Würzburg

Winter-Dürre: Feuerwehren und Förster vor ernsten Problemen

Die Trockenheit macht Unterfranken heuer auch im Winter zu schaffen: Förster können keine Waldbäume pflanzen, Feuerwehren finden trockene Löschteiche vor.  Foto: Foto Karl-Josef Hildenbrand/dpa 

Der Waldboden im südlichen Landkreis Würzburg ist in diesem November staubtrocken. Eine Winter-Dürre in diesem Ausmaß, so erzählt Förster Manfred Rüb vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Würzburg, habe es in den 34 Jahren seiner Amtszeit noch nicht gegeben. Rüb ist für das Revier Bieberehren zuständig, dazu gehören auch Kommunen wie Aub, Bütthard oder Gelchsheim. Dort schauen Experten und Bürger gleichermaßen besorgt auf die durch monatelange Trockenheit bereits sichtbar geschädigten Bäume - und gen Himmel.

"Wenn es nicht bald ergiebig regnet, bekommen noch viel mehr Waldbäume Probleme. Zur Zeit ist vor allem die Fichte betroffen, aber auch für Buchen wird es schwer", sagt Rüb. Dazu kommt: Neuanpflanzungen, wie um diese Jahreszeit üblich, sind heuer nicht möglich. Wenn sich der Niederschlag also weiterhin nur millimeterweise auf die Wälder senke, könnte es ein böses Frühlingserwachen geben. "Wir müssen alle Pflanzaktionen verschieben, es geht gar nichts", klagt Rüb. Wenn der Forstexperte im Waldboden kratzt, stößt er auf eine gerade mal fünf Zentimeter feuchte Oberschicht, darunter ist der Boden staubtrocken. In 30 bis 50 Zentimeter Tiefe müssten die Pflanzen eingesetzt werden. Normalerweise kein Problem. Es ist schließlich November!  

2000 Waldbäume können nicht gepflanzt werden

Auch der für kommenden Samstag, 1. Dezember, vom Verein Bergwaldprojekt Würzburg geplante Freiwilligen-Einsatz zur Unterstützung des ökologischen Waldumbaus in Röttingen im Landkreis Würzburg kann nicht stattfinden, wie geplant. Eigentlich sollten 2000 standortheimische Laubbäume wie Wildkirsche oder Speierling gepflanzt werden. Die Ehrenamtlichen werden nun lediglich in besonders nassen Bereichen einige Bäume pflanzen können.

„Der Sommer hat nicht nur in Mainfranken gezeigt, welche Auswirkungen der Klimawandel auf unsere Umwelt, Tiere und Menschen hat – es ist Zeit, dass wir etwas tun", sagt Stephen Wehner, Geschäftsführer des Bergwaldprojektes, das deutschlandweit Freiwilligen-Einsatzwochen mit jährlich über 2000 Teilnehmern durchführt. Zwar haben in den letzten Jahren die Winterniederschläge zugenommen, doch konnte in Unterfranken seit 2015 kein neues Grundwasser mehr gebildet werden. Jetzt treiben ausgetrocknete Löschteiche die Feuerwehren um, stellenweise führen kleine Flüsse kein Wasser. In Mellrichstadt im Landkreis Rhön-Grabfeldhatte das vor wenigen Tagen in einem Biotop verheerende Folgen: Fast alle Fische und Flusskrebse sind im Schlamm verendet. Auch im Landkreis Schweinfurt sind einige vom Grundwasser gespeiste Quellen schon versiegt. 

"Wir müssen uns angesichts des Klimawandels entsprechend aufstellen" 
Holger Strunk, Kreisbrandmeister Landkreis Schweinfurt 

„Wir müssen uns entsprechend aufstellen“, sagt Kreisbrandrat Holger Strunk, der oberste Feuerwehrmann im Landkreis Schweinfurt. Zur Zeit ist es verboten, dass Feuerwehren zu Übungszwecken Wasser aus Bächen entnehmen. Ist der Brandschutz in Dörfern und Kommunen noch gewährleistet? All das wird Landratsämter und Kommunen in ganz Unterfranken jetzt beschäftigen. 

Auch Auswirkungen der Trockenheit auf die Binnenschiffahrt, zeigen sich dieser Tage. Zwar können die Schiffer auf dem Main in Unterfranken durch die Staustufen-Technik keinen zu niedrigen Wasserpegel beklagen, doch beim Verlassen des Mains müssen sie das Gewicht an die niedrigen Pegelstände von Rhein oder Donau anpassen. „Teile der Ladung müssen zur Zeit im Hafen in Regensburg auf dem Kai abgeladen werden“, sagt Helko Fröhner vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Schweinfurt auf Anfrage. Die Trockenheits-Misere auf den Flüssen trifft die Wirtschaft hart - und hat die Bürger bereits erreicht. „Die Dieselpreise sind immens gestiegen. Wenn statt 3000 Tonnen nur 500 transportiert werden können, hat das Auswirkungen.“ Im Süden Deutschlands ist es zu Engpässen an Tankstellen gekommen. 8000 Schiffe passieren die 384 Kilometer lange Main-Strecke im Jahr. 

Trockenes Großostheim: Nur 234 Liter im ganzen Jahr 

Dass Unterfranken ganz vorne dabei ist, wenn es um Superlative beim Wetter geht, bestätigt Uwe Zimmermann vom Deutschen Wetterdienst. Er hat Großostheim im Landkreis Aschaffenburg als ein Rekordhalter punkto Trockenheit ausgemacht: Und zwar mit 234 Liter Niederschlag im ganzen bisherigen Jahr. "Das ist extrem wenig. München hatte beispielsweise um die 800 Liter", so Zimmermann. 2018 könnte als trockenste Jahr in die Geschichte der Region  eingehen.       

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