WÜRZBURG

Würzburg als wichtiger Haltepunkt für Flüchtlingszüge

Schnelle Verpflegung: Helfer bringen Lebensmittel ans Gleis. Foto: T. MÜLLER

Zum dritten Mal innerhalb von zwei Wochen hat am Mittwoch am Würzburger Hauptbahnhof ein Flüchtlingszug gehalten, um die Reisenden zu versorgen. An Bord waren 460 Flüchtlinge überwiegend aus Syrien, Afghanistan und dem Irak – darunter 110 Kinder. 45 Helfer des Roten Kreuzes (BRK) und vom Maltester Hilfsdienst brachten Getränke und Lebensmittel in den Zug.

Gegen 8.30 Uhr war er auf Gleis 10 eingerollt, erst 20 Minuten vorher hatten die Rettungsdienste über die Integrierte Leitstelle davon erfahren. Die Flüchtlinge waren bereits seit Dienstagabend um 22 Uhr in dem Sonderzug unterwegs, er brachte sie von Salzburg zur Erstaufnahme ins niedersächsische Uelzen. In Würzburg legte der Zug am Mittwochmorgen den ersten Versorgungsstopp ein.

„Die Leute waren diesmal gut informiert“, berichtet Jens-Uwe Greiner vom Roten Kreuz über den Einsatz. „Sie wussten, dass sie nur zur Verpflegung anhalten und die Reise bald weitergeht. Alle waren ruhig.“ Fast drei Stunden stand der Zug im Würzburger Hauptbahnhof, rund zwei Stunden waren die ehrenamtlichen Rettungskräfte mit der Versorgung der Reisenden beschäftigt. Für fünf Säuglinge wurde eigens Babynahrung aus der Uni-Kinderklinik organisiert.

Bei ihrem dritten Einsatz dieser Art hatten die Helfer schon Erfahrung. Und es gilt ungewohnte Dinge zu beachten, etwa bei religiösen Tabus. „Wussten Sie, dass in Kindernahrung Schweinefleisch sein kann?“ Auch BRK-Mann Greiner lernt wie alle anderen dazu, und so lief der Einsatz am Mittwoch sehr reibungslos. Dies liegt auch daran, dass auf die Schnelle genügend ehrenamtliche Helfer aufzutreiben waren – um 8.30 Uhr am Morgen keine Selbstverständlichkeit. „Bei einem doppelt so großen Bedarf hätten wir Probleme bekommen“, meinte Greiner am Nachmittag im Gespräch mit der Redaktion.

BRK und Malteser haben sich mittlerweile gut auf Versorgungseinsätze im Bahnhof vorbereitet. Beim MHD wurde ein Lager mit Getränken und nicht verderblichen Lebensmitteln angelegt – Müsliriegel zum Beispiel. Ist der Zug dann im Bahnhof eingetroffen, wird die tatsächliche Zahl von Flüchtlingen geprüft. Statt der zunächst angekündigten 600 kamen am Mittwoch 140 weniger.

Für die genaue Zahl an Menschen werden dann frische Brötchen geordert – die Rettungsdienste arbeiten hier mit der Großbäckerei Götz in Waldbüttelbrun zusammen. „In einer bis eineinhalb Stunden werden die Backwaren geliefert“, so Greiner. Nur wenige Flüchtlinge sind am Mittwoch in Würzburg kurzzeitig aus dem Zug ausgestiegen. Die Rettungsdienste hatten diesmal einen Arzt an den Bahnhof gebeten – er ging durch Wagen und Abteile und machte einen medizinischen Schnellcheck der Reisenden. Problemfälle gab es keine.

Dieser dritte Versorgungseinsatz am Hauptbahnhof war auch vielen anderen Reisenden aufgefallen, weil die Einsatzkräfte vor dem Hauptbahnhof parkten und die Helfer diesmal durch die Bahnhofshalle und den normalen Tunnel zum Gleis gingen. Viele Passanten hätten sich bei ihm erkundigt, berichtet Greiner. Die Reaktionen? Überwiegend zustimmend: „Ihnen begegnet hier ganz viel Verständnis.“ Das erhofft er sich auch für die zu erwartenden kommenden Einsätze. Laut Greiner gibt es Pläne, die Bahnhöfe München, Augsburg und Würzburg als wichtige Bahnknotenpunkte noch besser für Stopps und Versorgung von Flüchtlingszügen auszustatten. Wegen seiner zentralen Lage hat Würzburg besondere Bedeutung. Pro Tag fahren hier mehrere Züge durch – und voraussichtlich werden in Zukunft noch häufiger Pausen in Würzburg eingelegt.

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