WÜRZBURG

Wo die Mitarbeiter den Marsch blasen

Den richtigen Ton zu treffen, ist nicht nur in der Musik wichtig. Viele Unternehmen setzen auf firmeneigene Musikgruppen, um den taktvollen Umgang in der Belegschaft zu unterstützen. Wie zahlt sich das für die Firmen aus? Und was motiviert Mitarbeiter dazu, sich für ihr Unternehmen zu engagieren?

So geht bei XXXL der Punk ab

Nicht nur Fernsehshows suchen nach Deutschlands besten Sängern, um neue Musikgruppen zu gründen. Die Möbelhäuser der „XXXL Lutz“-Gruppe veranstalteten im Sommer ein Casting, in dem das Unternehmen die begabtesten Mitarbeiter für eine firmeneigene Band auswählen wollte. Die Idee dazu kam Mitarbeitern auf einem Firmenevent, auf dem externe Musiker spielten. „Musik ist Teamplay und Lebensfreude, sie weckt Begeisterung und Motivation. Deshalb haben wir die Idee aus der Belegschaft sehr gerne aufgegriffen und unterstützen sie nach Kräften“, erklärt der Geschäftsführer Alois Kobler in einer Pressemitteilung.

Auch Peter Maffay redet ein Wort mit

Von den rund 10 500 Beschäftigten aller deutschen Standorte nahmen 25 Musiker an dem Wettbewerb teil. Peter Maffay und drei weitere Jurymitglieder bewerteten die Auftritte der Kandidaten und stellte aus den besten fünf Musikern die „XXXL Lutz-Band“ zusammen. Auf der Begrüßungsfeier für die neuen Auszubildenden feierte die Band Anfang September ihre Premiere. „Wir werden vor allem Rock- und Partymusik spielen. Alles außer Schlager“, sagt Thomas Denninger. Die Band befinde sich noch in der Findungsphase. Der Keyboarder hat es in die Band geschafft und arbeitet in der Fuhrparkverwaltung des Würzburger Möbelhauses.

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Wenn Unternehmen musizieren: Zu Gast bei der Birdland-Probe - Die Band Birdland des Vogel Verlages (Würzburg) spielt in ihrem Proberaum das Lied Mustang Sally von Wilson Pickett. Birdland ist ein Beispiel dafür, dass in mainfränkischen Unternehmen Musik in Form von Firmenbands oder Werkschören eine besondere Rolle spielt.

Was bei XXXL die Band bringt

„Die Mitarbeiter identifizieren sich viel besser mit den Musikern, wenn Kollegen auf der Bühne stehen“, so Julian Viering, Pressesprecher des XXXL-Hauses Neubert in Würzburg. Auch erste Ideen für einen eigenen Firmensong gebe es. Schon bald will die Band eine CD aufnehmen, deren Erlös einem guten Zweck gespendet wird. Von der „XXXL Lutz-Band“ als Maßnahme für Corporate Social Responsibility (CSR), also als Beitrag zur sozialen Verantwortung des Unternehmens, will Viering jedoch nicht sprechen.

Im Vordergrund stehe vielmehr der Spaß der Mitarbeiter an der jüngst gegründeten Band.

Bosch Rexroth: Orchester hat eine lange Geschichte

Auf eine längere Geschichte kann das Werksorchester von Bosch Rexroth in Lohr zurückblicken. Es wurde im Jahr 1936 als Streichorchester gegründet und feierte somit im vergangenen Jahr 80-jähriges Bestehen. Inzwischen geben in dem Ensemble die Blasinstrumente den Ton an. Das Repertoire der 25 Bläser umfasst neben klassischen Liedern für Konzerte auch traditionelle Marschmusik und Unterhaltungsmusik. Neben internen Feierlichkeiten wie Jubiläen oder den Weihnachtsfeiern tritt das Orchester auch auf Stadtfesten und Weihnachtsmärkten auf. Dafür proben die Musiker wöchentlich in der Kantine des Werks „Zum Eisengießer“ in Lohr.

Die Firma stellt die Uniformen

Neben der Räumlichkeit für die Proben stellt Bosch Rexroth auch Uniformen für die Musiker zur Verfügung.

