Würzburg

Würzburger Adventskalender: Als Nikolaus mit der Eisenbahn kam

Für Adventskalender-Autor Ulrich Boom war der Nikolaus der eigentliche Geschenke-Bringer. Und dennoch: Irgendwann war es mit dem Kinderglauben vorbei – was Folgen hatte.
Wahrscheinlich war es in den Kindertagen von Weihbischof Ulrich Boom an Nikolaus nicht so  ganz so verschneit wie auf diesem Bild von der Brockenbahn im Harz, aber mit der mit Eisenbahn kam der Nikolaus auf jeden Fall. Foto: Jens Wolf, dpa

Das Fest der Geschenke war in meiner Kindheit nicht das Weihnachtsfest, es war der Nikolaustag. Zu Weihnachten erhielten wir die nützlichen Dinge. Und diese brachte auch nicht das Christkind. Die schönen Geschenke brachte der Nikolaus – und nicht, dass er sie abgab Auge in Auge. Nein, das geschah in der Nacht.

Ein festlicher Zug begleitete den Nikolaus

Der Nikolaus wurde am Vortag des 6. Dezember von allen Kindern zusammen mit dem Bürgermeister und dem Pastor am Bahnhof abgeholt. Der Heilige Nikolaus kam mit der Eisenbahn. In einem festlichen Zug wurde er zum Kirchplatz begleitet, dort gab der Pastor einen Lagebericht über das Dorf und das kirchliche Leben. Dann ging er zur Schule.

Dort ging der heilige Mann mehr lobend als ermahnend von Raum zu Raum zu den Kindern. Alle bekamen eine Nikolaustüte mit Spekulatius, Schokolade, einem Apfel und einem Weckmann, bei dem eine Tonpfeife eingebacken war. Anschließend wurde der Nikolaus mit Musik und Laternen ins Krankenhaus gebracht. Von dort verschwand er auch wohl, um seiner nächtlichen Arbeit nachzugehen. In der Nacht musste er den Kindern die Geschenke, das Spielzeug und die Süßigkeiten, bringen. Diese standen dann am Morgen auf der Fensterbank oder den Treppenstufen.

In den Tonpfeifen wurden Zigarettenreste und Torf geraucht

Als wir älter waren, brauchten wir für den Rückweg vom Krankenhaus ins Dorf die Tonpfeifen. Heimlich wurden von den Mutigen die ersten Pfeifen geraucht, gefüllt mit Torf oder mit Zigarettenstummelresten der Väter. Ich habe da keine gute Erinnerung. Das endete für mich mit Husten und Erbrechen.

Irgendwann ging der Kinderglaube an die leibhaftige Gegenwart des Hl. Nikolaus verloren. Ich verfasste meine erste aufklärerische Schrift. Den Aufsatz unter der Überschrift "Mein Nikolaustag" eröffnete ich mit den Worten: "Den Nikolaus gibt es nicht." Ich weiß noch, es gab ein Donnerwetter vom Lehrer W. und einen Vermerk unter meinem Schriftstück: "Thema verfehlt!".

In Erinnerung bleibt mir aus den Kindertagen der Nikolaus als eine Gestalt, die Güte und Großzügigkeit ausstrahlte.

Text: Ulrich Boom

Ulrich Boom ist Weihbischof in Würzburg.

In der Kolumne „Würzburger Adventskalender“ erzählen Menschen aus Würzburg Anekdoten rund um Advent und Weihnachtsfest.

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