Würzburg/Schweinfurt

Wissen für die Mittagspause: Zehn Fakten zum Klimawandel

Was hat einer der ersten Klimaforscher mit Würzburg zu tun? Warum werden in Unterfranken die Folgen des Klimawandels drastischer ausfallen als andernorts? Zehn Fakten.
Das Bild ist vom Rücken eines Seeadlers aufgenommen, der über ehemalige Gletscherregionen in den Alpen fliegt. Dort sind die Auswirkungen des Klimawandels besonders drastisch zu sehen. 
Das Bild ist vom Rücken eines Seeadlers aufgenommen, der über ehemalige Gletscherregionen in den Alpen fliegt. Dort sind die Auswirkungen des Klimawandels besonders drastisch zu sehen.  Foto: Eagle Wings Foundation/Chopard/AP/dpa

1. Was ist der Klimawandel?

Spricht man von "dem Klimawandel", ist die von Menschen verursachte Erderwärmung seit Beginn der Industrialisierung gemeint. Mit ihr einher geht ein Anstieg der Durchschnittstemperatur auf der Erde und in den Meeren. Schuld daran ist die Anreicherung von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre, allen voran Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan und Lachgas, die weltweit vor allem durch fossile Brennstoffe, die Rodung der Wälder sowie Land- und Viehwirtschaft freigesetzt werden.

2. Warum gilt Unterfranken als "Hotspot des Klimawandels"?

Während sich die Erde seit Beginn der flächendeckenden Messungen im Jahr 1881 um 0,9 Grad erwärmt hat, sind es in Unterfranken im gleichen Zeitraum 2 Grad. Das ist mehr als doppelt so viel wie der globale Durchschnitt. Unterfranken hatte schon immer das wärmste und trockenste Klima Bayerns und stößt nun in Temperaturbereiche vor, die es bisher noch nicht in unseren Breiten gab.

3. Welche Folgen hat der Klimawandel?

Gletscher gehen zurück, Eisschilde schmelzen, der Meeresspiegel steigt, Ozeane übersäuern, das Artensterben schreitet voran, die Menschheit ist von Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen, Naturkatastrophen und der Ausbreitung von Krankheiten bedroht. In Unterfranken wird sich das Problem der Trockenheit weiter verschärfen. Klimaforscher Heiko Paeth von der Universität Würzburg rechnet bei ausbleibender Kehrtwende bis zum Ende des Jahrhunderts (2070 bis 2099) damit, dass sich in Unterfranken die Zahl der Hitzetage mit mindestens 30 Grad im Vergleich zum Zeitraum 1970 bis 1999 verfünffacht. Künftige Generationen könnten im Jahr 2100 bis zu 52 Hitzetage pro Jahr erleben.

4. Was hat einer der ersten Klimaforscher mit Würzburg zu tun?

Der Erste, der darüber nachdachte, dass die Industrialisierung den Strahlungshaushalt der Erde verändern könnte, war der schwedische Chemiker und Nobelpreisträger Svante Arrhenius, der 1886 einen Teil seiner Arbeit in Würzburg schrieb. 1896 sagte er eine globale Erwärmung aufgrund der anthropogenen Kohlendioxid-Emission voraus. In der Frühphase der Industrialisierung wurden seine Ideen allerdings  nicht ernst genommen. Er hatte nur wenige Daten, um seine Theorie zu belegen. Ende des 19. Jahrhunderts war es zudem extrem kalt. Erwärmung wurde nicht negativ gesehen.

5. Was ist der Unterschied zwischen Wetter und Klima?

Sonne, Regen, Wind, Schnee: Das Wetter wird tagesaktuell, das Klima langfristig gemessen. Spricht man vom Wetter, ist der kurzfristige Zustand der Atmosphäre zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort gemeint. Das Wetter innerhalb eines Zeitraums von zwei Wochen bezeichnen Meteorologen als Witterung. Von Klima ist die Rede, wenn Daten über einen längeren Zeitraum erhoben und miteinander verglichen werden. Aus vielen Einzelwerten wird ein  Mittelwert, das so genannte Klimamittel, errechnet. Ein Klimamittel muss mindestens 30 Jahre umfassen.

 

6. Woher stammen die Daten?

Der Deutsche Wetterdienst betreibt allein in Bayern 120 Klimastationen. Aus den dort gemessenen Daten entstehen regionale Klimamodelle mit einer Auflösung von bis zu einem Quadratkilometer.

7. Wann spricht man von Klimaveränderung?

Eine Klimaveränderung ist nicht anhand eines einzelnen Ereignisses, sondern anhand der Statistik erkennbar. Wenn sich aber innerhalb von 30 Jahren im Durchschnitt die Temperaturen erhöhen und die Niederschläge sinken, nehmen bestimmte Einzelereignisse wie Hitzetage oder Tropennächte zu.

8. Wie stellen Klimaforscher sicher, dass weltweit alle vom gleichen Thema reden?

Flächendeckende Messungen gibt es seit 1881. Damit aber alle vom gleichen Thema reden, hat die Weltorganisation für Meteorologie (WMO), einem Zusammenschluss der Wetterdienste von 193 Staaten als internationale klimatologische Referenzperiode die Jahre 1961 bis 1990 festgelegt. Zieht man die Durchschnittstemperatur eines Jahres vom Klimamittel dieser 30-jährigen Referenzperiode ab, entstehen Temperaturabweichungen nach unten oder oben. An dem Trend der Abweichungen erkennt man, dass die Temperaturen langfristig steigen.

9. Starkregen, Dürre, Hagel und Tornados: Wie können Forscher Umweltkatastrophen voraussagen?

Schwierig ist es, die Häufigkeit von Extremwetterereignissen für die nächsten Jahrzehnte statistisch zu berechnen. Denn, wie der Name schon sagt, sind diese extrem selten. Wissenschaftler müssen also über einen noch längeren Zeitraum Wetterdaten sammeln. Daher argumentieren Klimaforscher mit den Gesetzen der Physik: In einer Atmosphäre, die immer wärmer wird und in der dadurch auch mehr Wasser und mehr Energie zur Verfügung stehen, wird es zwangsläufig häufiger zu stärkeren Gewittern, Starkniederschlägen oder Hitzewellen kommen. Die Folgen sind Erdrutsche, Überschwemmungen, Ernteausfälle, knappes Grundwasser oder brütend heiße Innenstädte.

10. Klimawandel hat es auf der Erde schon immer gegeben, oder nicht?

Seit Entstehung der Erde vor 4,57 Milliarden Jahren gab es natürliche Klimaveränderungen, die teils so abrupt waren, dass es zum Massenaussterben kam. Auslöser war zum Beispiel die Eruption von Supervulkanen. Derzeit jedoch führt der menschliche Einfluss zur Erderwärmung. Ohne ihn würde sich der seit einigen Jahrtausenden herrschende Abkühlungstrend fortsetzen. Lag die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre vor der Industrialisierung noch bei 280 ppm (Millionstel), stieg sie bis 2015 auf über 400 ppm. Der enge Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und menschlichen Emissionen sowie ihren Einfluss auf das Klima ist von vielen Wissenschaftlern belegt. Dazu kommt: Der derzeitige Temperaturanstieg verläuft erheblich schneller als alle bekannten Erwärmungsphasen der Erdneuzeit seit 66 Millionen Jahren.

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