WÜRZBURG

Würzburg liest und hört ein Buch

Ohren auf! Am Theater am Neunerplatz wird Jakob Wassermanns Roman zum Hörbuch gemacht. Gelesen wird der komplette Text von Schauspieler Martin Menner, aufgenommen wird die CD im Chance-Studio von Wolfgang Salomon. Foto: Theresa Müller

„Literatur wurde in Würzburg zu einem Großereignis. Das hat es vorher noch nie gegeben.“ Mit diesen Worten blickte kürzlich Buchhändlerin Elisabeth Stein-Salomon, die Vorsitzende des Vereins „Würzburg liest ein Buch“, auf die gleichnamige Leseaktion im letzten Jahr zurück. Damals stand Leonhard Franks Roman „Die Jünger Jesu“ im Mittelpunkt von über 100 Veranstaltungen. Gleichzeitig stellte sie bei der Letzten Sitzung des Kulturbeirats das Buch für die zweite Leseaktion vom 8. bis 17. April 2016 vor: Es ist der Roman „Der Aufruhr um den Junker Ernst“ von Jakob Wassermann.

Dass „Würzburg liest ein Buch“ gleich beim ersten Mal so einschlug, hatte sicher mit dem Namen des Autors und dem Stoff seines Buches (Würzburg nach dem Zweiten Weltkrieg und die Zerstörung der Stadt am 16. März 1945) zu tun. Jakob Wassermann, um den es im nächsten Jahr geht, ist hingegen weitgehend in Vergessenheit geraten. Obwohl ihn kein Geringerer als Thomas Mann als „Welt-Star des Romans“ bezeichnete und ihm bescheinigte: „Er hat die Gabe des Fabulierens, die alle erschlägt“.

Ein anderer großer Autor, Henry Miller, bekannte, kein anderes Buch so oft gelesen zu haben wie Wassermanns Roman „Der Fall Maurizius“.

Warum nun also Jakob Wassermann für „Würzburg liest ein Buch“? Im Kulturbeirat klärte Jörg Nellen, der Schulbeauftragte von Würzburg liest e.V., auf. Zum einen ist Wassermann ein fränkischer Autor, denn er wurde am 10. März 1873 in Fürth geboren. Wassermanns familiäre Wurzeln führen nach Sommerhausen, denn von dort stammte seine Mutter. Und außerdem hat er seinen Militärdienst in Würzburg absolviert, wohin seine Familie nach dem Tod der Mutter gezogen war.

Die Romanhandlung ist in der Zeit um 1630 angesiedelt, als Würzburg eine Hochburg der Hexenverfolgung gewesen sei, erläuterte Nellen. Damals sein in Würzburg rund 900 der Hexerei beschuldigte Frauen ermordet worden – sowohl von Katholiken als auch von Protestanten. Die Geschichte spielt in Mainfranken und Würzburg und ist laut Nellen eine Erzählung über das Erzählen. Denn die Hauptfigur, der 15-jährige Junker Ernst, ist viel auf den Dörfern in Würzburg und Umgebung als Märchenerzähler unterwegs. Als der Junker wegen Zauberei gefangen genommen wird, befreien ihn seine Anhänger vor der Inquisition.

Den Roman, den Würzburg 2016 liest, wird es dieses Mal nicht nur in gedruckter Form, sondern auch als Hörbuch geben. Auch die Audiofassung wird im Verlag Königshausen & Neumann erscheinen. Gelesen wird der komplette Text von Schauspieler Martin Menner, aufgenommen wurde die CD im Chance-Studio von Wolfgang Salomon im Theater am Neunerplatz. Die CD-Lesung wird etwa vier Stunden dauern und im MP3-Format veröffentlicht. Als Veröffentlichungstermin ist Anfang November vorgesehen. Der Preis wird 14,95 Euro betragen und die CD wird in einer Auflage von zunächst 1000 Stück erscheinen. Sie wird im Buchhandel erhältlich sein.

Martin Menner wohnt in Güntersleben und hat schon auf vielen Bühnen Theatererfahrung gesammelt. In seinem Repertoire hat er auch zahlreiche Solo-Programme. Die Beschäftigung mit dem Text von Jakob Wassermann sei aber eine ganz neue Erfahrung für ihn gewesen, sagt er im Gespräch. Wassermann habe einen ganz eigenen Stil, in den man sich als Rezitator erst einmal hinein finden müsse. Für jedes einzelne der 15 Kapitel, aus denen der Roman besteht, habe er etwa vier Stunden Vorbereitung benötigt. In dieser Woche wurden die Aufnahmen beendet, jetzt muss Wolfgang Salomon sie noch technisch nachbearbeiten. Auch das ist keine ganz einfache Aufgabe. Für eine halbe Stunde Lesung sind etwa eineinhalb Stunden Bearbeitungszeit notwendig.

Die Aktion „Würzburg liest ein Buch“ wird veranstaltet von den unabhängigen inhabergeführten Buchhandlungen Knodt, Dreizehneinhalb, Neuer Weg, ErLesen und Schöningh sowie der Stadtbücherei. Der Roman „Der Aufruhr um den Junker Ernst“ ist im Verlag Königshausen & Neumann erschienen.

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