Würzburg

Wo kommen die "Freunde der Ostkirche" künftig unter?

Die römisch-katholische Gemeinde sucht neue Räume. Die sind nicht leicht zu finden, denn die Gemeinde braucht Platz für ihre traditionelle Bilderwand, die Ikonostase.
Hoffen auf eine neue Herberge: Pfarrer Klaus Oehrlein (rechts) und Norbert Kandler, Diakon der Personalgemeinde "Freunde der Ostkirche", stehen an der Jesus-Ikone. Im Hintergrund ist die Bilderwand, die Ikonostase mit einer Tür zu sehen. Foto: Jörg Rieger

In der Weihnachtsgeschichte des Lukas-Evangeliums heißt es: "Maria wickelte Jesus in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war." Kurz vor dem diesjährigen Heiligabend ist auch Norbert Kandler auf einer ähnlich verzweifelten Suche nach einem Platz für seine Personalgemeinde, die "Freunde der Ostkirche". Ihre Gläubigen sind römisch-katholisch; die Liturgie feiern sie im byzantinischen Ritus.

Kandler ist ihr Diakon. Gemeinsam mit dem birituell zelebrierenden Pfarrer Klaus Oehrlein, der sonst in St. Josef in Grombühl wirkt, sitzt er in der byzantinischen Kapelle mitten in der Würzburger Innenstadt. Am nahen Dominikanerplatz pulsiert das vorweihnachtliche Treiben, in der Kapelle im dritten Stock ist es dagegen still. "Zum Jahreswechsel müssen wir diese Räumlichkeiten verlassen", sagt Kandler. "Doch wir haben noch immer keinen festen Platz in Aussicht."

Räumlichkeiten sollen privat vermietet werden

Das moderne Gebäude am Grabenberg gehört den Augustinern. Seit 1946 ist die "Catholica Unio", die es durch einen Beschluss der Bischofskonferenz aus dem Jahr 2017 nicht mehr gibt, im oder in der Nähe des Augustinerklosters beheimatet. Würzburg war seit jeher eine Herzkammer dieser mit Rom unierten Gemeinschaft. "Jetzt hat man offenbar kein Interesse mehr an uns", konstatiert Kandler.

Die Räumlichkeiten, in denen die Kapelle 2004 eingeweiht worden ist, sollen privat vermietet werden. "Das steht schon seit zweieinhalb Jahren im Raum", berichtet Kandler. Bis Ende 2017 hat die Finanzkammer des bischöflichen Ordinariats die Miete übernommen, danach hielt man sich mit einer Spende über Wasser, die nun aufgebraucht ist. Die "Freunde der Ostkirche" vermissen jetzt den Rückhalt der Diözese. Schon im Mai haben sich Kandler und Pfarrer Oehrlein in ihrer Verzweiflung mit einem Brief an Bischof Franz Jung gewandt.

Die Freunde der Ostkirche nach der Vesper am Heiligen St. Nikolaustag (6. Dezember). Nach der Weihnachtsmesse müssen sie ihre byzantinische Kapelle am Grabenberg zusperren. Foto: Rita heeg

Dann hörten sie erst einmal nichts, bis sie vor kurzem auf Nachfrage eine Antwort erhielten – vom Liturgiereferenten Stephan Steger. In dem Schreiben heißt es unter anderem: "Ein eigener neuer und zusätzlicher Kirchenraum als Ersatz für die Kapelle am Grabenberg ist nicht in Sicht." Damit wollen sich Oehrlein und Kandler nicht zufriedengeben. Eine Herberge auf Zeit – so wie sie der Heiligen Familie im Lukas-Evangelium verwehrt geblieben ist – würden die "Freunde der Ostkirche" zwar bekommen. "Wir suchen aber eine dauerhafte Bleibe", unterstreicht Kandler.

Bisher nur Zwischenlösung gefunden

Für die Ikonostase – einer Bilderwand aus Holz mit Türen – bräuchte es allerdings einen gewissen Platz. Sie gehört zur Tradition der Ostkirchen. "Ich habe mir die Hacken abgelaufen – und mit rund 20 Pfarreien und kirchlichen Stellen Kontakt aufgenommen", erzählt Kandler. Weil der Auszug nun unmittelbar bevorsteht, will man sich mit Gottesräumen in der großen Grombühler Josefskirche, der Heimat von Pfarrer Oehrlein, behelfen. Das sei aber keine Dauerlösung, weil man dort immer wieder umräumen müsse und nur einen kleineren Teil der jetzigen Einrichtung aufstellen könne, so Kandler.

Zwischen 25 und 50 Gläubige wohnen den Messen im byzantinischen Ritus in der Regel bei. Am 26. Dezember, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, wird um 10.30 Uhr letztmals ein Gottesdienst in der Kapelle am Grabenberg gefeiert. Dann wird Diakon Kandler die Türe zusperren – und wohl immer noch nicht wissen, wo seine Personalgemeinde künftig ihren dauerhaften Platz findet. Sicher ist er sich nur in einem: "Wir werden auch künftig gebraucht – für unsere Gläubigen, aber auch als Ansprechpartner für viele Migranten, die den Ostkirchen nahestehen."

Die Ostkirche
In Würzburg gibt es seit fast 100 Jahren einen päpstlichen Auftrag, katholische Gottesdienste in der Tradition der byzantinischen Kirchen des Ostens zu feiern. Seit 1946 lag die Pflege des 1924 ins Leben gerufenen päpstlichen Werkes "Catholica Unio" für Deutschland in den Händen der Würzburger Augustiner. Die Altbischöfe Josef Stangl und Paul-Werner Scheele fungierten als Nationalpräsidenten. Seit dieser Zeit gibt es auch einen Lehrstuhl für Ostkirchenkunde und ein Ostkirchliches Institut zur wissenschaftlichen Erforschung der östlichen Traditionen. Den Gläubigen sollen die Vielfalt und der Reichtum der Theologie und der Frömmigkeit durch Vorträge und vor allem durch die Feier der byzantinischen Liturgie nähergebracht werden.

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