WÜRZBURG

„Wir sind nicht die Bühne der Welt“

Gar nicht „amused“ ist man im Vorstand der Würzburg AG über die Art und Weise wie jetzt die Diskussion über den umstrittenen Werbeslogan „Würzburg – Provinz auf Weltniveau“ neu entfacht wurde. Der Spruch war im vergangenen Jahr von der Würzburg AG öffentlich gemacht worden und hat seither eine hitzige Debatte entfacht.
Dieter SchneiderTHOMAS OBERMEIER
Dieter SchneiderTHOMAS OBERMEIER Foto: FOTO

Wie berichtet, hatte die Würzburger Wirtschaftssozietät BFP (Bruno Fraas und Partner) vor einer Woche Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Tourismus und Gastronomie zu einem Meinungsaustausch über die Werbekampagne eingeladen. Daran nahmen auch der Vorstand der Würzburg AG, Klaus Walther, und Aufsichtsratsmitglied Dieter Schneider teil. Beide bedauern nun, dass die Ergebnisse des Treffens von BFP „einseitig dargestellt“ worden seien (wir berichteten am Samstag).

In der Diskussion seien viele weitere interessante Aspekte angesprochen worden. Das habe dazu geführt, dass einzelne Teilnehmer, die vorher noch gegen den Slogan waren, diesen schließlich sogar unterstützten, so Walther und Schneider im Gespräch mit dieser Zeitung.

Dieter Schneider, der die Werbeagentur buena la vista leitet und den Slogan mitentwickelte, dass der Slogan auch nicht erklärungsbedürftig sei, wie BFP kritisierte. Dass man den Spruch kommentieren oder über ihn diskutieren könne, räumt Schneider ein. In der aktuellen Debatte werde aber Diskussion mit Erklärung verwechselt. Im übrigen müsse die Aussage „Provinz auf Weltniveau“ auch im Zusammenhang mit den begleitenden Bildmotiven gesehen werden. Das geschehe viel zu selten, sagt Schneider, und gibt selbstkritisch zu, dass man dies vielleicht bislang zu wenig kommuniziert habe. „Hier wird nur über den Begriff Provinz gesprochen, niemand macht sich die Mühe, das Konzept genau anzuschauen“, bedauert Schneider. Würzburg brauche aber eine Konzept, das könne sowohl ein Slogan als auch Bild sein, um im Wettbewerb gegen die Metropolregionen bestehen zu können. Und Klaus Walther fügt hinzu: „Wir müssen zur Kenntnis genommen werden.“ Ein solches Markenzeichen funktioniere aber nur dann, „wenn es Schärfe und Kanten hat“, ergänzt Schneider.

Würzburg befinde sich nun einmal zwischen den Polen „Weltniveau“ und „Provinz“, wobei letzterer nicht zwingend negativ besetzt sei: „Hier fühlen sich aber viele von dem Begriff Provinz be- und getroffen“, hat Schneider festgestellt, man will nicht nach außen als Provinz dastehen. obwohl man es ist.“ „Wir sind nicht die Bühne der Welt, insofern ist der Spruch ehrlich und authentisch“, ergänzt Walther.

Der nächste Schritt

Schon bald soll die Problemstellung von „Würzburg – Provinz auf Weltniveau“ auf einer neuen Interplattform veröffentlich werden. Hier tummeln sich im weltweiten Netz etwa 2500 Kreative, die dann weitere Vorschläge und Ergänzungen machen können, die dann innerhalb der Netz-Community diskutiert werden. Am Ende wird über den besten Entwurf abgestimmt. Dann kann man in Würzburg entscheiden, ob und wenn ja welche Bestandteile man ankaufen möchte, erklärt Dieter Schneider. Diese Vorgehensweise hat zuletzt schon prominente Kunden wie Greenpeace oder die Bahn AG angelockt. Auch der Entwurf für ein Wahlkampflogo des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier, kam auf diese Weise zustande.

„Ein Spruch wie 'Provinz auf Weltniveau' ist da ein Türöffner“ glaubt der Werbefachmann Schneider und erhofft sich viele zusätzliche interessante Anregungen.

Klaus WaltherFOTO STEFAN POMPETZKI
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