WÜRZBURG

Würzburg & Weltmarkt: Hensel brachte Licht auf die Bühne

Die Würzburger Firma Hensel fertigt Blitz- und Dauerlichtsysteme. Geschäftsführer Guido Puttkammer geht immer mit der Zeit.
Die Würzburger Firma Hensel fertigt Blitz- und Dauerlichtsysteme. Geschäftsführer Guido Puttkammer geht immer mit der Zeit. Foto: Thomas Obermeier

Die Anfänge des Unternehmens sind fast zu schön, um wahr zu sein. In Kurzform: Der Sachse Wolfgang Hensel zieht als Puppenspieler anspruchsvoller Stücke durch die Lande und flieht wegen angedrohter Repressionen aufgrund manch flapsiger Äußerungen seiner Figuren gegen das DDR-Regime noch vor dem Mauerbau in den Westen. Leider muss er seine Rolle als Theaterprotagonist aufgeben, weil der Zuschauerstrom versiegt.

Doch schon hat Hensel die nächste Geschäftsidee im Kopf. Für Bühnen aller Art braucht es Lichttechnik. Mit dieser können auch er und seine Figuren ins rechte Licht gerückt werden. Also gründet Hensel 1963 in Würzburg eine Firma, die genau diese Art Lichttechnik, aber auch andere Belichtungsarten vorhält und wird damit sehr erfolgreich. „Lichttechnik für die Bühne haben wir allerdings längst nicht mehr im Angebot. Das würde sich aufgrund der chinesischen Billigkonkurrenz nicht rechnen“, sagt Guido Puttkammer, einer der beiden heutigen Hensel-Geschäftsführer: „Aber sonst machen wir fast alles, was mit technisch anspruchsvollem Blitz- und Dauerlicht zu tun hat.“

Blitzgeräte in jeder Größenordnung

Dazu zählen etwa Blitzgeräte jeder Größenordnung für den „kommerziellen Gebrauch“, wie sich der 53-Jährige ausdrückt. „Ich nenne unsere Zielgruppe in diesem Bereich bewusst nicht mehr professionelle Fotografen, weil es immer mehr Hobby-Quereinsteiger gibt.“

Puttkammer selbst, ein gebürtiger Hamburger, der erst vor wenigen Jahren von einem schwedischen Mitbewerber zu Hensel nach Würzburg gestoßen ist, kann sich für anspruchsvolle Fotografie begeistern. „Ich bin immer wieder erfreut, was die Kunden mit unseren Geräten für Aufnahmen zaubern.“ Dahinter stehen dann natürlich schon Profis, die sich die Technik bis zu 8000 Euro das Stück kosten lassen (los geht es bei 500 Euro).

Preis für den Erfindergeist

Fast schon ein Synonym für ein mobiles Blitzsystem, mit dem man auch am Strand oder in der Wildnis ein Shooting durchführen kann, ist der so genannte Porty aus dem Hause Hensel. „Wir haben 1995 den weltweit ersten professionellen Akku-Blitzgenerator auf den Markt gebracht“, sagt Puttkammer. Fast 25 Jahre später steht hinter ihm die neueste Innovation, der Prototyp eines Blitzgerätes, das ohne Leistungsverluste wahlweise mit Akku oder Strom aus der Steckdose betrieben werden kann. Das gebe es so noch nicht. Genau für diesen Erfindungsgeist hat die Firma aus dem Würzburger Gewerbegebiet Ost vor kurzem den renommierten Plus X Award erhalten.

Ein zweites Markenzeichen von Hensel ist die Produktion in Deutschland. „Entweder fertigen wir selbst bei uns im Haus oder beauftragen einen Zulieferer. Darunter ist ein Betrieb aus dem Erzgebirge, der praktisch nur für uns tätig ist“, so Puttkammer. Hensel bietet auch aufwendige Anlagen für 360-Grad-Aufnahmen an, mit der beispielsweise Autohersteller und deren Niederlassungen die fahrbaren Untersätze stehend in Szene setzen können. „Nur so ist es möglich, dass man sich bei einer Fahrzeugpräsentation im Internet einzelne Details wie den Scheinwerfer gestochen scharf unter einer Lupe ansehen kann.“ Vor kurzem habe man sogar eine große Fotovorrichtung zum Ablichten von LKW ausgeliefert.