„Die Mitglieder des Werksorchesters engagieren sich aus Spaß an der Musik und weil sie das Unternehmen musikalisch in der Öffentlichkeit vertreten möchten“, erklärt Nicole von Killisch-Horn, Pressesprecherin des Herstellers von Automatisierungstechnik. Die Mitarbeiter werden zu Botschaftern ihres Unternehmens. „Im Personalmanagement bezeichnet man solche strategischen Maßnahmen als Employer Branding, durch das sich ein Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber auf dem Arbeitsmarkt positioniert“, erläutert Daniel Dietz, Diplom-Handelslehrer an der Universität Würzburg. „Gleichzeitig führen solche Angebote aber auch zur Bindung der bestehenden Belegschaft, wenn sich das Betriebsklima dadurch verbessert und sich die Mitarbeiter wohler fühlen.“

Es gibt mehrere Gründe für die Musik

Doch das ist für Unternehmen nicht der einzige Grund, die Musikalität ihrer Mitarbeiter zu unterstützen. „Musizieren fördert die Teamentwicklung und die Kommunikation innerhalb von Gruppen“, meint Tobias Hoffmann. Der Musiksoziologe aus Frankfurt ist der Gründer von „Develoopment“ und veranstaltet Workshops, in denen er Musik zur Teamentwicklung in Unternehmen einsetzt.

Zu seinen Kunden gehörten unter anderem die Deutsche Post, die Bayer AG und Telefónica. „Wer gemeinsam Musik macht, löst Probleme auf kreative Weise. Wenn die Musiker danach auch im Arbeitsalltag als Kollegen besser zusammenspielen, hat das einen positiven Einfluss auf die Atmosphäre im Unternehmen.“

So handhabt es der Vogel Verlag

Die Band „Birdland“ des Medienhauses Vogel Business Media mit Sitz in Würzburg gründete sich vor neun Jahren. Durch dieses und ähnliche Projekte, die die sportlichen oder künstlerischen Neigungen der Mitarbeiter fördern, wollte die damalige Geschäftsführung einen Wandel der Unternehmenskultur anregen. „Durch solche Angebote ist aus dem steifen Fachverlag ein lockereres Unternehmen geworden, das auch mal Spaß haben kann. Gerade in der Medienbrache vor dem Hintergrund der Digitalisierung ist diese Lockerheit wichtig“, sagt Gunther Schunk, Bassist der Band und Pressesprecher des auch als Vogel Verlag bekannten Medienhauses.

Es wird schon für die Weihnachtsfeier geprobt

Auftritte hat „Birdland“ vor allem auf firmeneigenen Veranstaltungen. Mitte Oktober probte die Band zum ersten Mal für die Weihnachtsfeier. Bis dahin werden die Vogelianer noch etwa fünf Abende ihre Freizeit gemeinsam verbringen, um die „Rock 'n' Roll“-Songs einzuüben. Im Proberaum wird aus dem Geschäftsführer ein Trompeter und aus einem Azubi der Gitarrist. Die Marketingfrau wird zur Sängerin, aus einem Redaktionskollegen wird der Schlagzeuger. Wie in vielen firmeneigenen Bands vereint sie das wirtschaftliche und musikalische Ziel, beim Jahresabschluss möglichst gut dazustehen.

Wie der Stellenwert der Musik im Alltag ist

Der Stellenwert von Musik im Firmenalltag schlägt sich auf unterschiedliche Weise in den Büchern der Unternehmen nieder. So gibt Vogel rund 700 Euro pro Jahr für die Band aus – zum Beispiel für die Miete der Beschallungsanlage und Pizzaessen mit der Band. Von Bosch-Rexroth war zu hören, dass sich die Unterstützung der Musiker in Geld nicht beziffern lasse. XXXL-Lutz hat kein festes Budget und noch keine Zahlen, weil die Band dafür noch zu jung sei. Aber man wolle die Gage, die eine externe Band gekostet hätte und durch das hauseigene Ensemble gespart wird, wohltätigen Zwecken spenden.

 

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