Würzburg

Würzburg: Angemessener Erinnerungsort für Hexenverfolgung gesucht

Wie geht es weiter mit einem geplanten Mahnmal als Erinnerungsort für die Hexenverfolgung in Würzburg? Darüber hat kürzlich (mal wieder) der Stadtrat beraten. Foto: Johannes Kiefer

Der Stadtrat tut sich nach wie vor schwer, eine geeignete Form des Gedenkens an die Würzburger Hexenverfolgungen im 17. Jahrhundert zu finden. Ein entsprechender Antrag der ehemaligen SPD-Stadträtin Laura Wallner stammt bereits aus dem November 2014, ein Ergebnis gibt es fünf Jahre später noch nicht. In seiner jüngsten Sitzung hat der Stadtrat jetzt mit großer Mehrheit beschlossen, "eine angemessene Form der Erinnerung" zu suchen.

Keine belastbaren Belege

Im ursprünglichen Antrag der SPD-Fraktion ging es um ein Denkmal am Unteren Markt, weil dort in den 1970er Jahren bei den Bauarbeiten für de Marktgarage Spuren von Scheiterhaufen gefunden worden sein sollen – dafür gibt es laut Stadtarchiv aber keine belastbaren Belege. Das Anliegen wurde in den vergangenen Jahren mehrmals weiterverfolgt, bisher trotz eines Grundsatzbeschlusses vom Mai 2016 zur Errichtung eines Erinnerungsortes allerdings ohne konkretes Ergebnis. In seiner Sitzung vom 21. Oktober konnte sich der Kultur- und Schulausschuss nicht einmal darauf einigen, ob das Gedenken in Form eines Denkmals oder einer Gedenkplakette erfolgen soll – beide Vorschläge wurden mit knapper Mehrheit abgelehnt.

Bereich rund um den "Hexenturm"

Auch über den Standort herrscht bisher keine Einigkeit: Die SPD bevorzugt weiter den Unteren Markt, wie Lore Koerber-Becker im Stadtrat betonte. In Frage kommen aber auch der Sanderrasen, der Schottenanger oder der Galgenberg – dort wurden Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Nach einer längeren Diskussion wurde das Kulturreferat jetzt beauftragt, den Bereich rund um den so genannten "Hexenturm" am Geschwister-Scholl-Platz vorrangig zu berücksichtigen.

Dieser Standort, der auch vom Kulturbeirat und vom "Runden Tisch Erinnerungskultur" bevorzugt wird, bietet sich nach einem aktuellen Gutachten des Stadtarchivs an, weil dort Beschuldigte in Untersuchungshaft saßen. Wie der Erinnerungsort genau aussehen soll, ist aber weiter offen: "Es wird eine angemessen Form der Erinnerung gesucht", heißt es im Beschluss des Stadtrats, zusätzlich ist von einem "künstlerischen Mahnmal" die Rede. Ergänzt werden soll es mit Erläuterungen zum historischen Kontext.

Konkrete Vorschläge

Nach Schätzungen des Kulturreferats würde ein Künstler-Wettbewerb und das daraus hervorgehende Sieger-Denkmal insgesamt etwa 170 000 Euro kosten. Das ist unter anderem der CSU zu viel, die sich deshalb für eine Gedenkplakette ausgesprochen hat. Konkrete Vorschläge für die Gestaltung eines Mahnmals hat Anfang des Jahres ein P-Seminar des Röntgen-Gymnasiums erarbeitet.

Auf Anregung von Thomas Schmitt aus der CSU-Fraktion wurde die Verwaltung außerdem beauftragt, in Gesprächen mit der katholischen Kirche und der Universität auszuloten, ob ein gemeinsamer Erinnerungsort möglich ist. Der Hexenturm gehört dem Freistaat Bayern, dort sind die Abteilungen Finanzen und Rechnungsprüfung der Uni Würzburg untergebracht. Ihre juristische Fakultät war durch die Erstellung von Gutachten an der Hexenverfolgung beteiligt, die ihre Hochzeit in Würzburg Anfang des 17. Jahrhunderts während der Regentschaft der drei katholischen Fürstbischöfe Julius Echter von Mespelbrunn, Johann Gottfried von Aschhausen und Philipp Adolph von Ehrenberg hatte.

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