WÜRZBURG

Würzburg liest Wassermann

Die Organisatoren der Aktion „Würzburg liest ein Buch“ mit der für April 2016 ausgewählten Novelle von Jakob Wassermann, „Der Aufruhr um den Junker“. Foto: Thomas Obermeier

Dass in Würzburg im nächsten Jahr wieder ein Buch gelesen wird, ist schon bekannt. Jetzt haben die Veranstalter von „Würzburg liest ein ein Buch“ e.V. auch bekannt gegeben um welches Werk es sich handeln wird: Mit Jakob Wassermanns historischer Novelle „Der Aufruhr um den Junker Ernst“ soll eine spannende Erzählung übers Erzählen der Vergessenheit entrissen werden.

Vom 8. bis zum 17. April 2016 findet die Aktionswoche rund um den Roman statt. Gerade ist für alle, die sich aktiv an der Leseaktion beteiligen und jetzt schon einlesen möchten, im Verlag Königshausen und Neumann (K&N) eine kostengünstige Neuausgabe erschienen. Sie enthält ein eigens für die Sonderausgabe geschriebenes Nachwort von Wolfgang Riedel, den Lehrstuhlinhaber für Neuere Deutsche Literatur- und Ideengeschichte an der Ludwigs-Maximilians-Universität.

Etwa 100 Lesungen, Ausstellungen, Aufführungen, und Aktionen werden neben einem Schulwettbewerb ganz Würzburg beschäftigen. Würzburg liest e.V., der von Lesebegeisterten um fünf unabhängige, inhabergeführte Würzburger Buchhandlungen getragen wird, will an den Erfolg von 2014 anknüpfen, als Leonhard Franks „Die Jünger Jesu“ im Mittelpunkt einer stadtweiten Leseaktion stand.

„Der Junker Ernst ist – obwohl 1926 geschrieben – eine Erzählung für unsere Zeit“, sagt K&N-Verleger Thomas Neumann. Held der Handlung ist ein junger Mann, der zur Zeit der Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert durch seine Fabulierkunst die einfachen Leute in den Bann schlägt und schließlich auch das Herz des Würzburger Fürstbischofs, seines Onkels Philipp von Ehrenberg, gewinnt. Das ruft Neider auf den Plan, der Junker zieht den Hass der Hexenpeiniger auf sich und wird gefangen gesetzt. Doch seine Anhänger wehren sich.

„Der Aufruhr um den Junker Ernst“ kann heute, da sich wieder Wutbürger wie Pegida auf die Straße wagen, als Parabel der Überwindung von wahnhaftem Nationalismus und Rassismus durch versöhnendes Zuhören und Verstehen verstanden werden, heißt es in einer Mitteilung von „Würzburg liest ein Buch“.

Jakob Wassermann (1873 bis 1934) wurde als Sohn eines glücklosen Spielzeugfabrikanten und der aus einer alten Sommerhäuser Winzerfamilie stammenden Mutter in Fürth geboren. Nach dem Tod der Mutter zog die Familie nach Würzburg, wo Jakob Wassermann seine Militärzeit verbrachte. Nach schwierigen Jahren in Nürnberg, Freiburg und Zürich, avancierte er schließlich in München und Wien zu einem der bekanntesten und meistgelesenen Autoren seiner Zeit, dessen Bücher (z.B. Caspar Hauser, 1908, oder Der Fall Maurizius, 1928) in hohen Auflagen erschienen. Schriftstellerkollege und Freund Thomas Mann sagte über Wassermann, er sei ein „Fabulierer von Geblüt und Instinkt und keiner unter uns ist wie er“.

Die fränkische Landschaft um Würzburg, die Würzburger Hexenverfolgungsgeschichte und seine eigene Ausgrenzung als Jude in Deutschland hat Jakob Wassermann in der Novelle „Der Aufruhr um den Junker Ernst“ durch seine wunderbare Erzählkunst zu einer spannenden Geschichte verdichtet. „Dies ist ein Würzburg-Roman, der weit über die Grenzen Würzburgs hinaus Bedeutung hat", sagt Würzburg liest-Vorsitzende Elisabeth Stein-Salomon. Der frühe Tod Jakob Wassermanns und die nationalsozialistische Verfemung haben seinen Namen fast ausgelöscht. Die Buchhändlerin hofft, dass "Würzburg liest ein Buch 2016" dem vergessenen Autor und seinem Junker Ernst einen neuen würdigen Platz bei den Würzburgern verschaffen wird.

Jakob Wassermann, Der Aufruhr um den Junker Ernst. Erzählung. Mit einem Nachwort von Wolfgang Riedel. Verlag Königshausen u. Neumann, 2015. 181 S. acht Euro. ISBN 978-3-8260-5768-7

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