Mit UV-Licht Lacke trocknen

Das sind nicht die einzigen industriellen Anwendungen der Hensel-Technik. „Mit dem Infrarot- und UV-Licht von Blitzen kann man unter anderem Lacke trocknen und Kratzer behandeln“, erklärt Puttkammer. Das sei ein stark wachsender Bereich, ganz anders als die klassische Fotografie. Diese sei rückläufig genauso wie der Kameramarkt als solches, „nicht zuletzt, weil die Smartphones immer mehr Bilder ausspucken und viele Kunden leider anspruchsloser werden“.

Puttkammer und sein Team haben die Zeichen der Zeit erkannt: Der Servicebereich wurde in den letzten Jahren stetig ausgebaut. „Es gibt nur ganz wenige Blitzgeräte, die wir nicht mehr reparieren oder aufrüsten können.“ Der Geschäftsführer präsentiert in den Firmenräumlichkeiten die Hensel-Geräte unterschiedlichster Generationen: Zum Teil sind sie deutlich größer und schwerer als eine Autobatterie. „Viele Fotografen hängen emotional an ihrer Ausstattung, gerade dann, wenn sie aus einer anderen Epoche stammen. Da kommt man dann auch mit ökonomischen Argumenten nicht mehr weit“, schmunzelt der Hanseat.

Alt und Jung profitieren voneinander

Gerade in solchen Fällen profitiert das Unternehmen davon, dass es viele ältere Arbeitnehmer beschäftigt. „Ihre Erfahrung ist unglaublich viel wert“, betont Puttkammer. Der älteste Kollege sei bereits über 70 Jahre, könnte also längst in Rente sein. Dennoch ist Nachwuchsgewinnung dem Betrieb genauso wichtig. Kürzlich wurde ein studierter Ingenieur mit Mitte 20 eingestellt. „Die Altersspanne ist sehr groß bei uns, was so gewollt ist“, sagt Puttkammer. Der Routinier könnte der Großvater des Jungspundes sein. Probleme gebe es deshalb nicht, so der gelernte Industriefotograf: „Im Gegenteil: Die Älteren freuen sich, wenn sie ihr Wissen an die Jüngeren weitergeben können.“

Auch wenn Würzburg beileibe nicht der Nabel der Fotografenwelt ist, so hat das in der Region eher unbekannte Unternehmen bundesweit und über die Grenzen hinaus einen sehr guten Ruf. Etwa 30 Prozent des Umsatzes macht der Blitzspezialist im Ausland.

Schon 1994 verkauft

In Händen der Familie Hensel ist das Unternehmen längst nicht mehr. Der Gründer verkaufte seine Firma schon 1994 an einen Immobilieninvestor aus St. Augustin bei Bonn. „Der Investor ist die freundlichste Heuschrecke, die ich kenne“, sagt Puttkammer. Zum einen sei er bis heute der Eigentümer. Zum anderen habe deren Vertreter Dirk Liesegang gemeinsam mit ihm die Geschäftsführung inne. Und Liesegangs Tochter arbeite auch im Unternehmen.

Der frühere Puppenspieler Hensel verstarb übrigens im Oktober 2012 kurz vor dem 50-jährigen Firmenjubiläum. Seine Frau lebt heute noch in Würzburg.

Das Unternehmen

Firma: Hensel-Visit GmbH & Co. KG

Standort: Robert-Bunsen-Str. 3, 97076 Würzburg

Gründungsjahr: 1963

Mitarbeiterzahl: 48

jährlicher Umsatz: etwa 11 Millionen Euro

Hauptleistungen: Blitz, Dauerlicht, Großlichtwannen

Geschäftsführer: Guido Puttkammer, Dirk Liesegang

Homepage: www.hensel.eu

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