Würzburg

Würzburg rückt in den Blickpunkt der Bibliothekswelt

In modernen Bibliotheken stehen nicht mehr die Bücher im Mittelpunkt. Und Würzburg ist seit Eröffnung der Hubland-Bibliothek an dieser Entwicklung maßgeblich beteiligt.
In der Stadtteilbücherei am Hubland stehen die Bücher ganz am Rand. Das Hauptaugenmerk ist darauf gerichtet, dass die Besucher sich hier zu Hause fühlen. Foto: Ulises Ruiz

Sie besteht gerade einmal seit sieben Monaten und ist in dieser kurzen Zeit zu einer echten Erfolgsgeschichte geworden: Die Stadtteilbibliothek am Hubland, die nach dem Prinzip des „Dritten Ortes“ errichtet und eingerichtet wurde, hat viel Aufmerksamkeit erregt – weit über Würzburg hinaus. Und demnächst wird sie sozusagen in den „Adelsstand“ der öffentlichen Büchereien aufgenommen. Denn dann wird eine Delegation der städtischen Bibliothek Aarhus in Dänemark nach Würzburg kommen und die Bücherei im neuen Stadtteil besuchen.

Die dänische Bücherei war die erste, die nicht mehr nur eine Institution zum Bücherausleihen war, sondern als "Open Library" gleichzeitig ihren Nutzern auch eine hohe Aufenthaltsqualität bot. Wer bislang eine kommunale Bücherei nach dem Prinzip des „Dritten Ortes“ aufbauen wollte, der schaute oder fuhr nach Aarhus, so die Würzburger Büchereileiterin Anja Flicker bei einem Pressegespräch von OB Christian Schuchardt. Und jetzt kommt Aarhus nach Würzburg. Das darf durchaus als hohe Auszeichnung verstanden werden, nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Bibliothek Aarhus in der Vergangenheit zur Weltbibliothek des Jahres gekürt worden war, wie Anja Flicker berichtete.

Bibliotheksszene blickt nach Würzburg

Denn in der Bibliotheksszene wird inzwischen sehr oft über Würzburg gesprochen, wenn es um die Gestaltung einer innovativen Bücherei geht. Büchereileiterin Anja Flicker, die im Juni die Leitung der Stadtbibliothek in Düsseldorf übernimmt, wird den Ausbau aller städtischen Büchereien zu „Dritten Orten“ nicht mehr selbst organisieren, hat aber bereits die ersten konkreten Schritte eingeleitet. Beispielsweise konnte sie bei einem Förderprogramm der Kulturstiftung des Bundes für zwei Jahre 200 000 Euro für Würzburg einwerben. Dabei geht es speziell um einen Bibliotheks-Entwicklungsplan für Büchereien, die in enger Kooperation mit den künftigen Nutzern entwickelt werden sollen. Dieser Prozess (in der Fachsprache Design Thinking genannt) wurde auch am Hubland über einen längeren Zeitraum durchgeführt und führte dazu, dass die Benutzer genau die Bibliothek erhielten, die sie sich wünschten und vorstellten.

Die scheidende Leiterin der Stadtbücherei Anja Flicker. Foto: Ulises Ruiz

Anja Flicker: "Würzburger Konzept ist aufgegangen"

Diese Konzeption soll nun auf alle Stadtteilbüchereien ausgedehnt werden, wobei zunächst die unterschiedlichen Bedürfnisse in den einzelnen Stadtteilen herausgefunden werden sollen. „Das hat am Hubland sehr gut funktioniert“, berichtet Anja Flicker. Und sie kann das Erfolgsmodell auch mit Zahlen untermauern. 200 bis 300 Besucher werden in der Regel sonntags gezählt, an Dreikönig waren es sogar 500, berichtete Anja Flicker. Denn die Bibliothek hat jeden Tag geöffnet. Sonntags sogar ohne Personal. Aber auch an diesen Tagen laufe der Betrieb reibungslos, denn die Besucher, die nicht nur aus dem neuen Stadtteil kommen, hätten die Bücherei praktisch von Beginn an als die "ihre“ angenommen.

„Das Konzept ist aufgegangen und mit unseren Besucherzahlen liegen wir sehr weit vorne“, so die scheidende Bibliotheksleiterin. „Wer jetzt eine neue Bücherei plant, schaut sich die Hubland-Bibliothek an“, fügt sie selbstbewusst hinzu. Das gelte auch für das neue stadtteilübergreifende Konzept, das jetzt geplant wird und in das alle Teilbibliotheken in Heidingsfeld, Versbach, Lengfeld und Heuchelhof sowie die Zentrale im Falkenhaus einbezogen werden sollen: „So etwas gibt es in ganz Deutschland noch nicht“, sagt Anja Flicker. 

Inzwischen haben auch die Studierenden der benachbarten Hubland-Universität die neue Bibliothek mit all ihren Vorteilen für sich entdeckt. Die habe man als Kundschaft ursprünglich gar nicht auf dem Schirm gehabt, da sie ihre eigenen Büchereien im Campus Nord und Süd haben, so Flicker. Aber sie sind natürlich genauso willkommen wie alle anderen Gäste.

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