Würzburg liest „Die Jünger Jesu“

Neuauflage: Leonhard Franks Roman „Die Jünger Jesu“ gibt es jetzt als preiswertes Taschenbuch. Bei der Präsentation stellten sich mehrere Buchhändler und Buchhändlerinnen sowie Verleger Thomas Neumann (rechts) und Michael Henke (Dritter von rechts) und Ulrike Schäfer (links) von der Leonhard-Frank-Gesellschaft zum Gruppenbild. Foto: Joachim Fildhaut
Würzburg

Zur öffentlichen Mitgliederversammlung lud die Leonhard-Frank-Gesellschaft an einen ungewöhnlichen Ort

in den Residenz-Biergarten. Im Mittelpunkt stand Franks Verhältnis zu den Franzosen.

Leonhard Frank, der 1882 in Würzburg geborene Schriftsteller und „Gefühlssozialist“ (Eigencharakterisierung), war bald nach Beginn der Nazi-Herrschaft nach Frankreich geflohen. Michael Henke setzte seine Suche nach Spuren Frankreichs in Leben und Werk des Romanciers indes schon weit früher an. So waren etliche Frank-Bücher Ende der 1920er Jahre ins Französische übersetzt worden. Auch wenn Unsicherheiten über ihre Verbreitung bestehen, ist Henke sicher: „Jeder literarisch interessierte Franzose wird zu dieser Zeit Leonhard Frank gelesen haben.“

Zumal sein Drama „Karl und Anna“ 1929 in Paris aufgeführt wurde. „18 Zeitungsbesprechungen, davon 17 positive“ zählte Henke. Ein guter Teil dieser Resonanz sei allerdings darauf zurückzuführen, dass der Regisseur seinerzeit zu den bekanntesten Modernen in Paris gehörte.

Gewandt plauderte der Gesellschaftsvorsitzende von seinen Forschungen. Als Stadtführer in Berlin weiß er ein widerspenstigeres Publikum zu fesseln, als ihm in Würzburg folgte. Hier waren Buchhändler in der Überzahl. Schließlich wurde eine Neuausgabe von Franks Nachkriegsroman „Die Jünger Jesu“ vorgestellt.

Die spielt eine Hauptrolle in der eben angelaufenen Aktion „Würzburg liest ein Buch“: Im nächsten Dreivierteljahr soll die Geschichte systematisch zum Stadtgespräch aufgebaut werden. Und damit sich auch jeder das Buch leisten kann, erschien es als großformatiges Taschenbuch mit zwei Nachwörtern zum Sonderpreis von acht Euro. Eines der Nachwörter ist speziell für die Verwendung in der Schule gedacht.

Elisabeth Stein-Salomon, Inhaberin der Akademischen Buchhandlung Knodt, stellte die Kampagne vor, bei der „Bürger miteinander ins Gespräch kommen“ sollen und die „zur kulturellen Identität der Stadt beitragen“ möge. Nach einem Vorbild aus Chicago sei „Eine Stadt liest ein Buch“ hierzulande bereits in Hamburg und Frankfurt, aber auch in Bad Hersfeld und Erlangen gelaufen. Immer bemühe man sich, junge und alte, geübte und weniger geübte Leser anzusprechen.

Außerdem sei es für die Aktion wichtig, dass das Buch einen lokalen Bezug habe. Der ist in „Die Jünger Jesu“ garantiert: Eine Jüdin kehrt aus dem Konzentrationslager in das zerstörte Würzburg zurück, wo zwölf Jugendliche Reiche bestehlen, um den Armen zu geben: grob gesprochen „Die Räuberbande Teil 3“.

Wie habt ihr das erlebt?

Damit ist laut Stein-Salomon eine junge Zielgruppe ebenso angesprochen wie Senioren, die als Zeitzeugen auf Fragen von Schülern antworten können: „Wie habt ihr das erlebt?“ Würzburger Schulen sind denn auch ein wichtiger Ort für die Aktion „Würzburg liest die Jünger Jesu“.

Indes, damit die Kampagne den Kreis der Bildungsanstalten verlässt, entwickelt eine Arbeitsgruppe neue Ideen – und sucht Mitentwickler. Die öffentlichen Veranstaltungen sollen in einer Frühlingswoche ihren Höhepunkt finden.

Kontakt: Leonhard-Frank-Gesellschaft, Daniel Osthoff, Martinstraße 19, 97070 Würzburg, info@wuerzburg-liest.de

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