Randersacker

Wildschäden machen Winzern in Unterfranken zu schaffen

In Unterfranken gibt es immer mehr Rehe und Wildschweine. Auch in Weinbergen fühlen sie sich wohl. Winzer klagen über Ernteausfälle. Welche Orte besonders betroffen sind.
Rehe fressen nicht nur die Trauben im Weinberg, sondern im Frühjahr auch die jungen Triebe.
Foto: Hilmar Hopfengart

Rehe und Wildschweine tümmeln sich nicht nur im Wald. Auch in den Weinbergen fühlen sich die Tiere wohl – sehr zum Leidwesen der unterfränkischen Winzer. "Fast ein Drittel meines Weinbergs haben die Rehe dieses Jahr abgegrast", sagt Martin Göbel vom gleichnamigen Weingut in Randersacker (Lkr. Würzburg). In den vergangenen Jahren seien die Wildschäden für ihn immer mehr zum Problem geworden: "Dadurch entstehen mehrere Tausend Euro Schaden."

Wildschweine und Rehe bedrohen die Ernte

Kein Einzelfall, sagt Hermann Schmitt, Geschäftsführer des Fränkischen Weinbauverbands:
"Wildschäden machen mittlerweile vielen Winzern zu schaffen." Das läge vor allem daran, dass sich die Tiere in Unterfranken stark vermehrt haben. Wildschweine verursachen laut Schmitt besonders in der Region "Churfranken", rund um Klingenberg (Lkr. Miltenberg) und nördlich von Würzburg Probleme. Sie fressen nicht nur die Trauben, sondern pflügen auf der Suche nach Insektenlarven und Würmern auch den Boden um. Der Winzer könne dann dort nicht mehr richtig mit seinen Maschinen fahren, so Schmitt: "Im schlimmsten Fall kann der Traktor umkippen, wenn er in eine Kuhle fährt."

Aber nicht nur das Schwarzwild ist für die Schäden verantwortlich. Die Ernte von Martin Göbel ist besonders durch die Rehe bedroht. Sie fressen im Frühjahr die jungen Triebe der Rebstöcke und später im Jahr die Trauben. Das falle besonders in schwachen Ertragsjahren ins Gewicht, sagt der Winzer. 

In Randersacker fühlen sich Rehe und andere Wildtiere besonders wohl, weil die Flächen rund um den Ort besonders klein strukturiert sind und es neben den einzelnen Weinbergen viele Hecken, Wiesen und Waldstücke gibt. "Außerdem ist in den Weinbergen selten jemand unterwegs. Das ist ein Paradies für Rehe", sagt der Winzer. Selbst spezielle Duftstoffe, die Tiere fernhalten sollen, wirken laut Göbel mittlerweile nicht mehr. Einige Methoden für einen nachhaltigeren Weinbau wie etwa Blühmischungen, die den Boden auflockern, ziehen Wildschweine zusätzlich an.

Abschusszahlen steigen seit Jahren

Michael Hein hat Verständnis für die Situation der Winzer. "Die Jäger tun aber schon alles, was sie tun können", sagt der Vorsitzende des Bayerischen Jagdverbands Würzburg. Seit 30 Jahren werde immer mehr Wild geschossen. Rund 20 000 Wildschweine waren es laut dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Unterfranken in diesem Jahr. Weinberge können laut Hein grundsätzlich bejagt werden: "Damit können wir den Schaden aber nur mindern." Asphaltierte Weinbergswege, steinerne Stützmauern und Stahlpfosten seien aber eine Gefahr, weil die Geschosse abprallen und zu Querschlägern werden können.

Grundsätzlich bekommen Landwirte für Wildschäden etwa in Mais- oder Getreidefeldern einen Schadensersatz. Den zahlt je nach vertraglicher Regelung entweder der zuständige Jäger oder die Jagdgenossenschaft. "In Randersacker übernehmen die Jagdpächter Kosten bis 400 Euro, den Rest zahlt die Genossenschaft", erklärt Jagdvorsteher Bernhard Schmitt. Sonderkulturen wie Wein oder Spargel klammert das Jagdgesetz jedoch aus. Winzer bleiben deshalb auf ihrem Schaden sitzen.

Winzer: Politik in der Verantwortung

Der Randersackerer Winzer Thomas Schenk will sich mit dieser Regelung nicht abfinden. Über 12 000 Euro koste ihn der Ertragsausfall jedes Jahr. Selbst mit einem Elektrozaun komme er nicht gegen die Wildschweine an, sagt Schenk. Auch wenn dem Winzer per Gesetz kein Ausgleich zusteht, hat er seinen Schaden bei der Gemeinde angezeigt: "Ich habe keine andere Chance, mich zu wehren." Ihm gehe es vor allem darum, mit seiner Anzeige Aufmerksamkeit auf die schwierige Situation der Winzer zu lenken. Auch an Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber wandte sich Schenk mit einem Schreiben, eine Antwort hat er noch nicht bekommen.

Wie Schenk sieht auch Göbel die Verantwortung bei der Politik. "Das ist ja quasi ein Schaden, der durch Dritte verursacht wird." Weder Jäger noch Jagdgenossenschaften sollten die Kosten übernehmen müssen, meint Göbel und wünscht sich stattdessen finanzielle Unterstützung aus der Staatskasse. Sein Winzerkollege Schenk fordert außerdem die Anpassung der Jagdmethoden. "Die Jäger sind zum Teil rechtlich stark gebunden", sagt Schenk und verweist beispielsweise auf Nachtsichttechnik, die nur mit Ausnahmegenehmigung erlaubt ist. Ob solche Methoden angewendet werden sollen, darüber sind bisher jedoch auch Jäger uneins.

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