WÜRZBURG

Würzburg kann auch Straßenbahn

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Einstimmig hat der Stadtrat am Donnerstag die Erweiterung der Straßenbahnlinien 1 und 5 in Grombühl beschlossen. Jetzt beginnen die Ausschreibungen für den Bau des auf rund 27 Millionen Euro geschätzten Projektes, mit dem die Zentren für Operative und Innere Medizin der Universität bis 2021 ans Strabanetz angeschlossen werden. Das soll die Verkehrssituation für Patienten, Besucher, Klinikpersonal und Anwohner verbessern.

Die Trasse ist 1,3 Kilometer lang

„Ich freue mich, über das klare Signal zur Straßenbahn“, erklärte Oberbürgermeister Christian Schuchardt am Ende einer mehr als zehn Jahre langen Planung. Die neue Trasse von der bisherigen Endhaltstelle Petrinistraße bis zur neuen in der Oberdürrbacher Straße ist zwar nur 1,3 Kilometer kurz, führt aber über komplizierten Grund. Alleine unter der Josef-Schneider-Straße laufen rund 300 EDV-, Dampf- und Elektroleitungen, die verlegt werden müssen – was aufwändig und teuer ist.

Freistaat zahlt fast 18 Millionen

17,9 Millionen der 27 Millionen Euro Investition übernimmt der Freistaat – mit der Möglichkeit einer Nachförderung, wenn die Baukosten steigen sollten. Der Rest – plus Planungs- und weiteren Nebenkosten muss die Würzburger Straßenbahn GmbH (WSB) beziehungsweiser deren Konzernmutter Würzburger Versorgungs- und Verkehrs GmbH (WVV) stemmen. Die Stadt beteiligt sich daran mit einer Million Euro Zuschuss direkt und übernimmt eine Bürgschaft in Höhe von 11,3 Millionen Euro.

Ohne die Sicherheit, dass die Stadt im Notfall für die Schulden der WSB gerade stehen würde, wären die Banken nicht bereit, Darlehen in dieser Höhe zu geben.

Dass die Stadt letztendlich noch mehr für die zusätzlichen 1,3-Kilometer-Straba bezahlen wird, machte Kämmerer Robert Scheller dem Stadtrat deutlich

Das Defizit im ÖPNV steigt

. „Die WSB rechnet ab 2022 mit einem zusätzlichen Defizit durch Abschreibung und Betrieb von rund 995 000 Euro im Jahr“, sagte Scheller. In 25 Jahren kommen so rund 19 Millionen Euro Verlust zustande.

Zwar wolle die WSB durch „Optimierungen“ im Straßenbahnbetrieb Geld einsparen, aber dennoch werde das Defizit des Öffentlichen Nahverkehrs durch die Erweiterung wachsen.

2016 lag diese bei 17,5 Millionen. Dank der Gewinne in anderen Geschäftsfeldern konnte der WVV-Konzern am Ende der Stadt 1,7 Millionen Euro überweisen. Je stärker das Defizit beim ÖPNV wächst, desto weniger bleibt auf Dauer fürs Stadtsäckel.

Umstritten ist die Investition in die Straßenbahn aber deswegen nicht. Im Gegenteil: Sie ist momentan eines der wenigen Großprojekt hinter denen dieser geschlossen steht. Dass der Stadtrat die „Startfahne“ zum Bau gehoben hat, freut auch Kämmerer Scheller, dessen Finanzreferat schon „viel Arbeit in die Erweiterung gesteckt hat.“

Die Ausschreibungen beginnen jetzt

Jetzt kann die WSB die Bauarbeiten für die Trasse europaweit ausschreiben, gleiches gilt für das Staatliche Bauamt und die Leitungen, für die zwei Querungen unter der Josef-Schneider-Straße geplant sind. Der Freistaat baut – noch vor der neuen Trasse – einen 100 Meter langen, begehbaren Tunnel mit einem Durchmesser von 2,50 Meter vom Altgelände des Luitpold-Krankenhauses zur Kopfklinik.

Drei bis fünf Monaten nach der Ausschreibung sollen die Bauarbeiten los gehen.

Heftig diskutiert haben die Stadträte dagegen über die Steinlein-Trasse, deren Bau die Verwaltung mit der Straßenbahnerweiterung verknüpft hatte.

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