Würzburg

Würzburg: Kinder über Jahre missbraucht?

Großeinsatz in Würzburg: 50 Polizisten nahmen zwei Mitarbeiter einer Kita fest, die im Verdacht stehen, kinderpornografisches Material zu verbreitet zu haben.
In diesem Gebäude am Heuchelhof in Würzburg befindet sich die Kindertagesstätte, in der die Verdächtigen gearbeitet haben. Foto: Daniel Peter

Wenn die Vorwürfe zutreffen sollten, haben zahlreiche schutzbedürftige Kinder in Würzburg über Jahre hinweg ein Martyrium erlitten. Die Polizei nahm in der Nacht auf Donnerstag zwei verdächtige Männer fest. Das zusammenlebende Paar steht unter Verdacht, kleine Jungs im Kindergartenalter zum Objekt ihrer Neigungen gemacht zu haben: Sie sollen kinderpornografische Fotos und Videos hergestellt und über das Darknet verbreitet haben, einem schwer kontrollierbaren Teil des Internets.

Beide Männer sind Mitarbeiter einer evangelischen Kindertagesstätte am Würzburger Heuchelhof. „Konkrete Hinweise, dass tatsächlich Kinder dieser Kita betroffen sind, liegen bislang nicht vor“, sagte Christian Schorr, Oberstaatsanwalt von der Zentralstelle Cybercrime in Bamberg. „Wir gehen davon aus, dass es ein Geschehen ist, dass sich über mehrere Jahre hingezogen hat.“

Am Donnerstagnachmittag wurde einer der Männer wieder auf freien Fuß gesetzt, weil sich der Tatverdacht nicht erhärtet habe. Gegen seinen Lebenspartner wurde jedoch Haftbefehl beantragt, er sitzt in Untersuchungshaft. Nach Informationen dieser Redaktion hat das Paar selbst zwei Pflegekinder, die nun „in Obhut“ gebracht wurden, wie Oberstaatsanwalt Schorr bestätigte.

50 Beamte bei Razzia in Würzburg im Einsatz

Die Ermittler waren in der Dunkelheit gekommen, um die Verdächtigen auf frischer Tat zu ertappen. Einer der beiden Männer soll gerade am Computer gesessen haben, als gegen 21.45 Uhr die Wohnungstür krachend aufflog. Spezialisten des Sondereinsatzkommandos griffen zu, ehe Beweise gelöscht werden konnten. Rund 50 Beamte sollen bis 2 Uhr morgens zehn Wohnungen, Büros sowie die Kindertagesstätte in Würzburg durchsucht haben. 

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Es soll eine dreistellige Zahl von Foto- und Videoaufnahmen sichergestellt worden sein. Darauf sollen „tatsächlich sexuelle Handlungen“ zu sehen sein, wie Schorr sagte. Es sei aber noch offen, wie viele Kinder betroffen seien. Der Verdacht war offenbar bei einem anderen Ermittlungsverfahren zur Verbreitung von Kinderpornografie aufgekommen. Dafür spricht, dass an der Durchsuchung in Würzburg nicht nur Beamte des Bundeskriminalamtes teilnahmen, sondern auch drei Kriminalbeamte der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta (Niedersachsen). Dort läuft aktuell ein Verfahren wegen des Verdachts der Verbreitung von Kinderpornographie. Eine Spur soll dabei nach Würzburg geführt haben.

Kinderpornografie: Spur führt nach Würzburg

Die Kita, die in Würzburg seit Jahren als Vorzeige-Einrichtung gilt, wurde offiziellen Angaben zufolge durchsucht, weil die Tatverdächtigen „einen Bezug“ zu der Kita haben, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei Unterfranken und der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg. Der Verdächtige, der wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, hatte in der Kita sogar eine leitende Funktion.

Sowohl die Leiterin der Kita, als auch der Träger, die Evangelische Gethsemanegemeinde Würzburg, äußerten sich auf Anfrage nicht. Dafür bezog Dekanin Edda Weise in einer Pressemitteilung Stellung. Sie sei „sehr bestürzt“, alle Verantwortlichen würden eng mit der Polizei und den Behörden zusammenarbeiten. „Die polizeilichen Ermittlungen richten sich nicht gegen die Einrichtung, daher bleibt die Kindertagesstätte geöffnet.“ Unter anderem ein Pfarrer sowie Notfallseelsorger führten Gespräche mit Eltern und Mitarbeitern.

Polizei hat Hotline für Hinweise eingerichtet

In der Kita waren Eltern entsetzt nach Bekanntwerden der Ermittlung am Donnerstag. Manche wollten sofort ihre Kinder aus der Einrichtung holen. Andere suchten Rat bei fachlich versierten Mitarbeitern der Polizei, die vor Ort Ansprechpartner waren. Diese Redaktion hat sich bewusst dafür entschieden, aus Rücksicht auf die möglichen Opfer noch nicht mit Angehörigen zu sprechen.

Für die Eltern plante die Polizei zunächst eine eigene Informationsveranstaltung. Auch der zuständige Pfarrer und die Notfallseelsorge sind im Einsatz. Die Kriminalpolizei Würzburg hat für Hinweise aus der Bevölkerung eine Hotline eingerichtet. Diese ist unter 0800/7733744 von 8 bis 22 Uhr zu erreichen.

Unsere Kollegen recherchieren weiter. Dieser Artikel wird fortwährend aktualisiert.

Anmerkung der Redaktion: Die Redaktion der Main-Post hat sich dagegen entschieden, den Namen der Kindertagesstätte in der Online-Berichterstattung zu nennen. Nach derzeitigem Stand richten sich die Ermittlungen nicht gegen die Kita, eine Nennung würde die Belastung der Mitarbeiter, Eltern und Kinder erheblich intensivieren. 

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