wasser pro Kilo Körpergewicht", erklärt der Jäger. Das macht bei einem ausgewachsenen Feldhasen bei dieser Hitze etwa einen viertel Liter pro Tag. Bei säugenden Wildtieren liegt der Wasserbedarf noch höher. Und natürlich brauchen auch Vögel und Insekten täglich Wasser.

Besonders in wasserarmen Revieren Wildtränken anlegen

Klingler appelliert deshalb an alle Jäger, besonders in wasserarmen Revieren Wildtränken anzulegen. Hierzu schneidet man Wasserkanister in der Mitte auseinander und gräbt die Hälften an einer ruhigen Stelle am Waldrand oder zwischen der letzten Zuckerrübenreihe und einem Stoppelfeld (natürlich nach Absprache mit dem Landwirt) zu zweidrittel in die Erde ein.
Das Wasser muss regelmäßig erneuert werden. Er selbst ist jeden Tag in seinem Revier unterwegs. Kontrolliert seine Wasserstellen, beobachtet Tiere und Pflanzen. Und so weiß er, dass diese künstlichen Wasserstellen von Rebhühnern, Fasanen, Feldhasen und Rehen sehr gerne angenommen werden. Denn, so berichtet er: "Bei mir sind alle Bäche ausgetrocknet und die Wildschweine gehen nicht mal mehr in die Maisfelder, weil der Mais dürr und trocken ist."

Im Eisinger Revier freuen sich indes die Wildschweine umso mehr. Denn dort hält Jäger Peter Müller sogar die natürlichen Suhlen feucht, damit sich die Tiere im Dreck wälzen können, um sich anschließend an den sogenannten Malbäumen vom Ungeziefer zu befreien. Jäger sein, bedeutet für Ihn eben auch, das Wild zu hegen und zu pflegen. "Wir sorgen dafür, dass es den Tieren auch unter diesen extremen Bedingungen einigermaßen gutgeht", sagt er.

Wasser von der Gemeinde und außerdem Unterstützung von Gemeindearbeitern

Deshalb hat Müller auch im Wald, überwiegend an Wildwechselstellen, acht große Mörtel-Bottiche als Wassertränken aufgestellt. Anfangs hat er sie mit eigenem Regenwasser befüllt - bis dieses ausging. Jetzt bekommt er zum Auffüllen der Bottiche Wasser von der Gemeinde und außerdem Unterstützung von Gemeindearbeitern. Zur Kontrolle ist auch er jeden Morgen im Revier unterwegs.

Eine Wasserstelle am Feldrand. Foto: Gerhard Klingler

Genauso wie Charly Fleischmann aus Sulzdorf im Ochsenfurter Gau. Dem passionierten Jäger und Landwirt liegen die Wildtiere besonders am Herzen. Denn er weiß: Alle Tiere brauchen Wasser. Egal ob Fasan, Feldhase, Fuchs, Insekten oder Vögel. Deshalb hat er im 800 Hektar großen Revier rund 20 Wasserstellen aufgebaut, bei denen mit einem ganz einfachen System frisches Wasser automatisch nachgefüllt wird.

Die Tiere nehmen das kühle Nass gerne an

Und die Tiere nehmen das kühle Nass gerne an. Einen jungen Hasen hat der Jäger schon zweimal an einer Wasserstelle beobachtet. Wichtig sei, dass die Wasserstellen flach sind, damit sie nicht zu tödlichen Tierfallen werden. Im Wald hat Fleischmann einige 1000 Liter Behälter mit Tröpfchen-Bewässerung aufgestellt. Für sein Engagement hat er zahlreiche Mitstreiter aus dem Dorf gefunden. Besonders freut es ihn, dass sogar ein Kind aus der Nachbarschaft, Johanna Schneider aus Sulzdorf,  seine Freizeit geopfert hat, um dem heimischen Wild zu helfen.

Und Gerhard Klingler freut sich, dass es so viele engagierte Menschen gibt, die sich um das Wohl des Wildes kümmern. "Das Wohlbefinden eines jeden Tieres kann durch Wassermangel stark beeinträchtigt werden. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass auch den wild lebenden Tieren genug Flüssigkeit in Feld, Wald und Flur zur Verfügung steht", sagt er.

So kann jeder helfen
Viele Tiere suchen in der Hitze einen kühlen, schattigen Platz und bewegen sich so wenig wie möglich, schreibt Gerhard Klingler in einer Pressemitteilung.
Wichtig ist jetzt, dass die Wildtiere dort nicht unnötig aufgescheucht, sondern in Ruhe gelassen werden: "Deshalb sind grüne Inseln in der Feldflur und die Wasserstellen vor allem auch in der Dämmerung und nachts zu meiden."
Hundebesitzer sollten ihre Hunde nicht nur im Wald, an Wald- und Heckenrändern sondern auch auf freier Feldflur stets an der Leine führen, um das Wild nicht aufzuschrecken.
Hilfe für Vögel und Insekten:
Weil es derzeit keine Pfützen und kleine Rinnsale gibt, leiden Vögel und Insekten am meisten unter der aktuellen Trockenheit. Jeder Gartenbesitzer kann ihnen helfen.
Dazu flache Schalen mit frischem Wasser im Garten aufstellen und das Wasser täglich erneuern. Ein Stück Holz oder ein Stein verhindert, dass Insekten im Wasserbad ertrinken.



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